Lesung: Robert Bahr "Das Rote Spielzeugauto", Stefan Bauer, 04.10.2016 in Bochum, Neuland - Bericht von Zwen
Lesung: Robert Bahr "Das Rote Spielzeugauto", 04.10.2016 in Bochum
Im Neuland angekommen gibt es erstmal ein paar Schlegel. Das Bochumer Home-Brew kostet hier drei Euro. Das ist zwar nicht geschenkt, für eine Kneipe aber voll in Ordnung und dafür gibt es ja auch schunkeliges Ambiente mit Kerzen und Lampenschirmen.
Aber nun zum Rahmenprogramm zum Bier: Dies besteht zunächst ja aus dem Singer-/Songwriter STEFAN BAUER. Pluspunkte gibt es zunächst mal direkt für die E-Gitarre und die vielen Effekt-Pedale.
Auftritt ist so weit auch echt in Ordnung. Musikalisch passt der leicht seichte Pop zumindest gut zur Gesamtatmosphäre, wenn ich auch zugeben muss, dass ich mir die Musik normalerweise nicht unbedingt geben würde. Trotzdem trinkt sich das Bierchen zu den dahingeschmeichelten Akkorden und der sanften Stimme doch echt gut.
Zum Abschluss noch mal ein Foto von den Tretminen. Der Sänger wusste echt gut was damit anzufangen und hat teils live Samples erstellt, mit denen er dann die folgenden Songs unterlegt hat.
Zur Lesung müssen wir dann zunächst einen kleinen Raumwechsel vornehmen. Ein buckliger Typ mit langer Kutte bittet uns ins Hinterzimmer, wo der Autor schon Platz genommen hat. Ein große Stehlampe erhellt den Leser und hüllt das Publikum in Schattenspiele.
Der Meister selbst erzählt reales und surreales, bleibt aber immer mit einem Bein in der Realität. Die Ausschnitte sind zumeist leicht depressiv oder haben ein trauriges Ende. Der Künstler scheint vor allem auch durch seine Arbeit leicht desillusioniert von selbiger, aber auch von dem Leben, eben von allem. Es geht um persönliche Schicksale - das Versagen, das Nicht-Dazugehören - , wie sie sich tagtäglich zwischen den Betonwänden jeder x-beliebigen Stadt abspielen. Aber auch um Schicksale von Geflüchteten, sowie Geschichten über Krieg und Frieden und die schmale Grauzone dazwischen.
Vor lauter Frust kann er auch nur noch Wasser saufen, dabei sind die Geschichten wirklich gut und gefallen mir aufgrund der leicht kafkaesken Züge auch hervorragend.
Nach einer Raucherpause gibt es dann noch eine kleine Zugabe vor merklich zusammengeschrumpften Publikum. Robert betont, dass ihm das ja eh so viel lieber ist und so bricht dann gänzlich der Abstand zwischen Publikum und Erzähler. Robert macht Witze und erzählt Schwenker aus seinem Leben. Auf Wunsch wird sogar ein fröhlicher Text gelesen (den ich jetzt gar nicht mal so fröhlich fand).