Rockstage: Inside The Amber Room, Ferryman, Voxblender, Black.com, 08.09.2012 in Dortmund, Blue Notez Club - Bericht von Fö
Rockstage Dortmund am 08.09.2012
Beginn pünktlich 20 Uhr mit BLACK.COM - mich würde ja echt interessieren, was es mit dem Bandnamen auf sich hat. Aber für ein Interview war ich zu faul. Sich nach einer Internet-Domain zu benennen, machen Startup-Firmen ja ganz gerne, New Economy und so. Aber das machen sie im Allgemeinen dann, wenn sie sich die Domain auch gleichzeitig gesichert haben. Bei der Band black.com bezweifle ich das, die findet man nämlich unter blackcom.info. Mysteriös.
Aber wir sind ja eh wegen der Musik hier. Die kann man grob mit vier Buchstaben bezeichnen: Rock. Und zwar der soliden Sorte, obwohl ich mir hier viel lieber ein Wortspiel der Marke "Rock 2.0" gewünscht hätte, aber das hier orientiert sich eher an der Old Economy. Rock mit diversen Einflüssen à la Blues, Rock'n'Roll und sowat. Aber irgendwie, naja, bleibt nicht wirklich der Eindruck der Vielseitigkeit hängen sondern eher so ein musikalisches zwischen-den-Stühlen.
Da hilft es auch nichts, wenn man Jimi Hendrix neu interpretiert oder den "Folsom Prison Blues" von Johnny Cash auspackt - hm. In, sagen wir, dreifacher Geschwindigkeit würd ich das ziemlich geil finden, das hier ist mir zu seicht. Der Sänger hat ne amtlich rockig-coole Stimme, ihren Applaus hat sich die Band auch verdient, aber so wirklich will der Funke nicht überspringen.
Ach, wat solls. Die Musik kann noch so uninspiriert sein, sobald 'ne Flying V am Start ist, hat einfach jede Band gewonnen! Wie sich das für solch eine wunderschöne Gitarre gehört, zaubert der Gitarrist auch ziemlich locker-flockig ganz amtliche Soli runter. Von daher: Sieg auf ganzer Linie. Hähä. Joah, für ein paar Songs echt gut zu ertragen, irgendwann wirds mir aber trotz aller Stilwechsel zu eintönig. Die restlichen Zuschauer scheinen begeistert, eine Zugabe wird aber nicht gewährt mit Verweis auf den strengen Zeitplan.
Von der folgenden Band wird der Zeitplan etwas umarrangiert, Umbaupause und Linecheck dauern nämlich gefühlt (also für mich, als harmlosen Zuschauer ohne Gespür für den perfekten Sound) zu lange. Na, da müssen FERRYMAN aber ganz schön was bieten um das zu rechtfertigen!
Geboten wird Metal. Das ist zugegebenermaßen ein weites Feld. Hier der melodische Ansatz, wobei der "Ansatz" schon ziemlich weit geht und ich teilweise an Bon Jovi und Meat Loaf denken muss, was bei mir leichte Würgereflexe hervor ruft (hey, nix gegen Bon Jovi und Meat Loaf! Aber an die kommt halt einfach keiner ran!), man rettet sich hier und da durch ein paar filigrane und trotzdem mit anständiger Härte dargebotene Metal-Riffs.
Eigentlich ganz gut hörbar, das Gesamtpaket! Der Sänger wechselt zwischendurch auch mal ans Keyboard und entlockt dem ein paar sphärische Klänge, was dem Sound noch die gewisse Note Eigenständigkeit gibt. Nächste Assoziation: Irgendwie ne weichgespülte Version von Amorphis.
Der Sänger. Hm, vielleicht war es doch die Leibesfülle, die mich an Meat Loaf denken ließ. Zumindest kommt aus diesem Leib eine verdammt ausdrucksstarke Stimme, die sich quer über alle erdenklichen Stimmlagen ihre Festigkeit bewahren kann, wofür es schonmal baffe Respektspunkte gibt.
Fazit: Beeindruckende Performance, vor allem vom Sänger, aber auch die Herren an den Instrumenten (heute, wie wir erfahren, erstmals in dieser Besetzung) hauen gut was vom Brett. Und trotzdem stellt sich auch bei dieser Band dieser Halbwertszeiteffekt ein: Anfangs macht das gut Spaß, irgendwann wird's mir aber doch zu eintönig. Nunja. Wessen Interesse geweckt ist: Hier könnt ihr reinhören!
