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Live Fast Fest: The Jim Tablowski Experience, Auf Bewährung, Mann kackt sich in die Hose, Svffer, Sunlun, Somerset, 29.12.2013 in Oberhausen, Druckluft - Bericht von Fö

Live Fast Fest, 29.12.2013 in Oberhausen

Am dritten Tag in Folge nach Oberhausen. Diesmal ausnahmsweise mal nicht zum Punk im Pott, sondern zum Live Fast Fest, das heute erstmalig im Druckluft stattfindet, anstatt, wie früher, vermutlich irgendwo anders. Geht zeitig los, also geht's zeitig hin. Ehrensache.
Ich wohne ja einigermaßen außerhalb der Dortmunder Innenstadt, heißt alleine um zum Hauptbahnhof zu kommen, muss ich zunächst den Bus zur U-Bahn-Station nehmen und dort in selbige einsteigen. Ganz easy eigentlich, würde mich der Bus nicht immer so ankotzen. Mal kommt er zu früh, wodurch ich ihn verpasse, und mal zu spät, wodurch der Anschluss an die U-Bahn nicht mehr klappt. Ab und zu auch mal pünktlich, aber ihr wisst ja wie das ist beim Bus- und Bahnfahren, man merkt sich nur die negativen Momente. Kam also recht regelmäßig vor, dass der Bus unregelmäßig fuhr und ich mich mehr als nur mäßig ärgerte. Natürlich ist die Anschlussgarantie des örtlichen Busunternehmens so geschickt geschaltet, dass sie erst ab einer Verspätungszeit greift, die ungefähr so lang ist, bis der nächste Bus kommt. Kann man also nichts machen. Außer in die Hose kacken. Seit einigen Monaten habe ich eine neue Strategie: Ich verzichte komplett auf den Bus und latsche direkt zur U-Bahn. Das verlängert meine Anreise zwar um etwa 5 Minuten, aber ich bin seitdem ein viel ausgeglichenerer Mensch. Praktisch daran ist außerdem, dass ich, wenn's doch mal zeitlich eng wird, immer noch auf den Bus ausweichen kann. Und mal ehrlich, wie hoch ist schon die Wahrscheinlichkeit, dass der Bus ausgerechnet zu diesen seltenen Momenten nicht im Zeitplan fährt?
Ich sach ma so: Seit heute bei 100%. Das erste Mal innerhalb meiner "neuen Strategie", dass ich auf den Bus ausweiche, und direkt kommt er zu spät, zudem sitzt noch so ne tranige Fahrerin vorne, die sich sichtlich keinerlei Mühe gibt, ihre Verspätung auch nur irgendwie aufholen zu wollen. Vermutlich um den Fahrgästen, die sich zu Recht beschweren, zu zeigen, wer der Boss ist. Also: U-Bahn verpasst, und entsprechend auch den Zug vom Bahnhof. Ich reg mich da jetzt nicht über Gebühr drüber auf, passiert halt, und besser als Autofahren ist das immer noch, aber ein leichtes Zucken im Augenlid verursacht das ja schon.
Wieauchimmer. Am Druckluft angekommen, spielt bereits die erste Band, die gleichzeitig ein Hauptgrund meiner Anreise heute war: THE JIM TABLOWSKI EXPERIENCE. Die drei töften Bengels sieht man zwar eh alle paar Wochen mal auf ner Bühne, manchmal sogar in dieser Besetzung, aber ich find sie ja immer wieder ziemlich nice.
Heute kämpfen sie mit dem Publikum. So eine Art Fernduell, wo die Waffen "dumm rumstieren" sind. Ich hab ja keine Ahnung, was im Vorfeld so passiert ist, aber der konsequente 3-Meter-Abstand von Publikum zur Bühne wirkt tatsächlich wie eine magische Wand, die selbst ich nicht zu übertreten wage. Mache ich also von hinten Fotos. Mit Zoom.
Außerdem scheint ein striktes don't-talk-agreement zu herrschen. Zwischen den Songs ist es so ruhig, dass man Stecknadelköpfen beim Balzen zuhören kann. Was etwas irritierend ist. Zum Glück wird das fidele Treiben bald wieder durch Musik unterbrochen. Musik, die ziemlich schön ist. Musik, die The Jim Tablowski Experience spielen.
