Kann mich noch gut erinnern, als ich Alias Caylon das erste (und bisher leider auch letzte) Mal sah - vor Ewigkeiten, damals auf dem Fonsstock Festival begrüßte mich eine breite Wand an Sound und konnte mich mehr als begeistern. Ebenso auch das zwei Jahre später erschienene Debütalbum "Resorbing Everything".
Und nun, weitere vier Jahre später, gibt es endlich den Nachfolger "Follow The Feeder"! Warum lassen sich Alias Caylon bloß immer so viel Zeit? Ganz klar: Weil sie's können. Verdammte Perfektionisten. Ich will gar nicht wissen, wie viele Tage an jedem einzelnen Ton gefeilt wurde.
Alias Caylon aus Flensburg sind quasi eine härtere Variante von
Jimmy Eat World, ich würds grob als eine Art Postcore-Pop bezeichnen (ich weigere mich, das böse Wort mit E im Zusammenhang mit einer so guten Band zu verwenden). Beim ersten Hören musste ich vor Schreck erstmal wieder das erwähnte erste Album rauskramen - war das auch schon so lahm? Ja und nein, zumindest war es anders. Lauter. Alias Caylon im Jahre 2009 klingen erwachsener und ausgereifter, ohne das jetzt wertend zu meinen. Der eigentliche Druck, den die Platte ausübt, entfaltet sich dann auch erst nach mehrmaligem Hören, wenn sich die Melodien im Kopf festsetzen und man lauthals mitschreien will, obwohl man gar nicht weiß wozu - geschrien wird bei Alias Caylon selten, mehr unterbewusst. Aufbauende Gitarren treffen auf nachdenkliche Texte - jeder Song ist anders, und trotzdem klingt die Platte wie aus einem Guss. Dadurch kristallisiert sich auch kein wirklicher Hit oder Anspieltipp heraus, persönlich gefallen mir erster und letzter Song am besten, warum auch immer. Muss sich jeder selbst seine Perlen raussuchen, so ein Massenhit wie "The 1st day" findet sich diesmal nicht auf dem Album.
Fazit: Gelungene CD (gibts wahlweise auch als Doppel-LP), aber kommt nicht an die erste ran. Schade. Trotzdem fliegt sie so schnell nicht aus meiner Playliste, dafür macht es einfach zu viel Spaß, nach jedem Hören festzustellen, dass sie immer besser wird.