Get Dead, The Last Gang, 01.08.2022 in Köln, MTC - Bericht von Zwen
Get Dead, 01.08.2022 in Köln
Über den Laden selbst habe ich bis dato nur Schlechtes gehört. Finde aber, dass er vor allem für Kölner Verhältnisse seinem Ruf nicht gerecht wird. Klar, die Bierauswahl ist sehr bescheiden, aber in welchem Laden in Köln, außer dem Limes, ist sie das bitte nicht? Außerdem sei der Laden ein bisschen 'schlauchig'. Auch das ist nicht falsch, dennoch gibt es Läden in denen die Enge noch viel nerviger ist. Beispielhaft seien nur Matrix und Tube genannt, aber gut, bei letzterem ist der Name halt Programm. Wahrscheinlich seid ihr auch alle einfach nur totale Insta-Opfer und kommt nicht darauf klar, dass es hier unten im Keller kein Internet gibt.
Kurz hatte ich mich gefragt, wer heute wohl eröffnet. Aber natürlich machen das THE LAST GANG. Wahrscheinlich bin ich auch der einzige, der sich diese Frage ernsthaft gestellt hat. Nichtsdestotrotz gibt die Band vom ersten Ton an richtig schön Gas. Der Basser springt immer mal wieder über die Bühne und generell merkt man der Band die Spielfreude an. Trotz Montag und trotz Autofahrt von Frankreich nach Köln. Apropos, also für Montag kann man echt nicht meckern. Das MTC ist sehr angenehm gefüllt. So steht sich niemand auf den Füßen, die Lücken sind aber auch durchweg eher klein.
Generell wird die Stimmung von Song zu Song immer besser. Ungefähr ab der Hälfte des Sets kommt es dann auch zum ersten Geschubse und es dauert nicht lange, bis ein handfester Pogo ausbricht, Mittelfinger in der Luft on top. Läuft!
Setlist auch soweit echt nicht verkehrt. Das erste Album "Sing For Your Supper" hat mich ja umgehend von den Kalifornieren zu überzeugen gewusst. Mit dem zweiten Album versuche ich bis heute noch warm zu werden. Aber auch "Gimme Action" und "WFTW" zünden heute hervorragend.
Fö erwähnte beim letzten Bericht bereits, dass der Drummer ein anderer ist und machte dann kein einziges Foto auf dem man diesen auch nur ansatzweise erkennen konnte. Ich nehme mir deswegen heute ganz fest vor, ein Drummerfoto zu machen...kriege ich natürlich nicht hin. Dann muss es halt für immer ein Geheimnis bleiben oder ihr lest einfach Fanzines bei denen die Leute vernünftige Fotos machen, euer Ding.
Zum Schluss wird sich noch viel bedankt bei allen, die heute hier sind, beim Laden und natürlich bei Get Dead, die gleich auf der Bühne stehen werden. Ich finde gut, dass The Last Gang keinen klassischen Support-Slot hatten, sondern ihr komplettes Set gespielt haben. Auch sonst war der Auftritt stark und ich bin jetzt schon gut geschwitzt. Mal schauen, was die Labelkollegen von Get Dead jetzt noch so abfackeln.
GET DEAD bauen erstmal auf und machen schon beim Soundcheck allerhand Unsinn. Neu ist, dass Sam ein kleines Board am Start hat, mit welchem er zwischendrin immer mal wieder kleine Schnipsel einspielt. Kann man machen, aber ob es vom Get Dead Crew-Typen so klug ist, zwei offene Bierflaschen direkt neben das Gerät zu stellen, wird sich noch zeigen.
The Last Gang haben gerade schon ganz gut vorgeheizt, Get Dead werden genau dort ansetzen und den Laden auseinander nehmen. Tatsächlich wird es ganz schnell sehr heiß, woran auch die tropfenden Lüfter im Laden absolut nichts ändern können. Dazu wird schnell klar, dass Get Dead definitiv nicht AZ-tauglich sind und das liegt nicht nur daran, dass der Großteil der Band bereits kein Shirt mehr anhat. Sam entschuldigt sich direkt am Anfang des Gigs, dass er heute wieder Arschloch sein wird. So gibt es dann auch prompt ein paar nicht ganz jugendfreie Witze auf Kosten von Gitarrist Mike.
