Misconduct, Owner's Manual, Phoney 14, 1.11.2013 in Oberhausen, Zentrum Altenberg - Bericht von Gerdistan
Misconduct, 1.11.2013 in Oberhausen
Gemeinsam reisen wir nach Oberhausen, gehen auf der falschen Seite aus dem Bahnhof raus, was aber nicht so schlimm ist, da ich eh noch zum Geldautomaten (kein Geld, aber: Geld kommt aus der Wand) muss. Als wir unseren Fehler eingesehen haben, gehen wir einen umständlichen Weg auf die andere Seite des Bahnhofs (u.a. über das Museumsgleis!) und stehen sofort vorm Zentrum Altenberg. Gut!
Jenz muss vor der Tür noch sein mitgebrachtes Alt austrinken, ich zahle schon mal die 11€ an der Abendkasse (Homeprint-VVK hätte 9,80 plus Paypal-Gebühren und Stress mit eigenem Drucker bedeutet) und mache ein Pflichtfoto von der ersten Band "Owner's Manual". Ich konnte aber dem Pressetext bereits entnehmen, dass mich hier das nicht vom Hocker hauen wird, und das gilt auch für den Rest des Publikums: Alle sitzen.
Da ich lieber stehen möchte, gehe ich erstmal in die Keramikabteilung. Für Kabl mache ich sogar ein Foto von diesem formschönen Eck-Pissoir! Dann wieder raus. Drinnen ist nämlich, wie die fehlende Werbung und der doch eher hoch gegriffene Eintrittspreis bereits vermuten ließen, überhaupt nichts los.
Als nächstes dann Phoney 14 aus Bochum auf der Bühne. Die durften wir ja letztens schon in Dortmund beim Bierschinken eats FZW bestaunen, da war aber deutlich mehr los, wie dieses Foto verdeutlichen soll. Zum Glück ist wenigstens das beleuchtete Schild mit dem tollen Spiralkabel wieder dabei!
Phoney 14 bieten 90er Jahre-Skatepunk, der heute etwas mehr nach Pennywise klingt. Es ist ganz nett, kriegt aber die Meute immer noch nicht dazu, aufzustehen, was für Jenz und mich leider auch zutrifft. Bier für 3€ macht einen halt auch nicht lockerer!
Ein kleiner Teil des Publikums saß vor der Bühne, wurde dann aber von der Band darum gebeten, sich wenigstens auf die Bühne zu setzen. Die Ansagen seitens des Drummers dazu "Ey knutscht mal rum" waren aber auch eher mäßig.
Jenz ist begeistert von Phoney 14 und auch von den Dingen, die da noch kommen werden. Wir sind ja eigentlich auch nur hier, weil Jenz auf der nicht so ganz legalen, von vielen Bands aber geduldeten, wenn nicht sogar unterstützten Seite "Skatepunkers" auf Misconduct aufmerksam geworden wäre.
Halb zehn oder so: Misconduct betreten die Bühne. Zum Star Wars-Intro. So weit, so gut. Der Laden ist immer noch brechend leer.
Misconduct sind vier Leute aus irgendwo in Schweden, die sehr weit gereist sind und uns mehrfach bitten, näher zur Bühne zu kommen. Wenn man das macht, kann man leider die affige Frisur des Bassisten besser erkennen, also ein zweischneidiges Schwert.
Wie auf den Bildern zu erkennen ist, kommt die Band leider etwas zu professionell rüber: Zwei Mitglieder tragen ihre eigenen Shirts, große Aufsteller auf der Bühne, die das aktuelle Album promoten sollen, riesiges Banner und so weiter. Muss das sein?
Dazu kommen noch diverse Stadionrock-Einlagen, Mitklatschen und so, was vielleicht ein bisschen zu dieser hymnisch-poppigen Spielart des Punkrocks passt, den die Jungens hier spielen, vor diesem spärlich gesäten Publikum aber doch irgendwie albern wirkt.
Aber eigentlich doch ne ganz gute Show hier. Die Lieder enthalten genug Singalongs, dass man hier und da mitmachen kann, auch wenn man die Band vor zwei Tagen zum ersten Mal gehört hat.
Besonders der Titelsong des aktuellen Albums ist da sehr gut geeignet. With blood on my hands, and tears in my eyes...
Das Publikum ist eine ziemlich krude Mischung. Da gibt es eine größere Anzahl älterer Pärchen, die wohl mal gucken wollten, was in Oberhausen so los ist, einen Mob polnischer Kurzhaarträger, eine Handvoll Die-Hard-Fans, die alle Texte mitsingen können, die vegane sXe-Antifa und ein paar in den 90ern Steckengebliebene, z.B. den Typen mit dem Alternative-Allstars-Kapuzenpulli. Jenz und mich stecke ich mal vorsichtig auch in die letzte Kategorie.
Auf der Bühne ist ordentlich Bewegung, davor eher nicht so viel. Was auch ok ist, in einem so spärlich befüllten Pit würden sich die Leute ja reihenweise auf die Nase legen.
Gen Ende dürfen dann auch Vertreter aus dem Publikum mal mitsingen. Erstaunlich, wie textsicher manche hier sind. Der Band scheint es zu gefallen.
Er hier mit dem tiefen Ausschnitt und dem Verstoß gegen Regel 1 wird sich sicher noch lange an diesen Moment erinnern.
Nach einer knappen Stunde und Jenz' erfolglosen Versuchen, mit dem Bassisten anzustoßen, machen wir uns direkt nach den Zugaben auf die Socken, um die S-Bahn um 23:18 noch zu kriegen, was mit einem kleinen Sprint auch klappt.
Nach Umstieg in die Regionalbahn ist leider alles voll mit Dortmund-Fans, die im Zug rauchen, rumschreien und randalieren. In Wanne-Eickel bleibt der Zug dann für 55 Minuten stehen, weil ein Wagen so zugerichtet wurde, dass er abgekoppelt werden muss. Kurz bevor der nächste Zug nach Münster käme, fährt er dann doch mal los, und irgendwann gegen 2:00 falle ich ins Bett. Bis zum nächsten Mal, euer Gerd