Oiro, Ärger Now, 04.12.2015 in Düsseldorf, AK47 - Bericht von Fö
Oiro, 04.12.2015 in Düsseldorf
Erste Band: ÄRGER NOW. Den Namen hab ich ja schon irgendwann mal aufgeschnappt, mehr aber auch nicht, und so bin ich dann doch recht angetan, als schön zuckrige Melodien von der Bühne kommen, die gar nicht mal so sehr nach Ärger riechen, wie ich beim Namen gedacht hätte.
Die Musik scheint aber doch aggressiver zu sein als sie klingt, so reißt dann auch direkt zu Beginn ne Saite und Robert steht tatkräftig zur Seite, um irgendwas Neues einzuspannen. Dabei kann er sich frei bedienen in einer Auswahl erlesensten Lametta, das der Gitarrist in einer Plastiktüte mit sich führt.
"Der Gitarrist" ist übrigens gar keine so eindeutige Umschreibung, es handelt sich nämlich um zwei Gitarristen und es gibt keinen Bassisten. Ein klares Statement gegen Bassismus. Das basslose Geplänkel gibt aber trotzdem ein schönes Fundament für poppige Bubblegum-Hits. Dass es Hits sind, hat uns der Sänger verraten, und der muss es wissen, der kennt die Lieder ja.
Schönes Poppunk-Gedödel also von einer gut gelaunten Band, sowas macht Spaß! Allerdings dauert mir der Auftritt irgendwie einfach zu lange, meine Aufmerksamkeitsspanne ist mittlerweile, wie habe ich diesen Satz nochmal begonnen?
Gefällt mir jedenfalls alles ganz gut. Kann man sich, wenn man Musik mag, durchaus geben. Als das Konzert zuende ist, steht die Band zufälligerweise noch auf der Bühne, weswegen noch mehr Lieder gespielt werden, auch irgendein Coversong, aber man rotiert ein wenig in der Mannschaft. Immerhin mal etwas Abwechslung!
Anschließend geht es weiter mit OIRO! Die Band tauchte schon vor geraumer Zeit in den hiesigen Punkgazetten auf, man flüsterte sich hinter vorgehaltenem Mund zu von dieser Band, die kein Oi mache, ihn aber trotzdem im Namen trage. Das war wirklich lange Zeit alles, was ich über die Band wusste.
Mein damals gefasster Plan, mich irgendwann mal mehr mit der Band auseinander zu setzen, scheiterte daran, dass sie einfach zu selten spielen um sie fortwährend auf dem Schirm zu haben. Irgendwann fand ich die Band dann ganz okay, dann kam diese irre Idee, dass jedes Bandmitglied seine eigene Solo-Single rausbringt, was mich dann aber, man beachte die Wortwahl, komplett raus gebracht hat.
Kürzlich tauchte dann ein neues Album auf und waberte durch die Redaktionsräume. Und wusste doch ziemlich zu gefallen. Sind Oiro jetzt wieder da? So richtig-richtig? Oder gibt's wieder nur 2-3 Konzerte und sonst nichts? Man wird sehen. Das heutige Konzert, so viel wage ich schonmal zu behaupten, verleitet mich allerdings nicht so wirklich dazu, in Oiro-Oiphorie auszubrechen.
Es gibt semi-witzige Ansagen, die vermutlich so insider-mäßig nur an den eigenen Freundeskreis gerichtet sind und somit ein leichtes Schülerband-Flair in den Raum bringen. Dazu gibt es Musik, die mich auf Platte mehr kickt als live, und das ist wirklich schade, passiert sowas doch eher selten. Mag auch am Sound liegen, mir ist das zu dünn und zu schrammelig. Zugegeben, es wird zwischenzeitlich besser, aber etwas mehr Mühe kann man sich doch ruhig mal geben.
Achja, und es gibt Schwarzlicht. Das ist ganz witzig, zumindest wenn grad sonst nichts leuchtet. Wie Sänger Jonny Bauer erklärt, hat das Schwarzlicht mit gewissen Locken zu tun. Eine Erklärung, die ich auch mal wieder in den Topf "Insider für den eigenen Freundeskreis" werfe. Es gab auch sowas wie richtige Ansagen, zynische Kommentare zu Olympia und Gentrifizierung, aber irgendwie weiß ich nicht, wer damit adressiert werden soll.
Es war nicht alles scheiße. Es gab auch Hits (sowas wie "als was geht Gott an Karneval" oder "Oi Spiesser gib mal Feuer") und es wurde auch hier und da gefeiert, aber im Rahmen der Möglichkeiten auf eher niedrigem Niveau. Mein persönliches Highlight des Sets: "Baumarkt". Warum auch immer. Ist tatsächlich ein punkiger Song.
Wer sich das aktuelle Machwerk der Düsseldorfer geben will, kann das multimedia-mäßig hier tun, oder die älteren Sachen hier. Is schon ganz geil, sag ich euch. Und live auch nicht wirklich scheiße, nur eben enttäuschend.
Und das Konzert hat wirklich so seine Längen, zumindest gen Ende hin, als man keinen Schluss findet, obwohl ich irgendwie nicht den Eindruck habe, dass die Stimmung grad dermaßen am Zenith ist dass eine weitere Zugabe unbedingt erforderlich ist. Aber sollense ruhig. Fazit von Leuten, die die Band schon öfter gesehen haben: Das war schonmal besser. Lasse ich mal so stehen.