10 Jahre Bakraufarfita Records: Schrappmesser, DivaKollektiv, All Aboard!, Frau Mansmann, 04.10.2014 in Berlin, Jägerklause - Bericht von Fö
10 Jahre Bakraufarfita Records, 04.10.2014 in Berlin
Geschehnisse im Vorfeld: Kakao-Jägermeister vorm Hühnerhaus. Geschehnisse im Nachfeld: FRAU MANSMANN stehen mit 4-minütiger Verspätung auf der Bühne der Jägerklause. Jägerklause, das ist der heutige Austragungsort. War ich noch nie. Netter und gemütlicher Laden. Die Jagdtrophäen an den Wänden sind etwas irritierend, auch in Kombination mit dem roten Pufflicht. Aber da wird sich schon wer was bei gedacht haben.
Bönx zeigt heute erstaunlich wenig Haut auf der Bühne, was für die Umstehenden etwas irritierend ist. Er selbst schafft es während des Auftritts, von "ich halte mich heute mit dem Trinken zurück" auf "GHAAIGGGHHHUU" umzuschweifen. Alex S. erzählt später, der Auftritt habe ihn sehr verstört. Und Bönx habe ihn an Love-A-Jörkk erinnert. Ich stimme dem "sehr verstört" mit Nachdruck zu.
Frau Mansmann spielen astreinen Nuttenpunk (aahh, deswegen das rote Licht). Das Schönste sind die Ansagen von Springflummi-Nutte Bönx, die eigentlich niemand versteht, so sind wir dann auch immer erleichtert, wenn Azi schonmal mit dem nächsten Lied weiter macht.
Tja, und sonst? Ganz guter Auftritt soweit, also wie immer, also eigentlich "ganz gut". Gab, glaube ich, auch nen neuen Song zu hören, der, wie sowieso alles von Frau Mansmann, selbstverständlich ein Hit war.
Zombie-Bönx auf der Suche nach Gehirn. Keine Ahnung warum er das da unten sucht, dort könnte sich höchstens das Niveau verstecken.
Die nächste Band: FRAU MANSMANN! Steht zumindest hinten auf dem Banner. Und ALL ABOARD! kündigen an, heute schlecht spielen zu wollen, um dem Label-Niveau gerecht zu werden. Ich sach ma so: Sie geben sich sichtlich Mühe, schaffen es aber dann doch nicht.
Sänger Karl-Heinz hat schon mindestens vier Bier intus, kann als alter Profi aber wunderbar damit umgehen und überzeugt im weiteren Verlauf des Abends durch dümmliches Grinsen.
Der Auftritt ansonsten: Ganz geil! Gibt einige neue Songs, einige davon sind super, der Rest gut. Die nächste Platte wird bald aufgenommen (das finale Meeting, ob die Band endlich vom Label gedroppt wird, steht noch aus). Alte Hits gab's natürlich auch. Es fehlten einige, ich weiß nicht welche, aber irgendwas fehlte.
Zum Beispiel die Band, also muss David, äh sorry, Karl-Heinz, alleine in die Saiten hauen. Gitarrist Theodor ist verschwunden, um sich ne Gitarre zu leihen, nachdem sein Flehen von der Bühne nach einer Leihgabe ignoriert oder für einen All-Aboard-typischen Nonsense-Scherz gehalten wurde.
Irgendwann sind alle wieder glücklich vereint und rocken totaaal ab. Das Publikum ist soweit auch recht angetan, übt sich aber in Berliner Coolness, so dass der blutige Ellbogen-Moshpit ausbleibt und die einzigen ausgerissenen Körperteile von Karl-Heinz' Gitarre stammen.
Nächste Band: FRAU MANSMANN! Diesmal verkleidet als DIVAKOLLEKTIV. Den Beginn des Auftritts verpasse ich, weil die Lautstärkeisolierung der Jägerklause so phänomenal gut ist, dass man draußen nicht einen Ton hört.
Draußen, da muss man sich aufhalten, wenn man Luft schnappen will, hier drinnen gibt es davon nämlich keine. Mir fällt mal wieder auf, wie glücklich ich mich schätzen kann, die meisten meiner Konzerterlebnisse in einem Bundesland mit Rauchverbot verbringen zu dürfen. Ich habe einfach kein Verständnis dafür, warum man in Räumen mit schlechter Luft unbedingt rauchen muss.
Dieses Foto hat sooo einen Bart. DivaKollektiv legen einen wirklich großartigen Auftritt hin. Spiel, Spaß und gute Laune. Ist ja auch der vorerst letzte (was gemein ist) wegen Nachwuchs (was weniger gemein ist, sondern, sagen wir, voll im Trend liegt).
