Die Ärzte, 07.05.2022 in Berlin, Schokoladen - Bericht von Gabi Nichtsnutz, Fotos von Fussel
Die Ärzte, 07.05.2022 in Berlin
Gehirnzombies haben sie aus uns gemacht, die Internetkonzerne mit ihren Likes, Follows und Fotofiltern. Texte, die länger als sechs Zeilen sind? #lesichnich! Daher hier ein Kurzabriss für alle Leser*innen, die nach dem Prinzip ‚Betreutes Review‘ verfahren wollen: Konzert war ok, 13€ (im VVK) für nur eine Kapelle fand ich etwas happig, der Bierpreis hingegen glänzte mit Fairness, im Großen und Ganzen hat mich die Band abgeholt. Handyfotos guckst Du unten und bei YouTube sind verwackelte 30-sekündige Bildaufnahmen Deiner Wahl zu finden.
WAS HAT DER JUNGE DOCH FÜR NERVEN
Irgendwann im letzten Jahr erhielt ich eine Nachricht von Fussel: „Hey, hab ne Karte für Die Ärzte im Schokoladen übrig, kommste mit?“ Geistesgegenwärtig meinen Kalender durchblätternd antwortete ich: „Danke. Aber da bin ich schon beim Rock am Kuhteich.“ Sekunden später kroch der Verstand zurück in meinen Körper: ´Habe ich das gerade wirklich geantwortet?!´ Scheinbar hatte ich Honig im Kopf und schob schnell eine Sprachnachricht hinterher: „Ja! Ja! Ja! Klar! Natürlich komme ich mit!“ Aber warum hatte er eine Karte zu viel? Und wie ist er an diese Teile überhaupt rangekommen? Ich hatte es für ein paar größere Läden der Tour versucht, natürlich erfolglos. An den Schokoladen habe ich mich gar nicht erst herangetraut, für den Flughafen Tempelhof hat es schlussendlich gereicht. Ist ja auch ganz urig dort. „Ich habe einfach eine Viertelstunde lang F5 gedrückt, dann hatte ich plötzlich Konzertkarten im Einkaufswagen und das wars. Eigentlich wollte ich meine Freundin mitnehmen. Die findet Die Ärzte zwar ok, will sie aber nicht unbedingt live sehen.“ Na dann … Schokoladen ich komme. Gerade bei Ticketvorverkäufen liest und hört man immer wieder von Enttäuschung und Frust bei Fans. Mittlerweile werden von irgendwelchen geldgierigen Arschlöchern automatisierte Ticket-Bots geschalten, so dass ein Mensch aus Fleisch und Blut gar keine Chance hat, an Karten zu kommen. Beziehungsweise nur nach dem VVK. Für teures Geld im billigen Internet. Scheinbar konnte aber dieses Mal nur mit Kreditkarten bezahlt werden. Ärzte 1 – Bots 0. Sollte irgendwann ein irrer Diktator einen Atomkrieg auslösen und die Menschheit im Terminator-Zeitalter erwachen, bin ich nun frohen Mutes: Die Ärzte – I´ll be back.
Irgendwann im letzten Jahr erhielt ich eine Nachricht von Fussel: „Hey, hab ne Karte für Die Ärzte im Schokoladen übrig, kommste mit?“ Geistesgegenwärtig meinen Kalender durchblätternd antwortete ich: „Danke. Aber da bin ich schon beim Rock am Kuhteich.“ Sekunden später kroch der Verstand zurück in meinen Körper: ´Habe ich das gerade wirklich geantwortet?!´ Scheinbar hatte ich Honig im Kopf und schob schnell eine Sprachnachricht hinterher: „Ja! Ja! Ja! Klar! Natürlich komme ich mit!“ Aber warum hatte er eine Karte zu viel? Und wie ist er an diese Teile überhaupt rangekommen? Ich hatte es für ein paar größere Läden der Tour versucht, natürlich erfolglos. An den Schokoladen habe ich mich gar nicht erst herangetraut, für den Flughafen Tempelhof hat es schlussendlich gereicht. Ist ja auch ganz urig dort. „Ich habe einfach eine Viertelstunde lang F5 gedrückt, dann hatte ich plötzlich Konzertkarten im Einkaufswagen und das wars. Eigentlich wollte ich meine Freundin mitnehmen. Die findet Die Ärzte zwar ok, will sie aber nicht unbedingt live sehen.“ Na dann … Schokoladen ich komme. Gerade bei Ticketvorverkäufen liest und hört man immer wieder von Enttäuschung und Frust bei Fans. Mittlerweile werden von irgendwelchen geldgierigen Arschlöchern automatisierte Ticket-Bots geschalten, so dass ein Mensch aus Fleisch und Blut gar keine Chance hat, an Karten zu kommen. Beziehungsweise nur nach dem VVK. Für teures Geld im billigen Internet. Scheinbar konnte aber dieses Mal nur mit Kreditkarten bezahlt werden. Ärzte 1 – Bots 0. Sollte irgendwann ein irrer Diktator einen Atomkrieg auslösen und die Menschheit im Terminator-Zeitalter erwachen, bin ich nun frohen Mutes: Die Ärzte – I´ll be back.
