Club Déjà-vu:
Die Farben der Saison
Nahezu unendlich ist die Kreativität, die die Herren Ferdinand und Roland mit ihren verschiedenen Projekten an den Tag legen. Besonders hervorzuheben ist hierbei sicherlich das "Homestory-Magazin", das irgend einen Preis gewonnen hat.
Hier haben wir es mit der (ich zähle das "Die Kurt Cobains"-Album "Der Todesfluch des Zigeunerkönigs" mit) 4. Veröffentlichung ihrer Punkband, die mittlerweile "Club Deja Vu" heißt, zu tun.
Den Todesfluch fand ich hervorragend, richtig schöne, schlecht aufgenommene und stets einen Ton daneben gesungene Hymnen, mit seltsamem Humor.
"Mondphasenfriseur" hat bei mir nicht ganz gezündet und "Erotic-Science-Fiction" habe ich noch nicht gehört. Werde ich aber sicherlich nachholen, da mir die vorliegende CD "Die Farben der Saison" enorm gut gefällt.
Da ich vermeiden will, wie der typische Tocotronic-Kolummnenschreiber zu klingen, spare ich mir ab jetzt Floskeln wie "die sind erwachsen geworden" oder "die thematisieren jetzt ernstere Sachen und singen nicht mehr drüber, wie sie mit dem Fahrrad in den Puff fahren".
Aber das Album beschäftigt sich tatsächlich oft mit dem Tod. In "Weltuntergang" stellt das lyrische Ich fest, dass jeder und alles vergänglich ist, in "Sontheim an der Brenz" stirbt der neue Freund der Mutter, wenn auch nur in Gedanken. Dieses Motiv zieht sich relativ konstant durch das Album, erreicht seinen Höhepunkt definitiv bei "Gott in der Wand" - das Leben eines Altersheimbewohners wird relativ treffend geschildert - und der allmächtige Gott wird unter anderem im eigenen Scheißhaufen vermutet.
Doch auch die Vergänglichkeit der Liebe wird besungen (Zentimeterdick - großer Hit, von dieser Naturlyrik könnte sich von Eichendorff noch eine Scheibe abschneiden).
Ein bisschen um Titten geht es dann doch noch in "Riesenmädchen". "Rhythmusboy" wendet sich hoffentlich gegen die stetig anwachsende electrohörende Hipsterschaft.
Auf jeden Fall erwähnt werden muss noch der Titeltrack (Hit!).
Jetzt wird's zum Schluss vielleicht noch etwas gemein, da mir tatsächlich "Pankow" am besten gefällt, das einzige Lied, das nicht von Ferdinand gesungen wird, sondern von einem Menschen mit lustigem bayerischen Akzent. Verdammter Ohrwurm!
Zusammenfassend das bisher beste Album der Genies, einfach weil musikalisch und textlich gut und vor allem sehr schön melodiös.
Da man es bei den Musikern nicht immer ganz genau wissen kann, wie die Texte gemeint sind, stelle ich die Aussage zur Diskussion, aber nach meinem Höreindruck sind sie sehr nachdenklich und teilweise schon traurig geworden.
Bisher die positivste Überraschung des Musikjahres 2015. Uneingeschränkte Empfehlung! Kein einziger Ausfall, nur schmissige Punkrockhits!
Gerade läuft die Textzeile "Alles was beginnt, beginnt mit der Mutter und alles was endet, endet mit ihr" aus "Gott in der Wand" und man bekommt tatsächlich hymnische Gänsehaut!
Ich werde dieses Lob Roland persönlich weitergeben, irgendwann, wenn ich ihn wieder in Augsburg durch die Fußgängerzone laufen sehe, schick gekleidet mit einem "Kommando-Vollsaufen"-T-Shirt.
Höchstwertung!