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Illegale Farben (D) / Kick Joneses (D)
Die Saat, aus der Illegale Farben wuchsen, wurde schon in den 1990ern gesetzt, als Thilo und Thomas zusammen in der Hardcore-Band My Lai spielten. Wie das so ist, trennten sich ihre Wege irgendwann wieder und Thilo wurde Gründungsmitglied der mehrköpfigen Schlange namens Genepool. Thomas spielte bei Bazooka Zirkus und beide zogen im Laufe der Zeit nach Köln. Dort hatte Thilo mit Sänger Thom gerade das Projekt LFRS begonnen und die ersten Songs geschrieben. Eines Abends traf man Thomas wieder und allen war klar, man hat „Bock was zu machen“. Das ist in Musikerkreisen die Entsprechung von „irgendwas mit Medien“ und entsprechend uncool. Die Ideen sind aber da, müssen nur erstmal durch den Fleischwolf von drei Musikersozialisationen. Was mit Gitarren soll es sein, pathetisch darf es nicht sein und bitte auch nicht der Dicke-Eier-Rock von alten Herren.
Erster Abend, erster Song. „Wieder raus“. „Wie sieht es aus in deinem Leben? Kommst du da lebend wieder raus?“ Jetzt erstmal Mitstreiter suchen. Da ist Chris, der bunte Hund im Kölner Nachtleben und viel mit Bands auf Tour unterwegs. Außerdem ist er ein alter Bekannter und Bassist. Wie praktisch. Das Schlagwerk kommt von Genepool, zuerst Spiro, dann Jens. Und fertig ist die Laube. Es werden also Songs geschrieben. Der Output ist hoch. Ein Abend, ein Song, ein Demo. Zu dem Kopf kommt immer mehr Herz. Und Beine. Das klappt fast immer.
Im März 2016 erscheint die erste Platte „Illegale Farben“ auf Rookie Records. Sie wird mit durchweg positiven Kritiken bewertet und landet im Soundcheck des Ox Magazins auf Platz 1. Das „kompromissloseste Tanz-Album der Rookie Records Label Geschichte“ macht schnell die Runde, es folgen Touren und Shows mit den Label-Freunden Lova A und Steakknife und anderen Bands wie KMPFSPRT, Lyvten und vielen mehr.
Am 13. Oktober 2017 veröffentlicht Rookie das zweite Album „Grau“, das wieder unter dem IF- erprobten Credo „Ein Abend, ein Song“ geschrieben wurde. Es enthält einige düstere Momentaufnahmen, die von Tanznummern abgelöst werden, deren 1980er NDW Wave Punk Charme keinen Fuß stillstehen lässt.
Illegale Farben erweist sich als Band, die nicht stagniert und sich schon gar nicht musikalisch wiederholt. Die nicht den einfachen Weg nimmt und der es genau so gelingt, ihrer Musik die Dringlichkeit zu geben, die wir in jedem Song spüren. Wie sie selbst in „Marsch ins Verderben“ singen: „Weiter immer weiter / Die Schönheit liegt im Scheitern.“
Was macht eigentlich...? Eine beliebte Rubrik, wenn es darum geht, ehedem bekannte Persönlichkeiten noch einmal auszugraben und - zumindest für einen Moment ans Licht der Öffentlichkeit zu holen. Etwas komplizierter wird diese Frage, stellt man sie über Kick Joneses. Warum? Diese Band formierte sich 1991 aus dem, was man ohne Übertreibung eine Punklegende nennen darf: Die Walter Elf, eine der maßgeblichen Punkbands der 1980er Jahre, die nicht nur Musiker wie Thees Uhlmann noch heute zu sentimentalen Gefühlsausbrüchen veranlasst.
Da der Mensch Veränderungen in aller Regel skeptisch gegenüber steht und der gemeine Punk sich darin wenig von anderen Spießern unterscheidet, haben Kick Joneses nie die Aufmerksamkeit bekommen, die Walter Elf genoss, obwohl das Nachfolgeprojekt musikalisch so viel inspirierter, so ungleich abwechslungsreicher, anspruchsvoller und komplexer daher kommt. Nun wollen wir uns aber nicht über die musikalische Ignoranz der Massen ereifern, sondern uns schlichtweg darüber freuen, dass diese Menschen ihren Weg genau so gegangen und nicht dem damaligen Erfolg und einer gewissen Hysterie erlegen sind. Hier wühlen sechs Musiker einerseits in der Grabbelkiste ihrer musikalischen Vergangenheit (Beatles, Bubblegum-Pop der 70er, New Wave, Post-Punk), lassen sich andererseits von jüngeren Entwicklungen inspirieren (Britpop, Neo-Rock 'n Roll, Hamburger Schule). Natürlich blitzt hier und da die eigene Punkrock-Vergangenheit durch. Das Resultat: Nie plagiatorisch, immer Kick Joneses.
Mit True Freaks Union haben die Kickies ihr stärkstes Werk geschaffen, das sich nicht im Blick zurück verliert. Nein, es bleibt offen für alles Neue und nimmt eben doch mit, was einem das Leben als 80er-Jahre-Punk mitgegeben oder man sich einfach daraus genommen hat. Wie fragt uns Beppo Götte auf dem Album so trefflich: "Where were you in 82?" Da schissen sich einige von denen, die heute glauben Kick Joneses ignorieren zu können, eben einfach noch die Windeln voll.
Einlass: 20h; Beginn: 21.30h, Eintritt: 10€