Kurz zur Location des heutigen Abends: Der Blue Notez Club befindet sich im Keller der Gesamtschule Gartenstadt, hat aber (außer den Toiletten) überhaupt nicht diesen schulischen Charme, ist eher etwas loungig bis nobel gehalten. Macht nen guten Eindruck. Die musikalische Ausrichtung ist aber sonst größtenteils eher dem Blues/Jazz-Bereich zuzuordnen, also nur bedingt mein Interessensfeld.
Nächste Band: VOXBLENDER! Einzige Band heute die ich schonmal irgendwann gesehen habe, vor mittlerweile 3 Jahren ebenfalls auf der Rockstage, aber im FZW. Hm, hatte ich als Progrock-Band in Erinnerung, ganz so schlimm isset aber nicht.
Also, was heißt schlimm. An der Instrumentenfertigkeit der drei lustigen Musikanten gibt's nix auszusetzen, dat is schon ganz ordentlich und nicht zuletzt dadurch übt der Auftritt eine gewisse Faszination aus, wenn auch mit einem großen Manko: Die Musik ist einfach nichts für mich.
Rockmusik die wirklich nur dadurch hervor sticht, dass die Arrangements eventuell etwas vertrackter ausgearbeitet sind als bei anderen Bands - mag seine Freunde finden, aber mir als Musikbanausen gibt das nichts. Von diesen progressiven Einflüssen abgesehen klingt das auch eher nach dieser schändlichen radiotauglichen Rockmusik US-amerikanischer Prägung, bei der sich mir die Fußnägel hochrollen.
Deswegen auch bei dieser Band wieder mein vernichtendes Urteil: Nach ein paar Liedern ist die Luft raus und ich beginne unweigerlich, mich zu langweilen. Vielleicht könnten sie beim nächsten Mal einfach mal Sombreros auf der Bühne tragen, das fänd ich wenigstens witzig.
Na, da hat die letzte Band ja Glück, dass meine Ansprüche mittlerweile gesunken sind: INSIDE THE AMBER ROOM treffen nämlich sowieso noch am Ehesten meinen musikalischen Horizont, und zudem sorgen sie mit simplen Mitteln dafür, dass einem beim Zugucken nicht langweilig wird: Sie bewegen sich auf der Bühne! Wahnsinn! Ist mir bei den vorherigen Bands gar nicht aufgefallen dass ich das vermisst hätte, aber hier wirkt die Agilität regelrecht erfrischend. Danke dafür!
Sinnbildlich dafür: Ein Sprungfoto. Jaja, ich weiß - blame it on the camera. Zur Musik: Inside The Amber Room machen Poppunk. Zu viel Pop und zu wenig Punk für meine Gehörgänge, aber ihr wisst schon, zumindest nah dran. Irgendwie wie College-Rock, nur mit weiblichem Gesang. Ich glaube, "Paramore" wäre eine mögliche Referenz.
Oder meinetwegen auch die ganzen anderen Bands die das einst so gute Label "Fueled By Ramen" in den Emo-Abgrund getrieben haben. Hähä. Aber doch, ich kann ich mich auf die Musik ganz gut einlassen. Eingängige Songs, ordentliche Geschwindigkeit (mal abgesehen von ein paar balladesken Ansätzen) und auf der Bühne kommen sie auch so herrlich unverklemmt rüber.
Das Schöne ist: Irgendwie bekomme ich auch genau das geboten, was ich erwartet habe. Alternative-Skate-Pop-Punk halt. Die Kappe sitzt. Alles nett melodisch. Wenn ich nur nicht dieses zwitschernde Vöglein in meinem Kopf hätte, das ständig säuselt: "ich will mehr Punk. Ich will mehr Punk." - könnte alles etwas dreckiger sein, ja. Aber dann muss ja danach wer putzen.
Hartes Los: Als letzte Band spielen. So einige Zuschauer haben sich schon verpieselt, die Verbliebenden nicken aber alle ganz wohlwollend mit, hier und da klatscht und jubelt man auch mal etwas enthusiastischer, und eine Zugabe wird sich am Ende auch noch gewünscht - und gewährt. Geht doch. So als heimlicher Hauptact kann man das ja mal machen.