ACHTUNG: BITTERFELD
Die größte Angst zwei Wochen vor dem Konzert war eine Infektion mit diesem gerade wohl weltweit zirkulierenden Virus. Am Morgen des Konzertes war aber alles i.O., so dass mich Fussel gegen Mittag freudig am Leipziger Hauptbahnhof begrüßen konnte. Ungefähr eine Stunde Bahnfahrt (ICE, 1.Klasse versteht sich!) und wir sind in Berlin. ‚Denkste, hähä‘ vermeldete aber kurz vor Abfahrt eine Push-Mitteilung der DB App. 82 Minuten Verspätung. Klischees haben immer einen wahren Kern. Und in Bezug auf die Deutsche Bahn einen ganz besonders tiefen. „Regionalbahn nach Bitterfeld“ lautete die Aussage der Person am Servicecenter. „In sieben Minuten. Und dann dort umsteigen.“ In Bitterfeld wurden wir vom hiesigen Bahnhof mit einem freundlichen „Bonjour, Tristesse“ begrüßt. Ein paar Kippen später saßen wir wieder in einem Zug Richtung Berlin, die Nachricht auf dem Smartphone ‚Aktuell 92 Minuten Verspätung‘ rang uns ein Lächeln aus den Masken ab. Auf das obligatorische Begrüßungsbier wurde verzichtet. Irgendein Tüp hat wohl aufgrund der Maske im Zug Stress gemacht, so dass kurzerhand das Bordrestaurant geschlossen wurde. Egal, denn Fussel war eh noch verkatert, da er sich am Abend zuvor ein paar kühle Blonde gegen die Aufregung ob des anstehenden Ereignisses genehmigte und ich steh einfach nicht auf diesen Scheiß. Saufm ja, aber erst mal schön ruhig angehn…
Die größte Angst zwei Wochen vor dem Konzert war eine Infektion mit diesem gerade wohl weltweit zirkulierenden Virus. Am Morgen des Konzertes war aber alles i.O., so dass mich Fussel gegen Mittag freudig am Leipziger Hauptbahnhof begrüßen konnte. Ungefähr eine Stunde Bahnfahrt (ICE, 1.Klasse versteht sich!) und wir sind in Berlin. ‚Denkste, hähä‘ vermeldete aber kurz vor Abfahrt eine Push-Mitteilung der DB App. 82 Minuten Verspätung. Klischees haben immer einen wahren Kern. Und in Bezug auf die Deutsche Bahn einen ganz besonders tiefen. „Regionalbahn nach Bitterfeld“ lautete die Aussage der Person am Servicecenter. „In sieben Minuten. Und dann dort umsteigen.“ In Bitterfeld wurden wir vom hiesigen Bahnhof mit einem freundlichen „Bonjour, Tristesse“ begrüßt. Ein paar Kippen später saßen wir wieder in einem Zug Richtung Berlin, die Nachricht auf dem Smartphone ‚Aktuell 92 Minuten Verspätung‘ rang uns ein Lächeln aus den Masken ab. Auf das obligatorische Begrüßungsbier wurde verzichtet. Irgendein Tüp hat wohl aufgrund der Maske im Zug Stress gemacht, so dass kurzerhand das Bordrestaurant geschlossen wurde. Egal, denn Fussel war eh noch verkatert, da er sich am Abend zuvor ein paar kühle Blonde gegen die Aufregung ob des anstehenden Ereignisses genehmigte und ich steh einfach nicht auf diesen Scheiß. Saufm ja, aber erst mal schön ruhig angehn…
ICH BIN REICH
In Berlin fix das Reise-Gerassel im Hotel geparkt und ab vor den Schokoladen, die Location abchecken. Der Schokoladen stach sofort ins Auge. Im komplett durchgentrifizierten Stadtteil wirkte der Club wie aus der Zeit gefallen, eine Insel der Glückseligkeit. Vor Ort war soweit alles ruhig, nur ein paar Techniker und Hands lungerten gemütlich vor dem Laden herum. Also flanierten wir erst einmal die Straße entlang und verschafften uns einen Eindruck davon, wie Leipzig-Connewitz in zehn Jahren aussehen wird. Circa 50 Meter vom eigentlichen Club entfernt, entdeckten wir einen zweiten Schokoladen. Eine Schicki-Micki-Cafè-Bude. Diese wurde umgehend fotografisch festgehalten und das Bild an Freunde und Bekannte verschickt. Hier spielen heute Die Ärzte. Pennäler-Humor at its best. Nobelrestaurants mit wahlweise französischer oder italienischer Küche waren ebenso auszumachen wie Ayurveda-Massagen und ein Luxus-Geschäft für Pracht-Hunde von Wohlstands-Menschen. Das weckte sogleich unseren Appetit und wir begaben uns in den nahe gelegenen 24-Stunden-Döner-Pizza-Burger-Hähnchen-Hier-gibt-es-alles-Laden. Gesättigt dackelten wir anschließend erneut ins Hotel, um uns für das Konzert herzurichten.
In Berlin fix das Reise-Gerassel im Hotel geparkt und ab vor den Schokoladen, die Location abchecken. Der Schokoladen stach sofort ins Auge. Im komplett durchgentrifizierten Stadtteil wirkte der Club wie aus der Zeit gefallen, eine Insel der Glückseligkeit. Vor Ort war soweit alles ruhig, nur ein paar Techniker und Hands lungerten gemütlich vor dem Laden herum. Also flanierten wir erst einmal die Straße entlang und verschafften uns einen Eindruck davon, wie Leipzig-Connewitz in zehn Jahren aussehen wird. Circa 50 Meter vom eigentlichen Club entfernt, entdeckten wir einen zweiten Schokoladen. Eine Schicki-Micki-Cafè-Bude. Diese wurde umgehend fotografisch festgehalten und das Bild an Freunde und Bekannte verschickt. Hier spielen heute Die Ärzte. Pennäler-Humor at its best. Nobelrestaurants mit wahlweise französischer oder italienischer Küche waren ebenso auszumachen wie Ayurveda-Massagen und ein Luxus-Geschäft für Pracht-Hunde von Wohlstands-Menschen. Das weckte sogleich unseren Appetit und wir begaben uns in den nahe gelegenen 24-Stunden-Döner-Pizza-Burger-Hähnchen-Hier-gibt-es-alles-Laden. Gesättigt dackelten wir anschließend erneut ins Hotel, um uns für das Konzert herzurichten.