Ich muss ja zugeben, mich auf den heutigen Abend nur unzureichend vorbereitet zu haben. So kenne ich nur drei der insgesamt sechs Bands, und von den mir bisher nicht bekannten weiß ich nicht einmal, was die überhaupt für Musik machen, tippe im Vorfeld aber mal auf "Hardcore", damit liegt man ja selten falsch. SØMERSET nennt sich die zweite Band des Abends, und, ja, okay, Hardcore kommt schon hin.
Vor der Bühne ist weiterhin gut Platz, obwohl sich die Halle mittlerweile etwas mehr gefüllt hat - naja, ist halt Sonntag. Die Sängerin nutzt die Chance und platziert sich auf der freien Fläche. Im folgenden sieht man von ihr nur wehende Haare und man hört brachialstes Geschrei, als würde sie gerade exorziert werden oder so.
Musikalisch kann das durchaus was, ziemlich doomig und basslastig, aber mit dem Gesang kann ich mich einfach nicht anfreunden. Da hab ich SängerInnen lieber, die mit derselben Stimmlage singen, mit der sie auch zum Beispiel Kaffee bestellen. Stelle ich mir bei ihr hier schwierig vor. Da wüsste der Kellner nicht, ob sie "Kaffee" oder "die Weltbevölkerung ist in die Höhe geschnellt" gesagt hat.
Publikumsinteraktion: Irgendwo bei Null. Keinerlei Ansagen, und nach dem Set wird statt eines "Dankeschöns" direkt abgebaut. Das wird vermutlich Konzept sein, aber als Zuschauer fühle ich mich ungefähr so sehr angesprochen wie von "die schönsten Bahnstrecken Deutschlands": Geht nicht total an mir vorbei, aber ich frag mich trotzdem warum ich mir das angucke.
Danach: Noch ne Band. Haha. Diesmal lautet der Name SUNLUN, sie machen, wie bereits im Vorfeld von mir vermutet, Hardcore, aber in etwas anderen Dimensionen als die vorherige Truppe. Immer noch recht düster, aber klingt insgesamt punkiger, in Teilen auch metallischer.
Und gerade letzteres hebt die Musik dann doch auf ne neue Stufe. Schön viel Gitarrengeflirre zwischendurch bringt Abwechslung in den oft einfach nur galoppierenden Beat. Man erzählt sich, sie seien Studenten, was ich unumwogen glaube. Andere Stimmen meinen, sie hätten bereits ihre Doktor-Titel und gehen regelmäßig zum Fußball. Doktoren-Hooligans also.
Auch hier ist es wieder der Gesang, der etwas abschreckt. Ist eben wieder Geschrei, aber nicht ganz so kehlkopfzertrümmernd wie bei Sømerset. Ich schätze, der Sänger könnte durchaus das Glück haben, dass der Kellner "mit Milch oder Zucker?" antwortet, wenn er nen Kaffee bestellt. Und nicht sowas wie "Verlassen Sie mein Lokal, Sie Flegel".
Sympathisch auch die Ansagen (ja, endlich gibt es mal welche), die sich um Demo-Momente, Hamburg-Riots und ähnlich Politisiertes drehen. Da kann man durchaus mal zustimmend nicken, oder die Faust recken, mehr ist an nem Sonntagabend ja eh nicht drin.
Nächste Band: MANN KACKT SICH IN DIE HOSE. Die sprengen ein wenig das Korsett, das die beiden zuvor gespielten Bands geschnürt haben, auch wenn "Hardcore" durchaus weiterhin als Schublade herhalten kann. Vielleicht auch "Deutschpunk". Warum spielen die nicht mal beim Punk im Pott?
Lustigste Band des Tages. Maz hoppelt fleißig über die Bühne, wundert sich dann über die von umgekippten Flaschen verursachte riesige Bierlache, meckert lauthals wer denn diese Sauerei verursacht hat und stößt, während er die Flüssigkeit mit dem Fuß wegwischt, direkt die nächsten zwei Flaschen um.
Leichte personelle Überschneidungen mit The Jim Tablowski Experience werden kaschiert, indem Markus die Mütze abgesetzt und den schwarzen Kapu angezogen hat. Raffiniert. Außerdem wechselt er seine Stimme von zartem Milchkaffee zu Kaffeesatz auf Eis.
Songauswahl vom Feinsten, sie spielen alle meine Lieblingslieder, als plötzlich, beim vorletzten Song "Unterwolfland", atmosphärisch das Licht gedimmt wird und das Schlagzeugsolo einsetzt. Geil, in dem Arrangement kannte ich das Lied noch gar nicht. Es stellt sich dann aber raus, dass das Licht ganz einfach aus ist und die anderen Instrumente ebenfalls - weil der Strom weg ist.