Ansonsten dürfen wir heute - wie schon gesagt - ausgiebig Sams Trash-Tattoos bestaunen, die aussehen als wäre der Tattoowierer während der Sitzung abgestochen worden. Sam scheint heute auch wegen irgendwas so richtig angepisst zu sein. Nicht nur, dass er ordentlich ausrastet als die erste Bierflasche umfällt und sich über sein Soundboard ergießt, auch macht er den Drummer ziemlich zur Sau als dieser einen Song anfängt, welchen eigentlich der Gitsrrist anfängt. Immerhin scheint der Rest der Band damit aber cool zu sein und versucht Sam entgegen zu kommen bzw. ihn zu besänftigen.
Zunächst tun mir seine Bandkollegen richtig leid, bis Sam erwähnt, dass ihm gestern mal eben seine Schneidezähne ausgeschlagen wurden und das Ganze immer noch "fucking hurts". Ouch! Dann ist es natürlich richtig, dass alle Sams Launen ertragen. Der macht es aber genau richtig und steckt all seine Wut in den Auftritt und siehe da, bald kann er auch drüber lachen."If you can guess how many knocked out teeth we have in Get Dead you win a night with Mikey". Okay der Witz kam zwar vom Basser, aber Samy stimmt mit ein. So darf sich am Ende das Publikum noch einen Song wünschen. Der Zwischenruf "This Sex is on fire" wird zwar zunächst mit einem beherzten "Asshole!" quittiert, dann wurde aber doch kurz eine Version des Liedes der Kings Of Leon angestimmt, in der es um den Gitarristen Mikey ging. Ganz großes Kino!
Ansonsten aber auch mal wieder ein ganz starker Auftritt, der sich vor allem der Alben "Letters Home", "Honesty Lives Elsewhere" und natürlich der mittlerweile nicht mehr ganz so neuen Platte "Dancing With The Course" bedient. Pogo- und Stimmungstechnisch wird hier auch so ziemlich am Maximum gekratzt. Tatsächlich bin ich froh, dass Get Dead auch viele ruhigere Nummern, wie "Pepperspray", "The Glitch" und "Cousin Marvin" spielen. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass diese Songs nur als kurze Verschnaufpausen dienen, damit sich danach noch mehr durch die Gegend geschubst werden kann. Dabei wollte ich mich ja eigentlich heute noch etwas schonen. Immerhin gibt es Kölsch und so kann ich dann meinem Vorsatz heute kein Bier zu trinken, sehr leicht gerecht werden.
Auf Publikumswunsch gibt es dann noch ein Cover: "I wanna be your dog" von den Stooges, vorgetragen in einer absolut disharmonischen und bis zur Unkenntlichkeit verzerrten Schreivariante, dass ich mich zwischenzeitlich frage, ob ich vielleicht auf einem Grindcore-Konzert gelandet bin. Vor allem als dann kurz vor Schluss des Songs nochmal richtig angezogen wird.
Der letzte Song des Abends ist "This One's For Johnny". In meinem Augen der beste Anti-Selbstmord-Song und einfach eine großartige und mitgrölbare Hymne auf das Leben. Gerade weil die Band so viele düstere Songs hat, die heute auch gespielt wurden, wie "Cousin Marvin" oder "Welcome To Hell", tut es gut, mit diesem Song rausgeschmissen zu werden. Da dürfen dann auch nochmal die Leute von The Last Gang auf die Bühne und ordentlich mitsingen.
Zugabe gibt es nicht. Wir sind ja alle erwachsen und machen solche Kinderspiele nicht. Extrem korrekt und sympathisch! Das Konzert war total stark und nahm bei jedem gespielten Song mehr an Fahrt auf. The Last Gang war richtig super und Get Dead waren der absolute Wahnsinn. Mal schauen was noch so kommt, aber bis jetzt das beste Konzert des Jahres. Es hat sich definitiv gelohnt die An- und Abreise nach Kölle auf sich zu nehmen. Am Wochenende werde ich mir beide Bands nochmal auf dem Brakrock anschauen, aber ganz ehrlich, das kann niemals so geil werden wie dieser Abriss am heutigen Abend.