Dass das DivaKollektiv Hits hat, kann ja nun wirlich keiner bestreiten. Höchstens vielleicht die, die das DivaKollektiv noch nie gesehen haben, was heute auch einige sind. Trotzdem ganz amtlicher Zuspruch - und mitgesungen wird auch. Brave Menschen. Die Diven sind auch herzhaft angetan von den Mitsingern, die dies auch ohne Aufforderung hinkriegen.
Das Publikum übt sich ansonsten in Berliner Zurückhaltung. Ist prall gefüllt hier (mittlerweile ausverkauft), ordentlich Masse vor der Bühne, aber Bewegung irgendwie nicht ganz so. Bis irgendwann gen Ende der mächtige Bönx zu Schubsen anfängt, woraufhin sich bemerkbar macht, dass einige der Anwesenden genau auf diese Initialzündung gewartet haben. Bönx kann sich vor Dankesbekundungen kaum noch retten.
Heute kein anständiges SchlagzeugerInnen-Foto dabei. In diesem Fall natürlich Absicht, da Caro den Frevel begangen hat, von der Bühne aus das Geheimnis um die Namensgebung von Bakraufarfita Records zu verraten. War zwar nur die halbe Wahrheit, aber jetzt brauchen wir ein neues Firmenmysterium.
Nächste Band: FRAU MANSMANN alias SCHRAPPMESSER. Ist das dritte Konzert, das ich in diesem Jahr von der Band sehe, was, denke ich, ein ganz guter Schnitt ist, bedenkt man, dass dies der dritte Auftritt in diesem Jahr ist. Und der fünfte insgesamt.
Irgendwie merkt man, dass die Band aus Profis besteht. Nicht zuletzt auch deswegen, dass sie neben Frau Mansmann die einzigen sind, die sowas wie ein Backdrop mitgebracht haben: Nämlich Unterwäsche.
Nach 2-3 Songs denke ich mir "och joah, bester Auftritt den ich je von Schrappmesser gesehen habe". Ein paar weitere Songs später stimme ich mir zu. Andere im Publikum sehen das vermutlich ähnlich, keine Spur mehr von Zurückhaltung.
Heute stimmt sogar das Verhältnis zwischen Laberei und Musik! Okay, sagen wir mal, 10% mehr Musik wär okay gewesen. Aber das ist schon ziemlich nah am Optimum. Nach nur einer Probe, wie die Band behauptet! Wie probt der Ingo eigentlich seine Ansagen?
Verzeihung, "Der Ingo" sagt man nicht. Man sagt "Ingo". Wieder was gelernt von Onkel Ingo. Man merkt, dass Ingo hauptberuflich mit Kindern arbeitet. Und er ist soo süüüß!
Alles flippt aus. Weil ausschließlich Weisheiten von der Bühne kredenzt werden. Schrappmesser sind eine wirklich gute Band, möchte ich an dieser Stelle mal fest halten. Sie wissen zum Beispiel, dass Westfalen weniger Probleme beim Organisieren haben, weil sie dies täglich beim Alkoholkauf trainieren. Da es dort keine Spätis gibt, muss das nämlich gut terminiert werden.
Neben den üblichen, von Platte bekannten Anleihen an diversen Bands und Musikrichtungen, wird zwischendurch auch mal kurz Manowar angespielt, und ein Coversong muss auch sein. Das DivaKollektiv singtbrüllt irgendwas in den Raum, das ich nicht kenne, woraufhin sie von Ingo zum Mitsingen auf die Bühne gebeten werden. Gina macht das sogar und darf "Do what you want" mitnuscheln.
Auftritt zuende, und ich denke mir so "das war DEFINITIV der beste Schrappmesser-Auftritt, den ich je gesehen habe". Dann kommt die Band zurück auf die Bühne und beschließt, weil noch 3 Minuten Zeit ist, dem Wunsch des Publikums zu folgen und ein zweites Mal "Auf alles reimt sich Saufen..." zu spielen. Den Hit nochmal spielen? Wie tief kann man sinken? Anwärter auf schlechtestes Konzert des Jahres!
Das ist ungefähr so peinlich wie ganz vorne zu stehen und die Texte nicht zu kennen, wenn Ingo das Mikro hin hält. Nunja. Aber dafür schallt der Band auch ein vielfaches "Schülerband! Schülerband!" entgegen. Und ich muss zugeben, Hit ist nunmal Hit. Also wird noch ein zweites Mal mitgegrölt. Kann man machen.
Anschließend noch Aftershowparty mit DJ Pult. Davon keine Fotos, weil, muss ja nicht. Ich schieße mich total ab, wie immer halt, und muss irgendwann den Bakraufarfita-Firmenwagen irgendwohin kutschieren mit einem uppjemahten Beifahrer, der den Weg nicht kennt. Großartiger Abend!