Die Sicherung weigert sich, zurück zu springen, als Tatverdächtiger wird das entlaufene Bier ausgemacht, und nach ein wenig Fummelei (ja, war halt dunkel, sorry) klappt dann doch wieder alles. Dadurch wurde es immerhin zum längsten Auftritt, den Mann kackt sich in die Hose je gegeben haben.
Nächste Band: SVFFER. Ausgesprochen "Swiffer", wie Germanist Nils beizutragen weiß. Swiffer, das ist ne gute Sache, so gegen Bierlachen und so. Musikalisch klingt das dann ungefähr so wie die zweite Band des Abends. Also Hardcore in laut und brachial und Black Metal und so weiter.
Zumindest ist der "Gesang" ähnlich anstrengend. Etwas keifiger noch, als würde nicht die Sängerin exorziert, sondern ein abgestochenes Schwein (sorry, "Schwein" klingt vielleicht etwas böse - sagen wir "abgestochenes Einhorn"), das sich eigentlich nur nen Kaffee bestellen wollte. Als Soundtrack dazu läuft wildes Gekloppe.
Immerhin gibt es auch ein paar Ansagen zwischen den Songs, es wird sogar mal gelacht, zum Beispiel wenn es um Sören geht. Ansonsten fühle ich mich etwas ermattet, was zum einen an den anstrengenden letzten Tagen liegt, zum anderen aber auch daran, dass ich jetzt gerne Deutschpunk hören würde.
AUF BEWÄHRUNG spielen als Nächstes! Deutschpunk, na so ein Zufall aber auch. Zuletzt gesehen kürzlich beim Untergang-Festival, wo ich sie überraschend gut fand, weswegen ich auch heute bereitwillig bis zum Schluss bleibe und sogar in Kauf nehme, den monströsen Nightliner von Mann kackt sich in die Hose nach der Show in die Garage zu fahren.
Auf Bewährung kommen ausm Osten, oder aus Berlin, zumindest er hier. Deutschpunk wie er sein muss. Finde ich von Platte etwas anstrengend und plakativ, aber live kommt das doch schön druckvoll. Ob "Nazis aufs Maul", "1312 Hass wie noch nie" oder "Pfeffi muss mit" das sind wahre politische Botschaften, die hier rausgeschrien werden.
Sänger Archi behauptet, sie würden Pop machen. Lasse ich mal so stehen. Der Raum hat sich mittlerweile noch etwas geleert, aber hier und da gibt's tatsächlich Leute, die ein paar Songs mitsingen bevor sie den Raum verlassen. Und wie sich das für ne Pop-Band gehört, gibt's selbstverständlich auch Mitsing-Parts.
Augenweide: Der Drummer. Grimassenreich und unter vollem Körpereinsatz kloppt der da hinten seine Töpfe zusammen, da wird einem ja schon vom Zugucken schwindelig. Alle Achtung. Hut ab. Und was auch immer. Der hat seinen Kaffee bestimmt mit Red Bull und Duracell bestellt!
Gibt auch ein paar Coversongs zu hören. Pascows "Too Doof To Fuck" macht Spaß zu hören, Ramones' "Bonzo goes to Bitburg" hört man so rasant gespielt auch eher selten (zuletzt vor 9 Tagen) und Dritte Wahls "Die Zeit" in der Zugabe kommt auch echt gut.
Das Foto hier hab ich eigentlich nur gemacht, um unauffällig die Gestalten da links vor der Bühne ablichten zu können. Etwa die Hälfte der heutigen Zuschauer trägt Mütze mit weißem Schild vorne drauf, auf dem irgendwas mit Work und Drink zu lesen ist. Scheint ne Sekte zu sein. Vielleicht soll das Schild gegen außerirdische Strahlung helfen. Oder gegen Exorzismus.
Naja, tralala, Konzert ist bald vorbei, danach noch ein wenig dumm rumstehen, Minderheiten diskriminieren und was man halt so macht, bis wir schließlich den geräumigen Nightliner besteigen und auf dem Highway Richtung Las Vegas düsen. Gute Nacht.


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Gerdistan
(Gerdistan)
02.01.2014 11:32
Fahr doch mal Fahrrad!

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