Manchester Punk Festival: Strike Anywhere, Brutal Youth, Belvedere, The Murderburgers, Fair Do's, Chief, Sweet Empire, Stöj Snak, Onsind, Money Left To Burn, Despite Everything, Mighty Midgets, Revenge Of The Psychotronic Man, Throwing Stuff, The Human Project, After The Fall, One Hidden Frame, The Crash Mats, Crocodile God, 20.-22.04.2017 in Manchester (UK), - Bericht von Gerdistan
Manchester Punk Festival, 20.-22.04.2017 in Manchester (UK)
Reisegruppe Augsburg trifft sich also um 7:00 und schüsselt nach Nürnberg zum Flughafen, wo man auf einen Haufen Nürnberger mit demselben Ziel trifft. Einen unspektakulären Billigflug später rollen wir mit dem Zug nach Manchester hinein und lassen uns vom Charme dieser Arbeiterstadt umwabern. Bisschen dreckig, aber nett [hier Mutterwitz einsetzen].
Unser erstes Ziel war unsere AirBNB-Wohnung. Der Vermieter hatte leider vor 16 Uhr keine Zeit, also holen wir uns Dosenbier und hocken uns in den angrenzenden Hulme-Park, wo zwar Saufen mit bis zu 500 Pfund Strafe belegt wird, aber es scheint dennoch niemanden zu stören. Die Holstendosen sind nicht von uns!
Dann machen wir uns alsbald auf den Weg, zu einem der Clubs (das MPF verteilt sich auf mehrere Läden in Manchester), holen uns ein Bändchen und gucken uns mal so grob um.
Dann machen wir uns alsbald auf den Weg, zu einem der Clubs (das MPF verteilt sich auf mehrere Läden in Manchester), holen uns ein Bändchen und gucken uns mal so grob um.
Apropos Arbeiterstadt: Das MPF ist so aufgeteilt, dass es Donnerstag und Freitag erst später losgeht, für die arbeitende Bevölkerung. Für Touristen wie uns heißt das natürlich, dass wir mehr Zeit für Daytime Drinking haben. Dazu haben wir uns mit den zwei Nordlichtern Jan und Olli zusammengetan und äh ja, mit viel Dosenbier haben wir uns auch zusammengetan. Hier im Bild: THE CRASH MATS, die erste Band, die wir uns angeguckt haben. So Ramonespunk, aber ohne größere Highlights.
Zweite Band dann CROCODILE GOD, im Festivalplaner standen bei jeder Band drei vergleichbare Bands, bei denen hier stand "The Ergs! The Ergs! The Ergs!" und so klang das ganze dann auch. Wir haben mittlerweile herausgefunden, dass man für unwesentlich mehr Geld als für eine Dose Bier im Laden auch nen Cocktail kriegt, also löten wir uns fortan damit die Birne zu.
Danach folgen dann THE HUMAN PROJECT aus Leeds. Die kannte ich vorher bereits, denn sie sind sehr gut. Aus ebenjenem Grund habe ich letzten Sommer auch ne Show mit denen in Augsburg veranstaltet. Für die paar Banausen, die diese Band nicht kennen: Flotter Skatepunk mit geilen Melodien, ordentlich Druck und einer recht hohen Stimme, an die man sich erst mal gewöhnen muss.
(Danke fürs Foto an Marshall von Money Left To Burn)
(Danke fürs Foto an Marshall von Money Left To Burn)
Vom hervorragenden 2013er Album "Origins" wird viel runtergebolzt, dazu noch ein paar neue Songs. Man merkt auf jeden Fall, dass die Band selber ordentlich Bock hat. Wenn ihr die mal irgendwo sehen könnt, geht da hin! Im Herbst sollten sie wieder auf Deutschlandtour sein. Sehr zu empfehlen und ein hervorragender (verspäteter) Start in dieses lange Konzertwochenende. Ich brülle mir die Seele aus dem Hals und fülle pappsüße Cocktails nach. (Danke fürs Foto an Marshall von Money Left To Burn)
Letzte Band des ersten Tages dann THE MURDERBURGERS. Die wechselnde Truppe um Sänger Fraser ist ungefähr dauernd auf Tour, deshalb sollte der Name den meisten ein Begriff sein. Falls nicht: Fröhlicher Pop-Punk mit depressiven Texten. Sehr groteske Mischung, aber eine Gratwanderung zwischen Genie und Wahnsinn. Z.B. wird man dazu aufgerufen, nach der Ansage "I don't feel very well" laut "My dad's on speed" zu rufen. Soviel dazu.
Danach geht es dann zurück in unsere Bude, wo der Vermieter netterweise eine zweite Bettdecke nachgeliefert hat. Ein paar Stunden wettschnarchen und wir sind wieder auf den Beinen.
Wir beginnen den Tag mit einem Full English in einer kleinen Klitsche unweit unserer Bude, bevor wir uns wieder in die Innenstadt aufmachen, um uns mit den üblichen Bagaluten zu verknüpfen und die üblichen Getränke zu verzehren.
