Stoned Age, Bloodstains, A1xA3, Sign Of Sinner, 31.10.2015 in Leverkusen, Kulturausbesserungswerk - Bericht von Chris Crusoe
Stoned Age, 31.10.2015 in Leverkusen
Einer der mittlerweile seltenen Auftritte von Stoned Age und das zu "Karneval-St.-Martin". Liebevoller Aufruf der Veranstalter: "Kommt lieber ins KAW anstatt euch in euren uninspirierten Halloween-Klamotten in Köln oder irgendeiner anderen Dorfdisco lächerlich zu machen." Deal!
Erste Band ist eine neue Rockband aus Leverkusen. Aha, noch nie gehört: Sign Of Sinner. Bekannte Gesichter in neuer Formation. Zunächst noch recht kühle Atmosphäre in der großen Halle des K.A.W.s. Die ersten Songs überzeugen noch nicht so richtig. Alles okay aber irgendwie nicht so richtig mitreißend.
Aber Band und Publikum werden im Verlauf des Sets warm und mit dem Kyuss-Cover "Green Machine" (exzellente Wahl!) kommt dann auch ein wenig Stimmung auf. Leider ist den ganzen Abend über der Gitarrensound recht schwach bzw, zu leise, worunter die ersten drei Bands leiden, die alle nur einen Gitarristen haben.
Zweite Band sind die ebenfalls einheimischen A1xA3, die sich Punkrock der klassischen Schule vorgenommen haben und nach dem beliebten Autobahnkreuz benannt sind. Leider ist auch hier die Gitarre meist zu leise, was allerdings mit neuem Verstärker begründet wird. Draußen aber trotzdem zu wenig Druck leider.
Darum schrammelt der u.a. (Zitat) von den Buzzcocks beeinflusste Sound auch ein wenig unspektakulär vor sich hin. Die Band ist durchweg sympathisch, wirkt aber zu dem Pech mit dem Sound auch noch ein wenig hüftsteif. Vielleicht würde hier und da ein Johnny-Ramone-Ausfallschritt gut aussehen, zwinker, zwinker. Trotzdem ein okayer Auftritt von netten Leuten!
Nach kurzer Durchfallattacke des Autors wegen zu viel Cola (ergo: zurück zum Bier) geht es weiter mit den Bloodstains aus Aachen. Feiner Hardcore-Punk mit Feuer unter dem Hintern. Klassische Hardcore-Shouts gepaart mit melodiösen Parts à la Pennywise und Ignite. Hier wird auch vor verhaltenem Publikum Gas gegeben und das reißt mit.
Die zwischendurch auch mal in englisch (very international, indeed!) eingeworfenen Ansagen und Aufputscher verfehlen ihr Ziel nicht und das Publikum rückt näher und es wird jetzt auch immer mehr getanzt. Zum Abschluss gibt es, dem Termin Tribut zollend, noch zwei Misfits-Cover, nämlich "Hybrid Moments" (glaube ich - grübel) und natürlich "Halloween". Geiler Auftritt, geile Band!
Letzter Umbau und dann folgen Stoned Age. DIE Leverkusener Punk Band die es schon sehr lange gibt und die in den letzten Jahren nur noch sporadisch auftritt leider. Früher gerne mal mit drei Gitarren, heute zum Beispiel mit drei Bassisten. Und weil immer irgendwer gerade nicht mitspielt, muss natürlich auch ein Sessel auf die Bühne. Ganz klar!
Hier ist kein Platz für Nostalgie, weil die Lieder, egal aus welcher Epoche, immernoch so sehr in den After treten, dass man wirklich mitgerissen wird. Das Bühnen-Outfit mit Blut und/oder schlammiger Heilerde darf dabei auch nicht fehlen. Markenzeichen!
Chris muss zugeben, Fan zu sein, da diese Band ihn schon lange begleitet - seit frühester Adoleszenz, so zu sagen. Außerdem spielen liebe Freunde in der Band mit und es gab auch schon etliche gemeinsame Lärmabende. Trotzdem muss Objektivität gewahrt werden. Ganz objektiv lässt sich also festhalten: affengeil, Mann!
Schützenhilfe gibt es zwischendurch am Klapperbass von Bad Reputation-Saschi, während Bassist Maiden den Gesang übernimmt, Bassist Frustus eine der Gitarren und Sänger Gauna den Sessel. Das muss ja auch jemand tun. Und vom Sessel aus lässt sich auch am besten das bierspritzende Publikum zurück bebierspritzen.
Egal, wer gerade welches Instrument spielt, und auch wenn mal ein kleiner Break verrutscht, hat man nicht den Eindruck, dass es an Routine fehlt. Es darf zwar gemutmaßt werden, dass nicht all zu oft die Gelegenheit zum Proben bestand, aber anmerken kann man das der Band nicht. Musiker wie Publikum scheinen Spaß zu haben.
Diese Band fehlt im lokalen Gebälk! Schade, dass neben Bücherschreiben, Diary Of Dreams, The Lunatics, Kannibal Krach und was die Herren sonst so an künstlerischem Output fabrizieren, so selten Gelegenheit für Stoned Age-Extravaganzen bleibt.