DINGE VON DENEN
Das Hotelzimmer war in etwa so groß wie die heimische Badewanne, hatte dafür jedoch einen prächtigen Fundus an fremdsprachigen TV-Sendern zu bieten, so dass ich mir erst einmal das Leipziger Stadtderby zwischen KLO und Chemie im ähM Dä äR zu Gemüte ziehen konnte. Während ich den Fernsehbildschirm anschrie, verabschiedete sich Fussel mit den Worten: „Ich geh dann mal zu diesem Konzert, weswegen wir heute eigentlich hier sind.“ Stimmt, da war ja was. Also stiefelte ich ihm hinterher Richtung Schokoladen, wobei Fussel eher eine Art Blindenhund für mich darstellte, denn meine Glubschis hingen am Handybildschirm beim Fußball. Den Sieg bejubelnd öffnete ich das erste Bier des Tages. Doch nicht vor Freude, sondern vor Aufregung. Klappt alles? Funktioniert der Ticket-Code? Die Anspannung stieg in mir hoch. Es war schlimmer als vor Prüfungen, eigenen Konzerten oder dem ersten Date. Ich hatte Die Ärzte in meinen Teenager-Jahren in verhältnismäßig kleineren Venues erlebt, war bei „15 Jahre Netto“ dabei (R.I.P. Hagen!), durfte der letzten Tour in Prag beiwohnen und habe darüber hinaus die drei Gurken aus Berlin (aus Berlin!) bei zahlreichen Konzerten auf verschiedenen Tourneen gesehen. Aber das hier??? Kleiner Punkschuppen, etwas mehr als 100 Leute … hui … die Einmaligkeit dieses Ereignisses war mir bewusst.
Das Hotelzimmer war in etwa so groß wie die heimische Badewanne, hatte dafür jedoch einen prächtigen Fundus an fremdsprachigen TV-Sendern zu bieten, so dass ich mir erst einmal das Leipziger Stadtderby zwischen KLO und Chemie im ähM Dä äR zu Gemüte ziehen konnte. Während ich den Fernsehbildschirm anschrie, verabschiedete sich Fussel mit den Worten: „Ich geh dann mal zu diesem Konzert, weswegen wir heute eigentlich hier sind.“ Stimmt, da war ja was. Also stiefelte ich ihm hinterher Richtung Schokoladen, wobei Fussel eher eine Art Blindenhund für mich darstellte, denn meine Glubschis hingen am Handybildschirm beim Fußball. Den Sieg bejubelnd öffnete ich das erste Bier des Tages. Doch nicht vor Freude, sondern vor Aufregung. Klappt alles? Funktioniert der Ticket-Code? Die Anspannung stieg in mir hoch. Es war schlimmer als vor Prüfungen, eigenen Konzerten oder dem ersten Date. Ich hatte Die Ärzte in meinen Teenager-Jahren in verhältnismäßig kleineren Venues erlebt, war bei „15 Jahre Netto“ dabei (R.I.P. Hagen!), durfte der letzten Tour in Prag beiwohnen und habe darüber hinaus die drei Gurken aus Berlin (aus Berlin!) bei zahlreichen Konzerten auf verschiedenen Tourneen gesehen. Aber das hier??? Kleiner Punkschuppen, etwas mehr als 100 Leute … hui … die Einmaligkeit dieses Ereignisses war mir bewusst.
MEINE FREUNDE
Erneut am Schokoladen angekommen, bot sich abermals ein entspanntes Bild. Vielleicht 30 Leute standen 20 Minuten vor Einlass am Club herum. Das hatte ich anders erwartet. Ein paar versprengte Gestalten hielten ‚Suche Ticket‘-Schilder in ihren Händen, waren aber freundlich. (Etliche Tage vor dem Konzert bekam Fussel eine Nachricht bei Facebook, man bot ihm 1000€ für eine Konzertkarte an, was er jedoch aus unerfindlichen Gründen ablehnte.) Ein Gitarren-Hippie neben dem Club quälte uns mit gar furchtbaren Sangeseinlagen und als wir noch am Überlegen waren, wie viel Kohle der Tüp wohl braucht, damit er sich endlich verpisst (wir schätzten 10 - 20€), öffneten sich auch schon die Pforten der Konzertstätte. Während ich vor Nervosität an meiner Bierflasche nuckelte, freundete sich Fussel mit den Leuten vom Einlass an und zwar wie folgt: „Na, da wollen wir doch mal schauen, ob das mit den selbstgedruckten Tickets auch funktioniert.“ Wat n (Scheiß)Typ ey… Die Karten hielten der Überprüfung aber stand, unsere Ausweise auch und gelbe Bändchen am Arm sagten uns: ‚Ihr seid dabei‘.
Erneut am Schokoladen angekommen, bot sich abermals ein entspanntes Bild. Vielleicht 30 Leute standen 20 Minuten vor Einlass am Club herum. Das hatte ich anders erwartet. Ein paar versprengte Gestalten hielten ‚Suche Ticket‘-Schilder in ihren Händen, waren aber freundlich. (Etliche Tage vor dem Konzert bekam Fussel eine Nachricht bei Facebook, man bot ihm 1000€ für eine Konzertkarte an, was er jedoch aus unerfindlichen Gründen ablehnte.) Ein Gitarren-Hippie neben dem Club quälte uns mit gar furchtbaren Sangeseinlagen und als wir noch am Überlegen waren, wie viel Kohle der Tüp wohl braucht, damit er sich endlich verpisst (wir schätzten 10 - 20€), öffneten sich auch schon die Pforten der Konzertstätte. Während ich vor Nervosität an meiner Bierflasche nuckelte, freundete sich Fussel mit den Leuten vom Einlass an und zwar wie folgt: „Na, da wollen wir doch mal schauen, ob das mit den selbstgedruckten Tickets auch funktioniert.“ Wat n (Scheiß)Typ ey… Die Karten hielten der Überprüfung aber stand, unsere Ausweise auch und gelbe Bändchen am Arm sagten uns: ‚Ihr seid dabei‘.