Wir beginnen den Tag mit einem Full English in einer kleinen Klitsche unweit unserer Bude, bevor wir uns wieder in die Innenstadt aufmachen, um uns mit den üblichen Bagaluten zu verknüpfen und die üblichen Getränke zu verzehren.
Erste Band des Tages wären "Throwing Stuff" gewesen, von denen ich aber leider kein Foto habe. Was ärgerlich ist, denn die haben echt geilen Ballerpunk gespielt. Aber noch geiler wurde es dann im Anschluss mit den FAIR DO'S, einer meiner absoluten Lieblingsbands dieser Tage.
Eng verknüpft mit der Organisation des Festivals (er hier rechts im Bild, Bassist Josh, hat zum Beispiel die ganzen schönen Fotos gemacht, die ich hier zeige) lässt man es sich natürlich nicht nehmen, hier auch selbst wieder aufzuspielen. Mit ihrem extrem technischen Fideldidü-Skatepunk kommen die Herren hier blendend an. Vielleicht auch, weil sie alle aus Manchester oder der näheren Umgebung stammen?
Es wird natürlich die komplette EP von 2014 gespielt (ein Stück Musikgeschichte, zieht euch das rein) und ein paar neue Stücke, die naturgemäß das Publikum nicht vollends in Ekstase verfallen lassen, aber durchaus Interesse am kommenden Album hervorrufen. Also: Fair Do's, geil, gerne wieder.
Die Herren hier auf der Bühne sind vermutlich jedem ein Begriff, der um die Jahrtausendwende ein gewisses Alter und ein gewisses Interesse an alternativer Musik gehabt hat.
Die lange Bühnenerfahrung merkt man der Truppe um Thomas Barnett durchaus an, alles extrem tight gespielt, das Publikum bölkt mit, die Stimmung kocht.
Da das Festival nun schon über nen Monat her ist, und ich mich im umfangreichen Backkatalog von Strike Anywhere nur so mittelmäßig auskenne, kann ich gerade gar nix zur Songauswahl sagen.
Außer, dass alle Hits gespielt wurden und es direkt mit "The Crossing" losging, obwohl sich in unserer Reisegruppe die Meinung breit gemacht hatte, dieses Lied würden sie nieeeee live spielen. Haha, doch!
Locationwechsel, jetzt geht es zum ersten Mal in den "Zoo", wo wir uns mit ein paar Dänen in der falschen Hälfte des Lokals was zu trinken bestellen, bevor wir merken, dass das Konzert ganz woanders stattfindet. Aber wir kommen trotzdem noch rechtzeitig zu SWEET EMPIRE an.
Diese Band habe ich schon in Münster und Haarlem (NL) bewundert, und sie machen immer wieder Spaß. Geil poppiger Punk, der durch die Bühnenenergie von Sänger Rowald im Gedächtnis bleibt. This seasons needs torches! War klasse, jederzeit gerne wieder.
Der Konsum alkoholischer Getränke kommt natürlich auch nicht zu kurz - hier führen mein schottischer Kumpel Dave und ich dass alljährliche "ACH WIE SCHÖN IST DAS HIER DASS ALLE HIER SIND UND SICH LIEBHABEN"-Gespräch.
Nach Sweet Empire folgte dann eine der größten Überraschungen des Festivals: CHIEF aus... irgendwo in UK. Die kannte ich vorher überhaupt nicht, hab sie mir nur aufgrund der doch eher großen Ankündigung in Bezug aufs MPF mal angehört.
Und was soll ich sagen? Das Album "Provocation of the Nation" fährt genau in meine Allee, wie der Angelsachse sagt. Flott gespielter Punk/HC mit geilen Mitgrölparts und allem, was man sonst noch so braucht.
Das Ganze wird so auf den Punkt gespielt wie die Hose des Gitarristen, und das Publikum lässt sich auch nicht lumpen. Vielleicht auch, weil es schon nach eins ist. Vielleicht.
Hier darf auf keinen Fall ein Drummerfoto fehlen, denn der Typ hatte richtig Spaß an dem, was er da tat. Zwischendrin immer wieder paar Fills zusätzlich oder die Sticks mal kreisen lassen, einfach der Wahnsinn.
Bei Phrasen wie "Enough is enough" darf auch mal das Publikum ans Mikro. Eine der beiden Bands hier im Zoo hat auch noch Waiting Room von Fugazi gecovert, aber ich weiß nicht mehr welche. Ich glaub eher Sweet Empire.
Ziemlich fertig krochen wir nach Chief in unsere Schlafstätten, ohne uns von der Echtheit der Anti-Kletter-Farbe zu überzeugen. Denn der längste Tag lag ja noch vor uns!
Los ging es am Samstag mit STÖJ SNAK aus Dänemark. Da ich von ihm kein Foto habe, hier eines von einem Eichhörnchen. STÖJ SNAK war einer der besten Auftritte, Singer/Songwriter, aber geil. Zieht euch mal bei Youtube das Lied "Fuck" rein, dann wisst ihr, was ihr verpasst habt.
