Das Rap Label Soulforce hat seine Fühler weiter in Richtung Punk ausgestreckt und angelt sich mit H.i.T. nach Team Scheisse die nächste Band aus dem von uns so geliebten Genre. Vielleicht ein kluger Move, wo doch bisherige Rap und Dancehall Artists, mit denen das Produzententeam Kitschkrieg zusammengearbeitet hat, das eng mit Soulforce Records verbandelt ist, im Knast sitzen (Vybez Kartell: wegen Mord). Oder auf Bewährung draußen sind (GZUZ: wegen sexueller Nötigung, Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und das Sprengstoff- sowie das Waffengesetz) oder stark in der Kritik standen (Bonez MC wegen Homosexuellenfeindlichkeit und Misogynie in seinen Texten).
Die Menschen hinter H.i.T., dessen Akronym vorerst ein Rätsel bleiben wird, kennt man vielleicht vom Rap-Label Erotik Toy Records, auf dem Sänger TightTill auch selber als Artist in Erscheinung tritt. Vielleicht auch vom Elektro DJ Team POWER SUFF GIRLS aus Hamburg/Berlin (Makrele) und von der Indie Rock Band SOFT SAINTS aus Köln (Max). Über die Menschen an Schlagzeug und Synthie ist mir jedoch nichts bekannt. Alles nicht wirklich punkaffin, aber in Zeiten, in denen behaarte Hardcore und Metal-Dudes erfolgreich Lieder über Skinhead-Kram machen können, wer sagt da, dass diese drei Menschen nicht auch ohne Lederjacke, Irokesen-Frisur und Punk-Background guten Punkrock machen können? Ist ja auch richtig ausgeführt, wieder lohnenswert. Punk, das sieht man ja bestens an TEAM SCHEISSE, ist mittlerweile wieder gut um junge Leute vor die Bühne zu holen und somit ein Pferd auf das man wieder setzen kann.
Im Ansatz ist hier auch alles gegeben, was sich auch bei den Bremern von Team Scheisse zu finden ist, die Texte haben Witz, sind bissig und kritisch. Es geht viel um Verbundstoffe, mal darum, wie es ist, auf ihnen herum zu rollen, was man dann passend im Skate Punk Style untermalt hat (Velvet Concrete Park). Mal deutschpunkig, wie es ist, von einem umgeben zu sein (Plastik). Es gibt ein schräges und gleichzeitig süßes Liebeslied (Silver Surfer), Ironie über Zeitgenössisches (Künstliche Intelligenz), bei dem man klingt wie alte New Yorker Hardcore-Punk Helden oder auch über Altbewährtes wie sitzen und saufen (Kiosk). Covern können sie auch, das beweisen sie beim Rausschmeißer Simulation, der eine auf die heutige Zeit umgemünzte Version des ABWÄRTS-Songs Computerstaat ist. Einen in letzter Zeit so angesagten Synthie haben sie natürlich auch im Gepäck, ohne geht's ja kaum noch. Die Refrains bieten zudem Ansätze für ein schnelles Einrasten im Gehirn und anschließendem Gegröl. Selbst das Artwork macht was her.
Für einen kometenhaften Aufstieg in den Punk-Himmel reicht es jedoch noch nicht, dafür fehlt es hier und da noch an Substanz und Griffigkeit, was sowohl die Texte als auch die ein oder andere Melodie betrifft. Denn so schnell wie diese EP beginnt, so schnell ist sie auch wieder vorbei, ohne dabei allzu viele Spuren zu hinterlassen. Auf in Turnschuhen hüpfende und klatschende Teens im Publikum dürfen sie also wahrscheinlich noch etwas warten. Trotzdem möchte ich orakeln: Aufgepasst, da kommt noch was!
A1: Künstliche Intelligenz
A2: Kiosk
A3: Silver Surfer
B1: Velvet Concrete Park
B2: Plastik
B3: Simulation