IST DAS ALLES?
Endlich konnte der Schokoladen betreten werden und das dargebotene Bild des Clubs war vertraut: klein, dunkel, ein Punkrockschuppen eben. Ich war nun nicht mehr nervös, sondern positiv angespannt. Und wie steigert man dieses Gefühl am besten? Richtig, mit Bier! Also wurde umgehend die Bar aufgesucht und mit Erstaunen nahm ich die Getränkepreise wahr: Bier 2,50€, Cola 2 €. Der Club hätte an diesem Abend das sicher zahlungskräftige Publikum ordentlich melken können, tat es aber nicht. Anständig! So winzig wie die Preise an der Bar war auch die Bühne. Im Vorfeld wurde mehrfach geunkt, wie denn der ganze Kram der Band dort seinen Platz finden solle. But it´s just Punkrock: Gitarre, Schlagzeug, Bass. Mehr braucht es nicht und war auf der Bühne auch nicht auszumachen. Die für uns aufgeworfene Frage, wo wir denn stehen wollen, ließ sich schnell beantworten: ‚Egal, denn auch die letzte ist immer noch die vierte Reihe‘. Gut, ganz so klein war es dann doch nicht und es waren vielleicht zehn oder zwölf Reihen während des Konzertes. Schlussendlich positionierten wir uns dann doch in Reihe vier, aus der im Laufe des Abends Reihe zwei und eins werden sollten. Vorne links war unser Platz, so dass ein kurzer Ausritt zur Bar oder zum Klo während der Show gut realisierbar erschien. Noch circa zehn Minuten bis Konzertbeginn und gleich sahen wir Die Beste Band der Welt. Hoffentlich hatten sie vorher geduscht. (Spoiler: Entweder das oder sie haben sich ihre Schweißdrüsen entfernen lassen.)
Endlich konnte der Schokoladen betreten werden und das dargebotene Bild des Clubs war vertraut: klein, dunkel, ein Punkrockschuppen eben. Ich war nun nicht mehr nervös, sondern positiv angespannt. Und wie steigert man dieses Gefühl am besten? Richtig, mit Bier! Also wurde umgehend die Bar aufgesucht und mit Erstaunen nahm ich die Getränkepreise wahr: Bier 2,50€, Cola 2 €. Der Club hätte an diesem Abend das sicher zahlungskräftige Publikum ordentlich melken können, tat es aber nicht. Anständig! So winzig wie die Preise an der Bar war auch die Bühne. Im Vorfeld wurde mehrfach geunkt, wie denn der ganze Kram der Band dort seinen Platz finden solle. But it´s just Punkrock: Gitarre, Schlagzeug, Bass. Mehr braucht es nicht und war auf der Bühne auch nicht auszumachen. Die für uns aufgeworfene Frage, wo wir denn stehen wollen, ließ sich schnell beantworten: ‚Egal, denn auch die letzte ist immer noch die vierte Reihe‘. Gut, ganz so klein war es dann doch nicht und es waren vielleicht zehn oder zwölf Reihen während des Konzertes. Schlussendlich positionierten wir uns dann doch in Reihe vier, aus der im Laufe des Abends Reihe zwei und eins werden sollten. Vorne links war unser Platz, so dass ein kurzer Ausritt zur Bar oder zum Klo während der Show gut realisierbar erschien. Noch circa zehn Minuten bis Konzertbeginn und gleich sahen wir Die Beste Band der Welt. Hoffentlich hatten sie vorher geduscht. (Spoiler: Entweder das oder sie haben sich ihre Schweißdrüsen entfernen lassen.)
WENN ES ABEND WIRD
Pünktlich 19:30 Uhr betraten Bela, Farin und der Neue am Bass den Innenraum vom Schokoladen. Bühnenaufgang? Fehlanzeige. Das Publikum bildete ein Spalier und über die Bar gelangten BFR unter Applaus des Publikums auf die Bühne. Statt Musik gab es erst einmal ein Sprüchefeuerwerk, die Zeit bis 22 Uhr musste schließlich irgendwie gefüllt werden. Als Opener wurde ‚Gute Nacht‘ intoniert, sich anschließend für den schönen Abend bedankt und die Gäste in den Abend entlassen. Diese Art von Humor muss man mögen. Dem Saal inklusive uns gefiel es. Ob nun sofort oder erst später eine ausgiebige LaOla-Welle von Rod angestimmt wurde, entzieht sich meiner Erinnerung (ich hatte vergessen, mein Donepezil einzunehmen). Fakt ist: sie kam. Von links nach rechts, vorne nach hinten, in Einzelreihen, von der Bar zum Mischpult, als Zick Zack, ohne Arme, ohne Stimme, usw. – Festivalatmosphäre im Undergroundladen.
Pünktlich 19:30 Uhr betraten Bela, Farin und der Neue am Bass den Innenraum vom Schokoladen. Bühnenaufgang? Fehlanzeige. Das Publikum bildete ein Spalier und über die Bar gelangten BFR unter Applaus des Publikums auf die Bühne. Statt Musik gab es erst einmal ein Sprüchefeuerwerk, die Zeit bis 22 Uhr musste schließlich irgendwie gefüllt werden. Als Opener wurde ‚Gute Nacht‘ intoniert, sich anschließend für den schönen Abend bedankt und die Gäste in den Abend entlassen. Diese Art von Humor muss man mögen. Dem Saal inklusive uns gefiel es. Ob nun sofort oder erst später eine ausgiebige LaOla-Welle von Rod angestimmt wurde, entzieht sich meiner Erinnerung (ich hatte vergessen, mein Donepezil einzunehmen). Fakt ist: sie kam. Von links nach rechts, vorne nach hinten, in Einzelreihen, von der Bar zum Mischpult, als Zick Zack, ohne Arme, ohne Stimme, usw. – Festivalatmosphäre im Undergroundladen.