Dann schnell rüber ins Sound Control, mein einziger Besuch auf der Keller-Stage. Hier fliegt einem von ONE HIDDEN FRAME geiler Skatepunk um die Ohren. Leider ist es wegen der frühen Uhrzeit und der mäßigen Bekanntheit der Band auch noch nicht so gut gefüllt. Aber hey, die sind aus Finnland!
Zurück in den Laden mit der Akustik-Stage (Namen vergessen, also des Ladens, aber das hier war dann eh mein letzter Besuch hier). ONSIND spielen, und die kenne ich noch von der Tackleberry-Tour damals (2012 oder so). Zwei Akustikdudes, filigranes Gefidel, hohe Stimmen.
Und die Texte! Texte, die einem gestandenen Zerspanungsmechaniker die Tränen in die Augen treiben, über jegliche Missstände in der Welt. Als Opener wird direkt "Heterosexuality is a construct" gespielt, was der komplette Saal wie aus einer Kehle mitsingt. Da kann man schon mal Gänsehaut kriegen!
Ein Knaller folgt den nächsten, bevor sie nach einer halben Stunde mit ihrem zweiten Smashhit "Pokemon City Limits" das Set schließen. Die ganze Halle schreit "Never trust a Tory", dann ist es vorbei, man fällt aus einer Wolke und geht sich wieder Ballerpunk angucken. ONSIND sind einfach gut, sollte jeder mal gesehen haben.
Als nächstes haben dann DESPITE EVERYTHING gespielt, die aus Griechenland mit dem Auto nach Manchester gefahren waren. Leider kein Foto, waren aber extrem geil. Eine dieser Bands, die einfach krass reinhaut, und man springt die ganze Zeit umher obwohl man kein einziges Lied vorher kannte. Sehr zu empfehlen!
Nicht, weil die Band super geil ist (was sie zweifellos ist), auch nicht, weil man sich ja kennt und so.
Als nächstes die Band mit dem unhandlichen Namen REVENGE OF THE PSYCHOTRONIC MAN. Geht etwas mehr in die 77er- als in die Skatepunkrichtung, allerdings ohne dabei Geschwindigkeit zu verlieren. Vollgasbrettgeil.
Dann die Mighty Midgets. Vor Jahren mal entdeckt, für gut befunden und leider festgestellt, dass sie nicht mehr aktiv sind. Doch dann: Exklusive Reunion für zwei Shows in Hamburg und hier! An der Gitarre links: Stöj Snak. Es folgt ein Set, welches eigentlich nur aus Hits besteht. Hervorragung.
Schnell rüber in den Zombie Shack, hier spielen BRUTAL YOUTH auf. Die sollten ja dem geneigten Punker hinlänglich bekannt sein. Die Kanadier lassen hier keinen Stein auf dem anderen, der Raum platzt aus allen Nähten, beim Rausgehen kriege ich mit, dass keine Leute mehr reingelassen werden.
Der Sänger hat das Publikum im Griff, ein Gassenhauer folgt dem nächsten und die Masse wogt im Takt dazu. Zugegeben, auf Platte hör ich mir das seltener an, aber live gefällt mir das hier extrem gut. Auf der anderen Bühne verpasse ich deshalb "The Living Daylights", aber da muss ich durch.
Zurück ins Sound Control auf die große Bühne, hier stehen nun AFTER THE FALL aus Albany im Staate New York auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Hier gibts auch (mal wieder) flotten Punk geboten, der aber nicht um eine gewisse melancholische Note herumkommt.
Die meisten Songs vom aktuellen Album "Dedication" sind einem verstorbenen Bandmitglied gewidmet, deshalb eben die erwähnte Schwere der Songs.
Was dem ganzen aber keinen Abbruch tut, Halle und Publikum sind gut voll und alle tun ihr Möglichstes. Einzige Kritik, die laut wird, ist an der Setlist, aber dazu höre ich die Band bisher zu wenig.
Zum guten Schluss dann die Veteranen im Genre des "fast technical skate punk": BELVEDERE aus Kanada!
Den Sänger Steve hatten wir vorher schon ein paar mal draußen getroffen, ein unglaublich normaler, auf dem Boden gebliebener Typ. Und dann das hier auf der Bühne.
Es folgt Hit auf Hit, sowohl vom aktuellen Album "Revenge of the Fifth" als auch von älteren Veröffentlichungen.
Da bleiben echt keine Wünsche offen. Geiler Auftritt von Belvedere! Leider kommen die Herren aufgrund familiärer Verpflichtungen immer nur für ganz kurze Touren nach Europa, naja, Schade Schokolade, aber ich war ja jetzt mal wieder dabei. Davor zuletzt 2013 im Underground in Köln, war auch nicht schlecht.
Dieses Symbolbild steht nun für den Rest des Abends, die Aftershowparty mit Riggots und Clowns mussten wir uns leider klemmen. Es schlägt einfach später zu hart rein, wenn man um 12 Uhr mittags das erste Bier aufmacht. Also ab nach Hause und ins Bett.