Sommerfest Baroperstraße: MadHatter, One Oak, Walking On Rivers, 10.06.2016 in Dortmund, Studentenwohnheim - Bericht von Zwen
Sommerfest Baroperstraße, 10.06.2016 in Dortmund
Wir kommen also an und sehen erstmal neben der Bühne diesen herrlichen Plattenbau. Hach ker, da bekommt man doch fast so ein sentimentales Gefühl von Heimat oder so. Deswegen lieber schnell mit Bier versorgen und das ganz schnell vergessen.
Nach einem kurzen Soundcheck fangen dann auch schon MADHATTER an. Eigentlich sind wir ja heute auch nur wegen denen hier. Ja gut, und wegen Bier, aber man interessiert sich ja schon auch immer dafür, welche Wege ehemalige musikalische Mitstreiter heute gehen.
Aber nicht nur Sandy weiß optisch zu beeindrucken. Ich meine; wie viele Pluspunkte kann man denn bitte für diese Matte vergeben? 100+X?
Der Drummer hingegen wirkt ein wenig so, als wäre er versehentlich auf den Schlagzeughocker gefallen.
...und dann hat der verrückte Hutmacher (oder war es die Grinsekatze?) den Sänger noch schnell in Slash verwandelt. Geil!
Ansonsten hätte ich mir eigentlich noch ein bisschen mehr Action vom eigentlichen Protagonisten gewünscht, aber man kann ja nicht alles haben.
Wem fällt was auf? Richtig, ich habe noch gar nichts zur Musik an sich gesagt und ziehe mich mal wieder nur am Drumherum hoch. Also, eigentlich ist das ja ein kleiner Trick von mir, wenn ich mich mal vor einem Verriss drücken will, weil ich die Musik kacke finde, die Leute aber mag, heute ist das aber zum Glück anders.
Der kernige Rock'n'Roll/Grunge/Punkrock der alten Schule weiß mir nämlich durchaus zu gefallen. Der Sänger hat eine sehr angenehme, eine Nuance kratzige Stimme und bringt die genau richtige Portion an Pathos mit.
Beim Blick auf die beiden Roadies in MadHatter-Kluft schwanke ich ein bisschen zwischen überbewertet und eigentlich geil. Wirkt halt schon fast professionell, wie sie da mit Sonnenbrille und der Kippe in der Hand jeweils rechts und links neben der Bühne stehen und ab und zu mal eine Gitarre angereicht bekommen bzw. wieder eine reinreichen.
Irgendwie hat der Auftritt genau die richtige Balance zwischen entspannt und nach vorne raus. Macht Spaß. Das Social Distortion-Cover "Sometimes I Do" passt ebenfalls perfekt. Auch die Tatsache, dass Sandys Mikro aus ist, kann die ganze Sache nicht schmälern.
Die Zugabe wird dann gegen den Protest der Veranstalter, die Angst um den Zeitplan haben, gespielt. Richtig so, man muss sich halt gegen Studenten durchsetzen!
Als nächstes spielen dann ONE OAK, die ihren fehlenden Bass mit einem Synthesizer kompensieren, der sich unter dem Keyboard befindet. Normalerweise mag ich sowas ja nicht. Hier geht das aber klar.
Ein bisschen loriotschen Humorismus gibt es auch hier wieder zu belachen. Zumindest ist das von uns aus linke Mikro, wie gerade auch, immer noch aus. Immerhin merkt der Gitarrist dieser Band, dass etwas nicht stimmt und beschwert sich beim Techniker. Kurz bevor man gerade die Mikros tauschen will, fällt ihm auf, dass der Schalter auf "Off" steht. Herrlich!
Da die Band jedoch mindestens so cool ist, wie die Cocktails, die es hier zu kaufen gibt, macht denen das gar nichts.
Zu hören gibt es so eine Art Sunnypop mit 80s-Einflüssen, der stellenweise an Daft Punk und stellenweise an Bilderbuch erinnert.
An letztere vor allem wegen Songtiteln wie "Hipster No. 1" und "Player", aber ich denke mal das hier genau wie bei den Österreichern voll die krasse Metaebene hinter steckt.
Damit endet dann auch schon unsere Aufnahmespanne und von WALKING ON RIVERS gibt es nur Alibifotos. Das, was wir vom Bierstand mitkriegen, klingt eben wie Mumford and Sons.
Irgendwann kommt eine vom Orgateam vorbei und sagt, dass auf der Bühne gerade ihre beste Band stände und entschuldigt sich, dass es so leer ist, was ihrer Meinung nach am schlechten Management liegt. Das ist ziemlich süß, da wir jedoch herzlose Idioten sind, lässt uns das kalt und wir bleiben beim Bier.
Ich versuche derweilen meine letzten beiden Pfandbecher loszuwerden, was gar nicht so einfach ist, zumindest wenn man keine Wermarken wiederbekommen möchte. Dann gibt es aber den entscheidenden Tipp: Die Becher ganz einfach gegen Shots eintauschen. Gesagt getan: Für Becher Nummer eins kriegen wir drei Kisker-Shots und für Becher Nummer zwei zwei Vodka. Warum haben wir nicht direkt den ganzen Abend nur Shots getrunken?
Auf dem Rückweg stoßen wir auf diese komische Bushaltestelle, wo gar kein Bus fährt, hauptsache es leuchtet grün, was liebe TU?