Alternative Stage Tag 2: The Idiots, Awesome Scampis, Area 44, Red Ivy, Cryptic Lane, radiovegas, Someone Like Earl, 01.07.2017 in Lünen, Pfarrer-Bremer-Platz - Bericht von Zwen
Alternative Stage Tag 2, 01.07.2017 in Lünen
Als ich ankomme, spielen SOMEONE LIKE EARL erstmal einen deutschsprachigen Song. Deutsch gesungener Alternative Rock ist echt nicht so meine Baustelle. Klingt alles für mich, als hätte man bei Autokorrekt immer auf das Wort in der Mitte getippt und daraus dann einen Songtext geschrieben.
Der Rest der gespielten Songs ist dann aber in Englisch und tatsächlich gefällt mir die Musik von Lied zu Lied besser. Mal etwas smoother und dann wieder rockiger und mit einem kühlen Bierchen in der Hand, macht das doch gleich noch mehr Spaß.
Dann gibt es noch einen Song, der dem Publikum angekündigt wird als ein Lied aus einer Jägermeister-Werbung. Tatsächlich ist das für mich aber komplettes Neuland. Ich habe wohl früher doch mehr Zeit darauf verwendet das Zeug in mich reinzukippen, als mir irgendwelche Werbeclips anzuschauen.
Als nächstes auf dem Pfarrer-Bremer-Platz: RED IVY. Tja, das mit dem Regen ist echt blöd und lichtet doch sehr den Platz. Ich bin leider auch nicht besser und schaue mir den Großteil des Auftritts der Band von hinten aus dem Backstagezelt an.
Von der Bühne klingt derweilen Hard Rock/Alternative. Technisch gut gemacht und vor allem gesanglich macht Hannah mit ihrem Organ nicht viel falsch.
Hier noch ein Bild von den letzten Regentropfen. Im Hintergrund sind RADIOVEGAS zu sehen. Die machen eine Mischung aus Indie, Punk und Rock. An guten Stellen erinnert das an Spandau oder Crash Casino, an schlechten Stellen an Revolverheld. Zum Glück überwiegen die guten Stellen.
Die beste Textzeile ist übrigens "Du bist Nichtraucherschutz, ich bin Helmut Schmidt [...] du bist Disney-Film, ich bin Hardcore-Porn".
Mir wird übrigens gerade das Attribut "weichgespült" ins Ohr geraunt. Joa, stimmt schon, aber mir gefällts eigentlich trotzdem ganz gut.
Als nächstes spielen dann CRYPTIC LANE und als ich mich umdrehe bin ich erstmal ziemlich überrascht. Entweder hat die Band eine echt große Fanbase mobilisiert oder die ganzen Leute hier sind einfach nur, als der Regen aufgehört hat, alle aus ihren Löchern gekrochen.
Cryptic Lane machen jedenfalls irgendwas in Richtung Metal bzw. Hardrock. Der Sänger hat ein sehr angenehmes Stimmchen und kann auch wirklich singen. Leider ist die Stimme dann aber doch für die Musik ist zu weich. Ein bisschen mehr Kick hätte da echt gut getan.
Schade, auch wenn der Sänger durchaus ein sympathischer Typ zu sein scheint, so geht es dann doch eher so in Richtung Guns'n'Roses mit einem glattgebügelten Axl Rose. Für mich schade, dem ein oder anderen gefällt es aber durchaus.
Jetzt gibt es aber mal einen absoluten Genrebruch. AREA 44 machen nämlich Hip Hop. Vorneweg finde ich es ja erstmal großartig, dass die Metal-Punks von Horror Business sich für sowas auf ihrem Herzensprojekt öffnen.
Die Band scheint auch sowas wie eine lokale Größe zu sein. Vielleicht sind sie aber auch einfach die einzige Rap-Gruppe in Lünen, während Schimmek hier der einzige Bassist zu sein scheint. Zumindest füllt sich der Platz deutlich und es gehen auch gar nicht so wenige Arme nach oben.