KOPFÜBER IN DIE HÖLLE
Nach dieser Einlage ging es endlich so richtig los. Mit ‚Noise‘ zeigte sich gleich, dass Die Ärzte technisch betrachtet nicht schummeln würden. Gitarre, Schlagzeug und Bass klangen nach Proberaum und waren nicht aufgemotzt. Der Mann am Mischpult musste die Monitore auf der Bühne bis zum Anschlag aufdrehen, damit BelaFarinRod selbst überhaupt etwas verstehen konnten von ihren Gesängen, denn das Publikum war sofort da. Es folgten Lieder aus allen Jahrzehnten Bandgeschichte (‚Du willst mich küssen‘, ‚Hurra‘, ‚Heulerei‘, ‚Fiasko‘, ‚Doof‘, usw.). Der Nerd in mir erwachte schon während des Konzertes und stellte sich die Frage, ob denn von jedem Studioalbum ein Lied gespielt werden würde. Und bis auf ‚Das ist nicht die ganze Wahrheit‘ traf dies, B-Seiten der Singles eingerechnet, tatsächlich zu. Wissen, das die Welt nicht braucht. Bitte schön.
Nach dieser Einlage ging es endlich so richtig los. Mit ‚Noise‘ zeigte sich gleich, dass Die Ärzte technisch betrachtet nicht schummeln würden. Gitarre, Schlagzeug und Bass klangen nach Proberaum und waren nicht aufgemotzt. Der Mann am Mischpult musste die Monitore auf der Bühne bis zum Anschlag aufdrehen, damit BelaFarinRod selbst überhaupt etwas verstehen konnten von ihren Gesängen, denn das Publikum war sofort da. Es folgten Lieder aus allen Jahrzehnten Bandgeschichte (‚Du willst mich küssen‘, ‚Hurra‘, ‚Heulerei‘, ‚Fiasko‘, ‚Doof‘, usw.). Der Nerd in mir erwachte schon während des Konzertes und stellte sich die Frage, ob denn von jedem Studioalbum ein Lied gespielt werden würde. Und bis auf ‚Das ist nicht die ganze Wahrheit‘ traf dies, B-Seiten der Singles eingerechnet, tatsächlich zu. Wissen, das die Welt nicht braucht. Bitte schön.
ICH BIN GLÜCKLICH
Jede*r hat bestimmt eigene Lieblingssongs der Band. Am intensivsten nahm ich Die Ärzte in meinen Teenagerjahren wahr, die für die eigene Sozialisation am meisten prägende Zeit. Das Pickelgesicht in mir freute sich daher über dargebotene Lieder wie ‚Ignorama‘, ‚Die Wiking-Jugend hat mein Mädchen entführt‘, ‚Punkbabies‘, ‚Mein kleiner Liebling‘, ‚No Future (ohne neue Haarfrisur)‘, ‚Angeber‘ und ‚Der Afro von Paul Breitner‘. Letzteres sei laut World Wide Web wohl sogar eine Live-Premiere gewesen. Überprüft habe ich das nicht, wird aber schon stimmen, was da im Internet steht. #flatearther. Mit ‚Alle auf Brille‘ fand auch der weltweit in allen Gesellschaftsschichten geliebte Schlachtruf „Oi!“ den Weg in die Setlist, live wie auf Platte ein Kracher. Für mich ebenfalls ein Highlight war das von Rod schnulzig-schmachtend vorgetragene ‚Kamelralley‘. Am Versuch, es schlimmer zu intonieren als Hans Runge anno dazumal, ist er jedoch krachend gescheitert. Denn die Rod´sche Version dieses Liedes war mehr als passabel und vor allem lustig, was sicherlich so gewollt war.
Jede*r hat bestimmt eigene Lieblingssongs der Band. Am intensivsten nahm ich Die Ärzte in meinen Teenagerjahren wahr, die für die eigene Sozialisation am meisten prägende Zeit. Das Pickelgesicht in mir freute sich daher über dargebotene Lieder wie ‚Ignorama‘, ‚Die Wiking-Jugend hat mein Mädchen entführt‘, ‚Punkbabies‘, ‚Mein kleiner Liebling‘, ‚No Future (ohne neue Haarfrisur)‘, ‚Angeber‘ und ‚Der Afro von Paul Breitner‘. Letzteres sei laut World Wide Web wohl sogar eine Live-Premiere gewesen. Überprüft habe ich das nicht, wird aber schon stimmen, was da im Internet steht. #flatearther. Mit ‚Alle auf Brille‘ fand auch der weltweit in allen Gesellschaftsschichten geliebte Schlachtruf „Oi!“ den Weg in die Setlist, live wie auf Platte ein Kracher. Für mich ebenfalls ein Highlight war das von Rod schnulzig-schmachtend vorgetragene ‚Kamelralley‘. Am Versuch, es schlimmer zu intonieren als Hans Runge anno dazumal, ist er jedoch krachend gescheitert. Denn die Rod´sche Version dieses Liedes war mehr als passabel und vor allem lustig, was sicherlich so gewollt war.
