Nach dem Hype, der in den letzten Jahren um das Genre Post-Punk entstanden ist und Bands, die diesen Stil spielen, wie Pilze aus den Boden geschossen sind, dauerte es nicht lange und mir hing fast alles mit Moll-Gitarren zum Hals heraus. Doch in der letzten Zeit spülte mir mein Streaming Anbieter immer wieder diese eine Band aus Köln in die Playlist, um die es in den folgenden Zeilen gehen soll.
Denn das, was ich da zu hören bekam, weckte in Windeseile mein Interesse. Auch wenn die kühle Gitarre, die sich durch das Soundgewand der vier Herren wie Schlieren durchs Wasserglas zieht, ähnlich zu denen ist, wie sie mir an anderer Stelle bereits den Nerv geraubt hat, werden die Songs doch hauptsächlich vom stoischen Beat des Basses getragen. Dazu kommt ein Gesang, der immer wieder zwischen Henry-Rollins' Spoken Word und David-Abrahamschen Wutausbrüchen schwankt und dadurch in Kombination mit der gerade erwähnten Geräuschkulisse ein Klangbild zeichnet, dass von JOY DIVISON bis BLACK FLAG reicht. Vor allem durch den gleichbleibenden Bass und dem manischen Wechsel von ausuferndem, aggressiven Geschrei hin zu monoton Geschwätz zieht die Musik der Kölner einen hinein in einen Hardcore-Punk-Strudel, aus dem einmal hinein geraten, man sich nur wieder schwer befreien kann. Das während man gleichzeitig von den den feinen, sich meist zurückhaltenden Gitarrenklängen in eine Decke aus berauschender Seide gewickelt wird. Dabei darf man dann immer mal wieder an die an längst vergangene Größen denken. Zum Beispiel wenn da bei White Riot ganz klar BLACK FLAG in ihrer Hochphase zitiert werden. Oder wenn ein Ian Curtis beim Opener wohl kurz in seinem Grab aufhorchen wird, um zu erfahren, wer da auf seinen Pfaden wandelt. Fast schon beiläufig wird dann mal eben mit dem Song TV Cult, eine Brücke hin zu Motörhead geschlagen, auch wenn das jetzt komisch bis fast unglaublich klingen mag. Aber überzeugt euch doch einfach selbst, wenn ihr es nicht glauben wollt.
Diese Wechsel aus zackig, schnell und dabei krachend aggro und auf der anderen Seite zurückgelehnt, einlullend, ja fast schon meditativ dahin stampfend sorgen somit zur steten Aufrechterhaltung des Spannungsbogens. So schaffen es Florian, Marco, Martin und Michael mit ihrem Debüt in nicht mal 30 Minuten zum einen erfrischenden Wind in ein erneut auf der Stelle tretendes Genre zu bringen und zum anderen viele Reminiszenzen für alle Dischord- und SST-Nerds zu liefern. Somit sollten sich hier eine Menge Menschen finden, die Colony abholt und begeistern wird, mich haben sie jedenfalls bereits komplett überzeugt!
01. Party's Over
02. White Riot
03. Teenage Nightmare
04. Crystal Cave
05. Empty Quarter
06. TV Cult
07. Supplicant
08. Oubliette
09. Hong Kong Song
10. Running Man