Danger Dan:
Reflexionen aus dem beschönigten Leben
Heute mal wieder ein polarisierendes Thema: HipHop und Rap im deutschsprachigen Punkrock. Beweisstück A: "Reflexionen aus dem beschönigten Leben". Bitte Herr Danger Dan, erheben Sie sich zur Urteilsverkündung. Zunächst einmal möchte ich Sie freisprechen, ein schlechtes Album produziert zu haben. Die zwölf Tracks sind sehr ausgewogen und gut produziert. Wobei ich sagen muss, dass ich zunächst dachte, zu einem anderen Urteil zu kommen, denn so ist das langsame und irgendwie bekifft klingende "Eine aufs Maul" ein freundlich gesagt gewagter Opener, bei dem mich nicht nur der Schlauch-Effekt auf der Stimme zu nerven weiß. Ansonsten gibt es aber den verbalen Rundumschlag; alles scheiße, am besten man schließt sich selbst weg und ertränkt alle Gefühle in Alkohol, Netflix und Drogen. Bloß nicht rausgehen, denn wenn man doch mal etwas tut, wie in "Piss in den Käfig", wird doch danach einfach nur wieder aufgeräumt und die Wände noch mal ein wenig grauer bestrichen. Der Angeklagt selbst setzt dieser Uniformität sein lyrisches Können entgegen (großartig: "Mingvase"). Dennoch wird auch diese letztendlich nicht die Welt verändern. Die Außenwelt spiegelt sich auch auf die Innensicht Danger Dans wieder, der hier auf dem Album sein eigenes Leben reflektiert und sich selbst eine Zeitkapsel in Rapform baut ("Private Altersvorsorge 2"). Thematisch richtig greifbar wird es dann nur bei "Drei gegen einen" gegen menschenverachtende Grundtendenzen im Mainstream-HipHop und "Sand in die Augen", wo es um Feminismus geht. Seinen genauen Standpunkt lässt Danger Dan aber - genau wie der Rest der Antilopen auch - im Dunkeln. Wenn man fies wäre, könnte man die oben genannten Themen Feminismus, faschistoide Tendenzen im HipHop, und dass wir in einer beschissenen Welt leben als allgemeiner linker Common Sense abtun. Wo ist also diese Eigenposition? Nun, die braucht das Album nicht, denn wenn ich nicht spezifisch werde, dann kann ich auch niemanden auf den Schlips treten. Außerdem würde man dann nämlich die Chance verpassen, eine ganze Generation von Unzufriedenen und Verzweifelten als Kollektiv anzusprechen.
Urteil: Freispruch in allen Punkten, aber präventives Kontaktverbot zu Tristan Shitler.
Fazit: Stark gemachtes Rap-Album für die Generation Hoffnungslos.
Anspieltipps: Drei gegen einen, Piss in den Käfig.