TU DAS NICHT
Im Laufe des Abends wurde von den Fans ‚Geschwisterliebe‘ angesungen. Die Ärzte stimmten zumindest meiner Erinnerung nach nicht mit ein, ließen das Publikum aber gewähren. Ein gemeinsames Singen dieses Liedes wäre wohl zu viel des Guten gewesen und scheinbar wollten BFR nicht, dass das Publikum wie Uwe Barschel endet. Bela kündigte irgendwann „das wohl wichtigste Lied für diese Band“ an. Ja was bitte schön außer ‚Schrei nach Liebe‘ sollte da jetzt kommen?! Gedanklich auf ‚Nazis weggrölen‘ eingestellt, folgte ‚Zitroneneis‘ zu der Melodie von irgendeinem Nicht-Ärzte-Lied. Ok, witzig, haha und so, aber gleich folgt ‚Schrei nach Liebe‘. Mit Sicherheit. Bestimmt. Denkste! Es folgte abermals ‚Zitroneneis‘ in der BFR-Version. Lachend und kopfschüttelnd stand ich mit einem großen Fragezeichen vor der Bühne. Und kam aus diesem Modus zwischenzeitlich gar nicht mehr heraus. Scheinbar verfolgen Die Ärzte aktuelle Debatten sehr aufmerksam, auch im Sektor des Punk, denn anders konnte ich mir eine gewisse Ansage an diesem Abend nicht erklären. Ich wiederhole sie hier ausdrücklich nicht, denn die Internet-Punk-Polizei hat schon genug zu tun, wie ich finde. Da gilt es irgendwann mal auf eine gesunde Work-Life-Balance zu achten. Die oft geschundene und viel zitierte Rasierklinge wurde in diesem Moment jedenfalls ordentlich von Farin und Bela betanzt.
Im Laufe des Abends wurde von den Fans ‚Geschwisterliebe‘ angesungen. Die Ärzte stimmten zumindest meiner Erinnerung nach nicht mit ein, ließen das Publikum aber gewähren. Ein gemeinsames Singen dieses Liedes wäre wohl zu viel des Guten gewesen und scheinbar wollten BFR nicht, dass das Publikum wie Uwe Barschel endet. Bela kündigte irgendwann „das wohl wichtigste Lied für diese Band“ an. Ja was bitte schön außer ‚Schrei nach Liebe‘ sollte da jetzt kommen?! Gedanklich auf ‚Nazis weggrölen‘ eingestellt, folgte ‚Zitroneneis‘ zu der Melodie von irgendeinem Nicht-Ärzte-Lied. Ok, witzig, haha und so, aber gleich folgt ‚Schrei nach Liebe‘. Mit Sicherheit. Bestimmt. Denkste! Es folgte abermals ‚Zitroneneis‘ in der BFR-Version. Lachend und kopfschüttelnd stand ich mit einem großen Fragezeichen vor der Bühne. Und kam aus diesem Modus zwischenzeitlich gar nicht mehr heraus. Scheinbar verfolgen Die Ärzte aktuelle Debatten sehr aufmerksam, auch im Sektor des Punk, denn anders konnte ich mir eine gewisse Ansage an diesem Abend nicht erklären. Ich wiederhole sie hier ausdrücklich nicht, denn die Internet-Punk-Polizei hat schon genug zu tun, wie ich finde. Da gilt es irgendwann mal auf eine gesunde Work-Life-Balance zu achten. Die oft geschundene und viel zitierte Rasierklinge wurde in diesem Moment jedenfalls ordentlich von Farin und Bela betanzt.
IGNORAMA
Das Konzert im Schokoladen bildete den Auftakt für eine Tour, die bis in den Spätsommer reicht. Und so wurden auch aktuelle Singles bzw. Lieder der letzten beiden Alben geprobt … ähm … äh … gespielt und auf ihre Livetauglichkeit hin überprüft. Das hat im Großen und Ganzen funktioniert. Gut fand ich, dass auf Stücke wie ‚Westerland‘ und ‚Zu spät‘ zugunsten anderer Perlen der Band verzichtet worden ist. Die Ärzte spielten z.B. ‚A-Moll‘ in verschiedenen Tonarten. Als dann ‚Dobly‘ angestimmt wurde (für mich ein Hit, der, warum auch immer, nicht auf den aktuellen Alben gelandet ist), stellte sich mir während der Strophe die Frage, wie zum Henker der Synthie-Part funktionieren sollte. Aber er funktionierte. Irgendwie. Und zwar so: Bela und Rod sorgten für eine leise Begleitmusik an Schlagzeug und Bass, während Farin ein Akkordeon für Kinder unters Mikrofon hielt, eben jenes malträtierte und den Refrain … naja … sang, wenn man es so nennen möchte. In meinem Inneren tobte ein Kampf zwischen Lachmuskelschmerzunterdrückung und ‚Ich-will-da-jetzt-aber-trotzdem-mitsingen‘-Attitüde.
Das Konzert im Schokoladen bildete den Auftakt für eine Tour, die bis in den Spätsommer reicht. Und so wurden auch aktuelle Singles bzw. Lieder der letzten beiden Alben geprobt … ähm … äh … gespielt und auf ihre Livetauglichkeit hin überprüft. Das hat im Großen und Ganzen funktioniert. Gut fand ich, dass auf Stücke wie ‚Westerland‘ und ‚Zu spät‘ zugunsten anderer Perlen der Band verzichtet worden ist. Die Ärzte spielten z.B. ‚A-Moll‘ in verschiedenen Tonarten. Als dann ‚Dobly‘ angestimmt wurde (für mich ein Hit, der, warum auch immer, nicht auf den aktuellen Alben gelandet ist), stellte sich mir während der Strophe die Frage, wie zum Henker der Synthie-Part funktionieren sollte. Aber er funktionierte. Irgendwie. Und zwar so: Bela und Rod sorgten für eine leise Begleitmusik an Schlagzeug und Bass, während Farin ein Akkordeon für Kinder unters Mikrofon hielt, eben jenes malträtierte und den Refrain … naja … sang, wenn man es so nennen möchte. In meinem Inneren tobte ein Kampf zwischen Lachmuskelschmerzunterdrückung und ‚Ich-will-da-jetzt-aber-trotzdem-mitsingen‘-Attitüde.
