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Arrested Denial, StackHumans, Paradocks, 27.04.2018 in Kiel, Schaubude - Bericht von Thruntilldeath

Arrested Denial, 27.04.2018 in Kiel

Es war einmal ein Abend, an dem meine 60 °C-Wäsche noch lief und die Maschine friedlich vor sich hinrumpelte (Als epische Vorausdeutung bezeichnet man Passagen einer fiktionalen Darstellung, in denen Hinweise auf den weiteren Fortgang des Geschehens gegeben werden. Oft wird hierfür auch der englische Begriff Foreshadowing verwendet.), als mich per Facebook die Botschaft "Komma Schaubude, saufen!" erreichte. Es war am Abend der 1. Aufwärmrunde zum wieder stattfinden RD-Rock-Festival und sollte musikalisch alles zu bieten haben, was sich grob umrissen in das Klangthema "Punk" einordnen lässt. Erste Band spielten Paradocks aus Elmshorn. Elmshorn! Machen Sie sich mal 'n Begriff. Sie glauben doch nicht, dass ich in die Schaubude fahre und eine Band aus Elmshorn gucke?! Nein, das mach ich nich! Elsmhorn, das gehört zu Schleswig-Holstein, oder so. Richtung Kiel-mäßig. Nö. Mach ich niich! Deswegen gab es nur die StackHumans und Arrested Denial im Sonderangebot.

Um dem Leser einen inhaltlichen Zugang zum Gezeigten zu ermöglichen, möchte ich heute, in Anlehnung an Bergmanns Meisterwerk "Viskningar och rop" bzw. Schreie und Flüstern, meinen motivischen Schwerpunkte auf die Themen Vergänglichkeit und Tod legen und erforsche in an den Traum mahnenden Bildern das Seelenleben der Protagonisten und deren Einfluss auf ihre klangmalerischen Kompositionen. Meine inszenatorischen Mittel sind dabei neben meinen Markenzeichen wie z.B. den prägnanten, scharfen Weitwinkelaufnahmen eine ausgefeilte Farbdramaturgie der Schaubudenbeleuchtung rund um die zentrale Farbe Rot und der Rückgriff auf Bilderwelten der christlichen Renaissancekunst. Die Schaubude schafft durch ihre Farbgebung einen Seelenraum, aus dem es kein Entkommen gibt. Durch die Inszenierung in Rot sind auch die Raumdarstellungen einer Zerreißprobe ausgesetzt.[1]
Los geht's mit STACKHUMANS. Wie bereits eingangs erwähnt, ist die dominierende Farbe Rot, das in verschiedenen Farbsättigungen, jedoch immer in gleichmäßigen, schattenreduzierten monochromatischen Farbblöcken, etwa als Farbe der Wände, der Decke und der Fliesen auftritt. Ergänzt wird das Rot um die achromatischen Farben Schwarz, Weiß und Grau, die in unterschiedlichen Gewichtungen auch die Figuren mitdefinieren (der unschuldige Gitarrist trägt ein weißes Shirt, der keifende Todesengel am Mikrofon ein schwarzes und keine Schuhe). Nur zu Beginn und am Ende des Auftritts wird diese eingeschränkte Farbpalette um das Grün des Scheinwerfers ergänzt. "Das Schwarz stünde für Tod, Trauer und Melancholie, das Weiß für Leben, helfende Liebe und göttliches Licht." Eine gewagte, dennoch berechtigte Interpretation der lyrischen, teils bewusst undeutlichen gehaltenen Verse.[1]

Nennt mich Misanthrop oder auch Sadist bei euch seh ich rot weil die Menschheit scheiße is
Mit großer Klarsichtigkeit, Skepsis, aber auch mit Verstehen und Mitleid zeichnen StackHumans ihre Personen, ihren Schmerz, ihre Verhärtung, ihre Einsamkeit. Ihre Meisterschaft zeigt sich in der Knappheit und in der Verdichtung jeder einzelnen Songs, jeder Komposition.
StackHumans sind eine Band der formalen Perfektion, ein Meisterwerk des modernen Hardcorepunks, ganz bei sich selbst, eine vollkommene Schöpfung, die sich mit keiner anderen Band vergleichen lässt, und doch typisch ajz'eskes Schlachtrufegerumpel.[1]

Saufen bis zum Untergang, saufen to the max! Gib ma her den Hartsprit und verpiss dich mit deim' Becks Und geh, hau mir ab mit Weltkrieg, no Love for a Nation, wir haben nur den Schnaps lieb!
Man könnte sagen, dass StackHumans ihre Methode gefunden haben, die innere Seelenlandschaft nach außen zu kehren. Da sie die konventionellen Handlungen, die der konventionelle Song fordert, ablehnen, lassen sie die Kriege im Innersten einer Person wüten.[1]