Ansonsten führt mir hier die Gruppe mal wieder das Dilemma des deutschen Raps vor Augen. Der Großteil der Musik ist eh einfach nur scheiße. Dann gibt es ein paar Interpreten die vielleicht gute Texte schreiben können, die musikalisch aber überhaupt nicht klar gehen (Stichwort: Zeckenrap) oder richtig schöne Randalebeats machen, dafür aber auch Texte, die sie angenehm sind wie ein Nagel zwischen Kniescheibe und Schienbein.
Aber jetzt mal zu den Texten: Einige Lieder gehen ja durchaus klar, so gefällt mir, dass das Set direkt mal mit einem AfD-Diss begonnen wird und auch die Sauflieder gehen nicht schlecht rein, aber dann dieses Standard Wir-Gegen-Die-Böse-Industrie-Gesülze kommt in fast der Hälfte der Songs vor und geht mir deswegen echt aufn Sack. Leicht sexistische und homophobe Tendenzen gibt es auch, auch wenn nur in Ansätzen und wahrscheinlich bei weitem entschärfter als in zwei Dritteln des deutschen Raps.
Übrigens bekommt heute derjenige, der gegen Schimmek aka der unglaubliche Alk im Bier exen gewinnt, zwei CDs geschenkt. Es läuft auf ein Unentschieden hinaus. CDs gibt es trotzdem.
Dann werden die Trompeten ausgepackt. Schon witzig, ich habe mal eine kleine nicht repräsentative Umfrage gestartet, wie die AWESOME SCAMPIS so befunden werden. Angefangen habe ich direkt vor der Bühne, wo Dinge gesagt wurden wie "die Scampis sind ja immer toll" und habe mich dann bis vors Gelände vorgearbeitet, wo ich dann Sätze hört wie "die Kapelle geht ja gar nicht".
Ich weiß auch nicht. Bei mir kommt das ziemlich auf die Stimmung an und heute habe ich da einfach keinen Bock drauf, weswegen ich den Großteil des Auftritts auch mit anderen Dingen verbringe.
Somit kriege ich so wirklich nur das Ende des Auftritts mit: Cantina-Band-Witz, Less than Jake Cover und Ghost Buster Ska Theme.
Die Bühnenlichter sind übrigens ganz schön am eskalieren. Dieses Björn-Raised-Fist-Foto unterstreicht das, wie ich finde, ganz gut.
Am Schluss gibt es dann noch das obligatorische "Dau Dau". "Habt ihr Bock auf Schwaaaaaachsin?" Och...hmmm....
So die Scampis überlebt, jetzt kommen THE IDIOTS. Dass ich die gesehen habe ist tatsächlich schon ein paar Jahre her. Wir haben damals zusammen auf dem Ruhrflair in Schwerte gespielt. Was ich noch weiß, ist, dass es für die Bands Frei-Cocktails gab. Aus irgendeinem Grund weiß ich aber vom Auftritt der Idiots nicht mehr so viel...
Auch Songtechnisch bin ich vollauf zufrieden. So wird ziemlich viel vom Comeback-Debut-Album "Amok" gespielt. Mir fällt gerade auf, dass sich auf dem nachfolgenden Album "Gott Sei Punk" ja fast nur Neuauflagen von alten Klassikern befinden.
Klassiker wie "Der S04 und der BVB", "Samstag Nacht", "Der Säufer", funktionieren genauso gut wie die nicht mehr ganz so neuen Songs "Verseucht", "Alter Schwede" und auch "Der Tod". Zu letzterem Song gibt es dann sogar eine ganz cool gemachte Tanzeinlage von einer als Tod verkleideten Dame. Man muss halt nicht immer nackte Haut bringen.
Als dann noch eine Zugabe gespielt wird, verabschiede ich mich, packe mir noch ein paar Leute und mach mich mit diesen auf den Weg in Richtung Dortmund. Die Alternative Stage ist ja für mich auch immer ein bisschen Punkrock-Klassentreffen, weil man dort immer Leuten über den Weg läuft, die man eigentlich gar nicht mehr auf dem Schirm hat. Außerdem ist das hier mit so viel D.I.Y.-Spirit gemacht, dass man einfach nur hoffen kann, dass die Stadt Lünen. Ich meine, was gibt es denn hier sonst noch außer Eisdielen?