ABSCHIED
Der obligatorische Zugabenblock war für diesen Abend ebenfalls standesgemäß von BFR umgesetzt worden. Es erfolgte die zweite Verabschiedung des Abends und statt von der Bühne zu gehen (wo wollten sie auch hin?!), öffneten die drei einen Wandschrank auf der Bühne, „versteckten“ sich hinter der Tür mit dem Rücken zum Publikum und ließen den Club verdunkeln. Publikum und Band hatten bei dieser Aktion ihren Spaß. Anschließend wurde die Klaviatur von Ärzte-Hits bespielt mit Liedern wie ‚Unrockbar‘, Himmelblau‘ und ‚Junge‘. Zwischenzeitlich erfolgte noch eine Art A-Cappella Version von Peter Maffays ‚Und es war Sommer‘. Doch jeder Abend, sei er auch noch so einzigartig, hat irgendwann einmal ein Ende. Mit ‚Dauerwelle vs. Minipli‘ lief das letzte Lied des Abends über den Bühnenäther und Bela, Farin und Rod ließen sich ausgiebig feiern. Pünktlich um 22 Uhr verließen Die Ärzte, abermals durch ein Spalier in der Menge, unter tobendem Applaus das Etablissement und waren fortan nicht mehr gesehen.
Der obligatorische Zugabenblock war für diesen Abend ebenfalls standesgemäß von BFR umgesetzt worden. Es erfolgte die zweite Verabschiedung des Abends und statt von der Bühne zu gehen (wo wollten sie auch hin?!), öffneten die drei einen Wandschrank auf der Bühne, „versteckten“ sich hinter der Tür mit dem Rücken zum Publikum und ließen den Club verdunkeln. Publikum und Band hatten bei dieser Aktion ihren Spaß. Anschließend wurde die Klaviatur von Ärzte-Hits bespielt mit Liedern wie ‚Unrockbar‘, Himmelblau‘ und ‚Junge‘. Zwischenzeitlich erfolgte noch eine Art A-Cappella Version von Peter Maffays ‚Und es war Sommer‘. Doch jeder Abend, sei er auch noch so einzigartig, hat irgendwann einmal ein Ende. Mit ‚Dauerwelle vs. Minipli‘ lief das letzte Lied des Abends über den Bühnenäther und Bela, Farin und Rod ließen sich ausgiebig feiern. Pünktlich um 22 Uhr verließen Die Ärzte, abermals durch ein Spalier in der Menge, unter tobendem Applaus das Etablissement und waren fortan nicht mehr gesehen.
VORBEI IST VORBEI
Etwas ungläubig, was wir da denn gerade erlebt hatten, lagen sich Fussel und ich schwitzend aber verdammt glücklich in den Armen. Ich hatte, wie bereits erwähnt, schon einige Konzerte der Die Ärzte miterlebt. Und oft war es so, dass ich nach 1 oder 1 ½ Stunden einen Blick auf die Uhr warf und mir dachte: ‚Puh, noch so lange bis Konzertende‘. Doch die 2 ½ Stunden im Schokoladen waren für mich die kürzesten meines Lebens. Relativität und so, ihr wisst wovon ich rede respektive schreibe. Für Band und Publikum ein gleichermaßen ungewohnter und außergewöhnlicher Abend, was man auch an der Interaktion zwischen beiden Polen deutlich feststellen konnte. Zu den 100 Kartenbesitzer*innen gehören zu dürfen, lässt sich am besten mit dem Wort ‚Glück‘ umschreiben. Ich erhielt zahlreiche Nachrichten, in denen ich beglückwünscht worden bin. (Allerdings schreiben die Leute ‚Glückwunsch‘ heutzutage irgendwie anders, nämlich kürzer und mit anderen Buchstaben und zwar so: ‚Neid‘. Liegt vermutlich an der Rechtschreibreform.) Und woher habe ich die Zahl der 100 Karten? Fussel fragte eine Mitarbeiterin des Clubs, die uns verriet, dass 100 Karten verkauft worden sind und der Rest Mitarbeitenden und Gästen der Band vorbehalten waren.
Etwas ungläubig, was wir da denn gerade erlebt hatten, lagen sich Fussel und ich schwitzend aber verdammt glücklich in den Armen. Ich hatte, wie bereits erwähnt, schon einige Konzerte der Die Ärzte miterlebt. Und oft war es so, dass ich nach 1 oder 1 ½ Stunden einen Blick auf die Uhr warf und mir dachte: ‚Puh, noch so lange bis Konzertende‘. Doch die 2 ½ Stunden im Schokoladen waren für mich die kürzesten meines Lebens. Relativität und so, ihr wisst wovon ich rede respektive schreibe. Für Band und Publikum ein gleichermaßen ungewohnter und außergewöhnlicher Abend, was man auch an der Interaktion zwischen beiden Polen deutlich feststellen konnte. Zu den 100 Kartenbesitzer*innen gehören zu dürfen, lässt sich am besten mit dem Wort ‚Glück‘ umschreiben. Ich erhielt zahlreiche Nachrichten, in denen ich beglückwünscht worden bin. (Allerdings schreiben die Leute ‚Glückwunsch‘ heutzutage irgendwie anders, nämlich kürzer und mit anderen Buchstaben und zwar so: ‚Neid‘. Liegt vermutlich an der Rechtschreibreform.) Und woher habe ich die Zahl der 100 Karten? Fussel fragte eine Mitarbeiterin des Clubs, die uns verriet, dass 100 Karten verkauft worden sind und der Rest Mitarbeitenden und Gästen der Band vorbehalten waren.
