Hotel Schneider:
Zurück In Den Ring
Als ich vor fast 13 Jahren den Fragebogen bei den Flachpfeifen von Bierschinken.net ausfüllte, gab ich MUFF POTTER als meine Lieblingsband an. Angry Pop aus Rheine bei Münster. Die damals aktuelle Platte „Heute wird gewonnen, bitte“ beschrieb mein Lebensgefühl vorzüglich: MUFF POTTER lieferten mit dieser und den vorherigen Veröffentlichungen meinen ganz persönlichen Soundtrack für den Groll auf die Gesamtsituation, die große Liebe, den Weltschmerz, das grandiose Konzert und das elfte Bier. Die Jahre zogen ins Land, spätestens mit ihrer letzten Platte „Gute Aussicht“ vor sieben Jahren hatte mich die Band verloren. Dann die Auflösung.
Nachdem Nagel, der Sänger und Gitarrist von MUFF POTTER, ins Roman- und Kunstfach wechselte und seine gleichnamige Band NAGEL vor Jahren ein paar Konzerte spielte aber keine Musik veröffentlichte, meldet sich jetzt Gitarrist und Sänger Dennis Scheider zurück.
Ist es gerechtfertigt, das Debüt-Album einer Band mit der Musik einer vorangegangenen Kapelle zu vergleichen, in welcher der jetzige Frontmann nicht mal Hauptsänger und -schreiber war? Vermutlich nicht. Vielleicht aber doch, wenn das Debüt „Zurück in den Ring“ getauft wird, laut Selbstbeschreibung Angry Soul – in Anlehnung an den Angry Pop von MUFF POTTER – spielt und der erste Satz des Promo-Zettels „Dennis Scheider war Gitarrist und Sänger bei MUFF POTTER (…)“ lautet.
Die Kapelle, von der hier die Rede ist, nennt sich HOTEL SCHNEIDER (wie Scheider, nur mit N!).
Zur Sache, Baby: „Zurück in den Ring“ von HOTEL SCHNEIDER wird den meisten Leserinnen und Lesern von Bierschinken.net nicht zusagen. Und auch die Leute, welche wegen der vielen MUFF POTTER – Anspielungen zugreifen werden, könnten enttäuscht zurückgelassen werden.
HOTEL SCHNEIDER spielen Pop der souligen Sorte. Angry ist hier leider wenig. Vielmehr bekommt man manchmal den Holzknüppel mit der Aufschrift Disco auf den Kopf, etwa beim Track „Wenn alles vor die Hunde geht“. Strobo-Licht auf der Tanzfläche! Man könnte HOTEL SCHNEIDER zu Gute halten, dass diese Art von Pop von deutschsprachigen Bands selten bemüht wird. In den meisten Songs erbauen die Gitarren ein melodiöses Gerüst, auf das die Background-Chöre mannigfaltige Intonationen verschiedener Vokale zu Besten geben und bei dem man sich manchen (unfreiwilligen?) Ohrwurm einheimsen kann. Das Tasteninstrument spielt sich dabei oft in den Vordergrund. Die Texte sind generell okay, die zu „Das schönste Verbrechen“ und „Die Wahrheit war mir immer schon egal“ gefallen mir sogar ganz gut. Trotzdem weiß ich nach diesem Album, dass man Unzerstörbar niemals auf Transformer reimen sollte…
Das Plattencover von „Heute wird gewonnen, bitte“ ziert noch heute eine Wand in meiner Wohnung. Wahrscheinlich hat dies viel mit emotionaler Verklärung zu tun. „Zurück in den Ring“ von HOTEL SCHNEIDER werde ich jedenfalls nicht daneben hängen.