Muff Potter, Drens, 27.04.2023 in Heidelberg, Karlstorbahnhof - Bericht von fehlnavigiert
Muff Potter, 27.04.2023 in Heidelberg
In Heidelberg angekommen, unternehme ich zuerst eine ausgiebige Wanderung zur nächstbesten Tanke und gönne mir zur Belohnung ein Bier und wackle dann zum Kulturhaus Karlstorbahnhof. Mit einem fetten Neubau habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Alles glänzt! Alles neu! Eigentlich müsste man das für 2 Wochen besetzen, ausreichend Sticker anbringen und ein paar Kloschlüsseln zertreten, um dem Laden etwas Charme zu verpassen. Die Bar ist in einem separaten Raum und die Hälfte vor der Bühne abgedeckt - sowieso erstaunlich groß hier alles. Getränkepreise gehen soweit in Ordnung, wenn man den fetten Bau so sieht, erwartet man ja schon anderes. 6,-€ sind für ein Glas Wein fällig, ist aber in Ordnung, da es sich um einen guten Grauburgunder handelt und nicht um eine merkwürdige Pisse, wie man sie sonst meist bekommt.
Ich kaufe mir ein Muff-Potter-Shirt und dann spielen auch schon DRENS. Vor der Bühne ist massig Platz und ich befürchte schon, dass es nicht mehr werden wird.
DRENS kommen aus Dortmund und irgendwo habe ich aufgeschnappt, dass die Surfpunk oder so machen. Was Genres betrifft, bin ich ohnehin kein guter Ansprechpartner, würde DRENS aber eher dem Indierock zuordnen. Die vier Jungs sind jedenfalls guter Stimmung, scheinen richtig Bock zu haben und liefern dann ein 25-minütiges Set aus ihrem Schaffen. Macht Spaß, geht ganz gut rein und gefällt mir live auch sehr viel besser als auf Scheibe. Alles in allem solider Auftritt, macht in einem kleinen Club sicher noch mehr Spaß und behalte ich garantiert im Auge. Überhaupt haben Muff Potter immer ein gutes Händchen für den Support - habe bisher nie eine Scheißband vor Muff Potter spielen sehen.
Ich hol mir mal eben noch ein Glas Grauburgunder und wackle dann vor die Bühne. Da ist immer noch irrsinnig viel Platz und MUFF POTTER starten die Show mit "Killer". Sie spielen generell seit dem neuen Album sehr viel von eben diesem und nach anfänglichen Startschwierigkeiten habe ich mich auch sehr in "Bei aller Liebe" verliebt. Hat ein paar Durchgänge gebraucht, aber mittlerweile höre ich es rauf und runter und werd auch nicht müde davon. Geht mir aber bei fast allem von Muff Potter so, das Zeug altert generell sehr würdevoll und findet sich immer wieder in meinen Boxen.
Gegen Mitte des Sets gibt es auch die neue Single "Single/Kandidat" auf die Ohren - gestern in Stuttgart war Livepremiere und ich wünsche mir längst, doch nach Stuttgart gegangen zu sein. Heidelberg lässt nämlich stark zu wünschen übrig! Generell ist nicht viel los und das Publikum auch sehr verhalten. Hier ist definitiv viel zu wenig Bewegung und besonders ätzend ist, dass fast alle einen unnötigen 5m-Abstand zur Bühne halten. Mit mir sind noch eine kleine handvoll anderer Tänzer:innen dort vorn, aber sonst ist ziemlich tote Hose. Auch die Bitte Thorstens aufzurücken bringt leider nix und ich weiß jetzt schon, dass das mein erstes und letztes Konzert in Heidelberg sein wird.
MUFF POTTER selbst können nichts für dieses Schlaftablettenpublikum und spielen wie gewohnt ihre tollen Lieder, für den "Nottbeck City Limits" kommt Thorsten ins Publikum, schreit die Leute an und anschließend gibts noch den Überhit "Das seh ich erst wenn ichs glaube". Mit "Schöne Tage" ist dann leider Ende, normalerweise folgt noch "Steady Fremdkörper", das aber hat sich Heidelberg ganz offensichtlich nicht verdient. Es wird noch ein bisschen gequatscht und dann trete ich die Heimreise an und ärgere mich ein bisschen darüber, nicht an meinen Ursprungsplan, auf beide Gigs zu gehen, festgehalten zu haben.