`TSCHULDIGUNG BIER
Um diesen Abend möglichst klar wahrnehmen zu können, verzichteten wir weitestgehend auf die Einfuhr von alkoholischen Getränken. Für das Konzert ergab das durchaus Sinn, für die Party im Anschluss eher weniger. Also wurde prompt die Bar belagert und kühler Gerstensaft geordert. In der Bar lief ein guter Mix von Punkrockliedern aus allen Jahrzehnten. Ab 23 oder 24 Uhr legte dann ein DJ 80er Jahre Zeugs im Schokoladen auf, was teilweise nicht ganz zu meiner persönlichen Stimmung passte. Ich war euphorisiert und wollte mir nicht von Dave Gahan ins Ohr säuseln lassen, dass ich die Stille enjoyen soll, zumal der Song auf dem Album von 1990 enthalten ist. Sei es drum, grundsätzlich waren da ein paar annehmbare Kamellen aus den Boxen zu hören. Zwischenzeitlich machten Fussel und ich abermals einen Abstecher zu ‚unserem‘ 24-Stunden-Dönerladen, denn der Konsum von gar köstlicher Krawallbrause regte unseren Appetit an. Auf dem Weg zum Sternebrutzler unseres Vertrauens kamen wir an einer Art Nobeldisco vorbei. Keine Ahnung warum, aber das triggerte Fussel ordentlich an und er wollte weitere Freundschaften schließen. Vorbei an den Karren der Remmos und Abou-Chakers dieser Welt stiefelte er zu einem Schrank am Einlass (dieses Mal ohne Ärzte hinter der Tür) und fragte in seiner unnachahmlichen Art und Weise um Zutritt, welcher uns höflich aber bestimmt verwehrt wurde: „Ihr kommt hier nicht rein.“ Nachdem das auch geklärt und der Magen gefüllt war, ließen wir den Abend im Schokoladen am Tresen ausklingen. Als man mir gegen 2 Uhr mitteilte, ich sähe aus wie Till Lindemann, war dies das untrügliche Zeichen, die Location Richtung Schlafkoje zu verlassen. Erneut an der Disco abgewiesen (Zitat Fussel: „Kommen wir jetzt rein?“), erreichten wir müde aber freudetrunken das Hotel.
Um diesen Abend möglichst klar wahrnehmen zu können, verzichteten wir weitestgehend auf die Einfuhr von alkoholischen Getränken. Für das Konzert ergab das durchaus Sinn, für die Party im Anschluss eher weniger. Also wurde prompt die Bar belagert und kühler Gerstensaft geordert. In der Bar lief ein guter Mix von Punkrockliedern aus allen Jahrzehnten. Ab 23 oder 24 Uhr legte dann ein DJ 80er Jahre Zeugs im Schokoladen auf, was teilweise nicht ganz zu meiner persönlichen Stimmung passte. Ich war euphorisiert und wollte mir nicht von Dave Gahan ins Ohr säuseln lassen, dass ich die Stille enjoyen soll, zumal der Song auf dem Album von 1990 enthalten ist. Sei es drum, grundsätzlich waren da ein paar annehmbare Kamellen aus den Boxen zu hören. Zwischenzeitlich machten Fussel und ich abermals einen Abstecher zu ‚unserem‘ 24-Stunden-Dönerladen, denn der Konsum von gar köstlicher Krawallbrause regte unseren Appetit an. Auf dem Weg zum Sternebrutzler unseres Vertrauens kamen wir an einer Art Nobeldisco vorbei. Keine Ahnung warum, aber das triggerte Fussel ordentlich an und er wollte weitere Freundschaften schließen. Vorbei an den Karren der Remmos und Abou-Chakers dieser Welt stiefelte er zu einem Schrank am Einlass (dieses Mal ohne Ärzte hinter der Tür) und fragte in seiner unnachahmlichen Art und Weise um Zutritt, welcher uns höflich aber bestimmt verwehrt wurde: „Ihr kommt hier nicht rein.“ Nachdem das auch geklärt und der Magen gefüllt war, ließen wir den Abend im Schokoladen am Tresen ausklingen. Als man mir gegen 2 Uhr mitteilte, ich sähe aus wie Till Lindemann, war dies das untrügliche Zeichen, die Location Richtung Schlafkoje zu verlassen. Erneut an der Disco abgewiesen (Zitat Fussel: „Kommen wir jetzt rein?“), erreichten wir müde aber freudetrunken das Hotel.
MACH DIE AUGEN ZU
Gegen 09:30 Uhr klopfte es an meinem Hotelzimmer. Genervt öffnete ich die Tür und erblickte einen gestriegelten, zum Aufbruch bereiten, aber ziemlich fertigen Fussel: „Was los? Ich habe doch gesagt, klopfe nicht vor 09:55 Uhr!“ Fussel: „Ich habe nicht geschlafen.“ „Du auch nicht?“ entgegnete ich ihm. Also packte ich meine Sachen und wir traten die Heimreise an. Frühstück und Bitterfeld wurden links liegen gelassen und schweigend aber erhaben dampften wir Richtung heimatliche Gefilde. Die Blicke, die wir zeitweise im Zug ernteten, vermochte ich nicht so recht einzuordnen. Sahen wir so zerstört aus? Ich fragte jedoch lieber nicht nach, schließlich hatte ich keine Rammstein-Autogrammkarten dabei und auf Selfies keinen Bock.
Gegen 09:30 Uhr klopfte es an meinem Hotelzimmer. Genervt öffnete ich die Tür und erblickte einen gestriegelten, zum Aufbruch bereiten, aber ziemlich fertigen Fussel: „Was los? Ich habe doch gesagt, klopfe nicht vor 09:55 Uhr!“ Fussel: „Ich habe nicht geschlafen.“ „Du auch nicht?“ entgegnete ich ihm. Also packte ich meine Sachen und wir traten die Heimreise an. Frühstück und Bitterfeld wurden links liegen gelassen und schweigend aber erhaben dampften wir Richtung heimatliche Gefilde. Die Blicke, die wir zeitweise im Zug ernteten, vermochte ich nicht so recht einzuordnen. Sahen wir so zerstört aus? Ich fragte jedoch lieber nicht nach, schließlich hatte ich keine Rammstein-Autogrammkarten dabei und auf Selfies keinen Bock.