Homophobe Wichser klatschen extrem aber angenehm randale gegen Knüpelbullen extrem aber angenehm Punk rock extrem aber angenehm StackHumans extrem aber angenehm
Schwarz, Weiß und vor allem Rot werden farbsymbolisch primäre, existentielle Bedeutungen zugeschrieben: Licht, Dunkelheit und das rote Blut und: Durch die extreme Farbgestaltung, vor allem durch das gnadenlose Rot, zwingt das Konzert zur Aufmerksamkeit auf ein Thema, das wir im Allgemeinen lieber verdrängen: Deutschland.[1]

Schwarz rot goldene Fahne in der Hand besorgte Bürger kämpfen für ihr Land diese Deutschtümelei die ekelt mich an fickt euch, ich scheiß auf euer Land 
Kotze über Deutschland 
Einen kurzer, aber innigen Moment der Ruhe, eine Oase im Getöse, nutzen die Musiker von ARRESTED DENIAL gekonnt, um dem optischen Hauptthema eine weitere akustische Komponente hinzuzufügen.
Während sich Martin am Bass an der  Schönheit seines zur Liebe herausfordernden Körpers erfreut, beschreibt der schwarze Mann an seiner Seite seinen nicht aufzuhaltenden Verfall. Er wirkt wie ein Bote des Todes, der anhand seines Spiegelbilds über die Vergänglichkeit der Schönheit und damit des Lebens spricht.[1]
Der Auftritt ist durch eine mentale Nacktheit und seine gespreizten Songs von der Idee durchdrungen, dass es im Tode eine Rückkehr in den Mutterleib gibt. Dieser Rückzugswunsch gipfelt nach wenigen Minuten in den Ausrufen "Offenbarungseid!", "Armutszeugnis!", gar ein "Pfui!" war auszumachen.[1]
Da die Songs starke Elemente tragen, die den christlichen Erlösungsgedanken verneinen, könnte mensch in diesen Zitaten einen gewollten Bruch mit der ursprünglichen Bedeutung sehen; quasi eine Unvereinbarkeit zwischen der Auffassung des Themas und den semantischen Signalen der Songkomposition.[1]
Das Konzert lässt sich auch darum nur schwer ertragen, weil die Texte und musikalischen Arrangements eine Nähe zu den Musikern herstellt, die es unmöglich macht, die Spuren der drohenden Zugabe zu übersehen, von denen jeder erwachsene Konzertteilnehmer gekennzeichnet ist. Die Juvenilen unter uns können dieser Drohkulisse durch Teilnahmslosigkeit und Rausch entkommen.

Die grundlegende Abwesenheit von Musik im Sinne von harmonisch differenzierbaren Tönen drückt die Einsamkeit der Figuren und die mangelnde Kommunikation unter ihnen aus. Die vorkommende, spärlich eingesetzte "wirkliche Musik" steht somit für Nähe und Wärme. Diese raren Momente hüllen das Publikum kurzzeitig ein, um eine gefährlich anmutende falsche Hoffnung zu geben.[1]
Unterbrochen wird die beklemmende Anwesenheit bei einem furchtbaren Ereignis durch die von Rotblenden eingeleiteten, an Flashbacks des Rezensenten gemahnenden Rückblenden, wobei oft die Grenze zwischen dem, was wirklich eingetroffen ist und dem, was sich nur im Kopf der Figur abspielt, unscharf ist.

Da der akustische Raum während der Rückblenden nicht wechselt und Stil und Inszenierung konsistent beibehalten werden, ergeben sich für den Zuhörer zunehmend Momente der Irritation. Die Grenzen zwischen Wirklichkeit, Erinnerung und Traum verwischen.[1]
Saufen danach war geil! Danke Stapelmenschen und verhaftete Verweigerung. Döner von Gegenüber gut verdaut?

Kommt ein Mann zum Arzt, sagt der Arzt "Sie onanieren aber viel!" sagt der Mann "Oh, das stimmt..." unterbricht ihn der Arzt "Is schön, nä?"[2]

Fips Asmusses tat nichts Falsches!

Quellenverzeichnis:
[1] Frei adaptiert und schamlos geklaut nach hier. Zuletzt aufgerufen heute.
[2] Eventuell falsch adaptiert nach L. Zuletzt angerufen noch nie.


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