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Built To Break Winter Fest: Life Force, To The Wire, Taifun, 07.01.2023 in Bochum, Die Trompete - Bericht von Matt Greasejar

Built To Break Winter Fest, 07.01.2023 in Bochum

"Dat muss ja auch ma' sein" sang der große Ährwin Weiß und meinte damit wahrscheinlich Bollo-Hardcore. Ja gut, dann wollnwa mal ab nach Bochum, zum Tanz für die reifere Youth Crew.
Den Beginn machen Taifun aus Mülheim/Bielefeld mit feistem Japcor/D-Beat. Hoffnungsvolle Newcomer und gleichzeitig die einzige Band, die ich heute kenne.
Am Gesang: Iron Rob, der Bierschinken-Zielgruppe wahrscheinlich am ehesten durch seine Veranstalter-Aktivitäten im AZMH bekannt. Wenn da in den 2000ern eine gute Hardcore-Show war, saß eigentlich immer Rob an der Kasse.
...und weil die Kollegen da regelmäßig hin gingen (und ein Konzertabend im AZ mit Eintritt und Bier zusammen auch nicht teurer war als ein Kneipenbesuch), ließ ich, eigentlich gelernter Hörnchenbilly und Asselpunker auf dem zweiten Bildungsweg, mich da gerne mal mitschleppen, was mir auf meine gar nicht mehr so jungen Tage diesen Sound (den ich eigentlich zu Teenie-Zeiten unter "Musik für als Skater verkleidete Popper-Jocks" abgehakt hatte) doch noch näher brachte.
Wenn euch heute also meine Fresse bei Hardcore-Shows auf die Eier*stöcke geht: Rob ist schuld!
Der Rest der Kapelle war in genau dieser Zeit u.A. bei Now-Denial und Bombenalarm aktiv. (Und später teilweise auf der Live-Ersatzbank der Lokalmatadore, was musikalisch jetzt nicht ganz so in die Reihe passt, bei mir aber auch als Top-Referenz zählt.) Womit die Richtung feststeht: Hardcore mit durchgetretenem Gaspedal, aber immer mit einem Bein im Punk (ihr wisst schon, never trust a hardcore kid that has not...). Hier aber mit ganz starker D-Beat-Schlagseite, inspiriert von den extremsten Vertretern dieser Spielart, die, wie so oft, aus Japan kommen.
Wie sich das anhört, kann man dem Demo entnehmen. Gibt's als CD, als wunderschön aufgemachtes Tape, oder für die jungen Leute, die alles digital haben und sich oben rum immer was anziehen wollen, als Download/T-Shirt-Bundle. Wer kann da wieder stehen?
Ein Alleinstellungsmerkmal bei Taifun sind die Noise-Einsprengsel, die Gitarrist Norm aus seinem Floorboard zaubert. 
Auf dem Tape gibt's die noch als einzelnen Track, der die komplette B-Seite einnimmt. Live haben sie es inzwischen in die anderen Songs integriert, was zumindest mir Rockmusik-Stumpfproll deutlich besser reingeht.
Hey, hey, Schlagzeugfoto, Schlagzeugfoto!
Auch wichtig: Im Dunklen nicht die Gitarre aus den Augen verlieren!
Ja, so war das mit Taifun. Hört das Demo, geht auf die Shows, ihr werdet es nicht bereuen!
Als nächstes gehen To The Wire aus Recklinghausen auf die Bühne. 
Deren Sänger kennt man aus den 2000ern von den Punk'n'Rollern Tony Gorilla, die gefühlt jedes zweite Wochenende an irgendeiner Steckdose im Ruhrpott gespielt haben.
Wie ich beim Klappen-Smalltalk auf dem Herrenklo mit Iron Rob erfahre, ist der Mann mit dem sportlichen Kurzhaarschnitt aber ursprünglich im Youth Crew Hardcore zuhause und hat schon Ende der 80er in entsprechenden Bands gesungen.
Und in genau die Richtung geht es jetzt wieder mit seiner aktuellen Combo. Hardcore alter Schule, schnell und actiongeladen, this is Riemke not LAngendreer! Hörprobe hier.
Grundsolide nach vorne gehende Mucke, ordentlich Bewegung auf der Bühne, das steckt auch das Publikum an, und irgendwann fliegen sogar Mitglieder der Headliner-Band durch den Pit.
Besagter Headliner sind heute Lifeforce aus der Heimatstadt von Doc Snyder: Texas. Kannte ich nicht und sind wohl auch relativ frisch im Game, haben aber mit New Age Records ein großes, aktives Label im Rücken und touren jetzt das erste Mal durch Europa.
Beim Fachpublikum hatten die Jungs offenbar schon vorher einen guten Ruf; die Trompete ist gut gefüllt, viele bekannte Gesichter aus den alten AZ-Tagen (siehe oben) sind dabei - hey Bomber, schön, dass wir es mal wieder zusammen auf eine Show geschafft haben!
Lifeforce werden den Vorschusslorbeeren mit fettem Sound und tightem Spiel aber auch voll gerecht. Bollo-HC wie er sein muss, immer in die Fresse, geil! Live noch ein bisschen fetter als auf dem Album
Die Ansagen sprechen eine deutliche Sprache in Richtung "more than music". Animal Liberation, Black Lives Matter, die Texaner sind klar auf der guten Seite. (Auf die Abstinenzlerpredigt hätte ich verzichten können, aber immerhin weiß ich jetzt, dass die Straight Edge Community für mich da ist und mir das Licht am Ende des Tunnels zeigt, wenn der struggle mit den substances zu hart wird. Wer weiß, wofür's mal gut ist.)
Bierschinken präsentiert: Schamloses Panzerkreuzer-Expertisenschnorring. Heute: Der Coversong, bei dem das Publikum noch ein bisschen mehr abgeht als sowieso schon, ist No Spiritual Surrender von den alten OC-Hardcore-Recken Inside Out.
Dass es am Merchstand reichlich Shirts und Hoodies, aber keine Platten gab, hat übrigens nichts mit Oberflächlichkeit zu tun. Sänger Flint erzählt, mir später, dass der tschechische Zoll ihnen zum Tourstart das gesamte Tonträgersortiment gezockt hat, und sie in Prag zumindest noch schnell neue Shirts drucken lassen konnten (oder das eh vor hatten, hab' das Gespräch nicht mehr 100% im Kopf, es war laut und wuselig...)  
Veranstalter Shogun Konzerte, eigentlich eher im Metal aktiv, lässt am Sonntag im asozialen Netzwerk wissen, dass die Resonanz gut war und es demnächst mehr Hardcore-Konzerte geben soll. Wenn die auf diesem Niveau bleiben, kann ich nur sagen: Mach' feddich, ich bin dabei!


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