Und mir der Mond:
Erst Blätter, dann Schnee
Die Band heißt "...und mir der Mond", das Album "Erst Blätter, dann Schnee", der Sänger trägt Anzug und singt im Bariton. Wir haben es mit Romantik zu tun! Gemacht von Menschen über 40 (glaub ich), weshalb sie ihre Musik als "Postpunk zwischen Hildegard Knef und Nick Cave" beschreiben können und damit schon ganz gut ins Schwarze treffen; ich würde Nick Cave aber durch EA80 (oder besser noch: Die Strafe) ersetzen, schon trifft's noch besser. Schlagermelodien treffen auf Punk-Verzweiflung, beides sympathisch beinahe selbst veröffentlicht und aufgenommen. Der Rumpel-Klang passt zwar gut zur Attitüde, ich frage mich aber, ob eine etwas professionellere (oder einfach bessere?) Produktion der Band nicht auch gut täte. Wirklich Druck hat hier nichts, alles plätschert so vor sich hin, was den anfangs sehr guten Eindruck dann über die volle Albumlänge doch ein wenig schmälert. Zumal schon im zweiten Lied, das sich unglücklicherweise sogar auf den Bandnamen bezieht, Stilblüten wie die folgende meine Fußnägel hochklappen lassen: "Hab dir nichts mehr zu sagen / Du schlägst mir auf den Magen / Halt dich bloß fern von mir / Es war schön mit dir / Keine Lust mehr auf den ganzen Stress! / Möge dir die Sonne scheinen / Und mir der Mond"
Sänger Somali singt solcherlei selbstmitleidige Pennäler-Lyrik mit großem Ernst und tiefer Inbrunst, was dann leider unfreiwillig komisch wirkt. Andere Lieder, z.B. eben das erste, "Lass den Richtigen rein", kann textlich da deutlich mehr und lässt die Band in einem besseren Licht erstrahlen. Ganz großartig finde ich dann "Von den Dächern Vogelsang" und "Nebelschwer", die weiblichen Gesang integrieren und die immer noch ziemlich platten Texte nun mit genau der Menge Schlager-Einfluss paaren, die es braucht, um das Gesamtpaket stimmig erscheinen zu lassen und einen Romantiker wie mich zu begeistern. "Wolken" haut dann sogar Synthie-Streicher raus, und ich schmelze dahin. Mir kommt der Gedanke, dass mehr Synthies keine schlechte Idee wäre, denn ohne bleiben mir die Lieder doch zu sehr in altmodischer Deutsch-Rock-Ästhetik verfangen, wie insbesondere die fürchterliche Ballade "Außer Atem" und das uninspirierte "Georg sagt" beweisen. Mag aber auch an der gefühlt immer dünner werdenden Produktion liegen.
Am Ende nimmt das Album nochmal Fahrt auf in Richtung Punk, und auch der Schlager-Faktor tut wieder Gutes - es wird gar zünftig geschunkelt - so dass letztlich ein positiver Eindruck überwiegt und "Erst Blätter, dann Schnee" das ein oder andere Mal gerne von mir aufgelegt worden ist.