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Booze Cruise Festival Tag 1: March, Chartreux, The High Times, Flick Knives, Mamba Bites, Swan Songs, Resolutions,..., 31.05.2024 in Hamburg, Cruise Records - Bericht von der Redaktion

Booze Cruise Festival Tag 1, 31.05.2024 in Hamburg

Fö: Für mich das erste Mal Booze Cruise, und gleichzeitig das letzte Mal, denn dass dieses Jahr diese Reihe beendet wird, das war schon früh klar. Und für mich ein triftiger Grund, überhaupt zuzusagen. Einmal wollte ich das dann doch mal mitgemacht haben...
Der eigentliche Aufreger im Vorfeld war aber was ganz anderes. Nämlich, dass diverse Bands absagten, nachdem ein richtig ekelhafter Shitstorm über das Festival und die teilnehmenden Bands los brach. Und das nur, weil Veranstalter Stefan ein Like bei einer NGO gesetzt hat, die sich gegen Antisemitismus einsetzt - und daraufhin als Zionist und Genozid-Befürworter bezeichnet wurde. WTF? Es gab die ganze Palette, mit Beleidigungen und Morddrohungen, nicht nur gegen ihn, auch gegen auftretende Bands. Im Zuge dessen wurde auch direkt die ganze deutschsprachige Punk-Szene als Nazis betitelt und ähnlicher Schwachsinn. Soweit die Kurzfassung, mehr findet sich z.B. hier oder im erweiterten Statement hier.
Daraufhin sagten tatsächlich sehr viele Bands ab, einige weil sie wohl die fragwürdigen Vorwürfe teilten, andere weil sie einfach dem Shitstorm nicht standhalten konnten. Was ist bloß los mit dieser Welt? Ich versteh das alles nicht! Also klar, der Nahost-Konflikt und alles drum herum hat schon immer polarisiert, aber wo kommt dieses ganze Schwarz-Weiß-Denken her? Man kann doch auch Solidarität mit der palästinensischen Bevölkerung kundtun ohne dabei die Hamas zu verherrlichen oder die Vernichtung Israels zu fordern. Genauso wie man gegen Antisemitismus sein kann und trotzdem die israelische Regierung verurteilen. Ja, das geht! Die Welt funktioniert halt nicht nach einfachen Mustern und Formeln und eindeutigen Lösungen, auch wenn wir es gerne so hätten. Ich dachte, gerade die Punks wären die mit etwas mehr Durchblick. Pustekuchen. Soll nicht heißen dass ich irgendnen Plan hätte, im Gegenteil. Aber ich gebe es wenigstens zu.
Vielleicht ärgert mich das auch nur so, weil ich diese Skatepunk/Poppunk/Emo-Irgendwas-Szene so im Vergleich zum DIY-Rumpelpunk den ich sonst so höre, als vergleichsweise unpolitisch wahrnehme. Aber ausgerechnet bei sowas, bei dem selbst bewährte Politikwissenschaftler*innen keinen Ausweg sehen, wird dann das Fass aufgemacht.
Thruntilldeath: Tja, da kann ich dann auch nichts mehr hinzufügen. Hatte innerlich auch mit mir gerungen, ob ich für den Bericht das Fass nochmal öffnen soll, oder einfach mal den Fokus etwas weg vom Shitstorm und der Engstirnigkeit mancher Menschen hin zum "Ey, das ist das letzte Booze Cruise, können wir uns bitte alle mal daran erfreuen, dass Stefan wenigstens noch EIN MAL Bock drauf hatte?". Aber die Probleme und den Zwiespalt der Punkszene ganz zu ignorieren wäre auch zu einfach gewesen. Daher Danke an den Chef, dass er vor mir angefangen hat, den Bericht zu schreiben. Und trotzdem: Ein letztes Mal Booze Cruise, ein letztes Mal Boot fahren und ein letztes Mal Ananas schnitzen. Hachja...
strullermadl: Ich stimme da voll und ganz zu! Als der Shitstorm los ging und auch noch immer schlimmer wurde kam die Frage natürlich auf, ob die BC so noch stattfinden wird, worauf wir uns als Stammgäste natürlich geschworen haben dabei zu sein, komme was wolle. Und es soll schon wieder das beste Booze Cruise werden :)
Maddin: Sehr gute Einleitung, dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen. Dieses Jahr sogar mit nur 50min Verspätung in Hamburg angekommen, hat uns der liebe Bene bereits am Donnerstag empfangen  und wir konnten uns bei gutem Bier und schlechten Dönern schon ein wenig aufs Festival eingrooven. 
Fö: Ja, wie auch immer. Stimmung nicht vermiesen lassen! Das Booze Cruise findet statt, und das ist die Hauptsache. Ich komm Freitag an und dank Bernd komme ich sogar noch an ein Ticket für die "Opening Ride", die am Freitag Nachmittag auf der MS Hedi stattfindet. Diese fasst nur ca 100 Personen, weswegen hier das Festivalbändchen nicht gilt und man extra Tickets braucht, die in dem Moment ausverkauft waren, als sie angekündigt wurden.
Thruntilldeath: Ja, der Ansturm auf die Hedi. In früheren Jahren gab es auch mal die Variante, dass ähnlich wie bei der MS Tonne theoretisch ALLE mitfahren durften, solange genug Platz vorhanden war. Was dann bei meinem ersten Booze Cruise direkt dazu führte, dass zwei Personen vor mir der Einlass dichtgemacht wurde. Immerhin erspart man sich ohne Ticket heute die Warterei, wird nicht enttäuscht und kann sich direkt auf den Weg zum anderen Schiff machen.
Bene: Nachdem es während dem Vorglühen im Tippel II mit der halben Festivalgesellschaft und zu wildem Jukebox-Musik-Mix noch ordentlich geregnet hat, ist es jetzt trocken.
Kann glücklicherweise auch noch ein Ticket abbekommen von einer netten Reisegruppe. Freu mich! - war schon lange nicht mehr auf der Hedi. Nach dem Boozen geht auch das Cruisen jetzt los!
Fö: Auf der MS Hedi spielen RESOLUTIONS (hier im Bild) sowie später Irish Handcuffs, die ich aber verpassen werde. Ich bin begeistert! Also nicht vom Verpassen, zunächst mal von der Hedi. Ich war hier noch nie, viel von gehört, hatte ich mir immer mal vorgenommen, hat aber nie geklappt, also nehme ich die Chance gerne wahr. Eine kleine Barkasse, die durch den Hamburger Hafen schippert, und dazu scheppert ne Punkband. Geil!
Thruntilldeath: Zumal es nicht nur im Rahmen des Booze Cruise hier Konzerte gibt. Wie immer: Bierschinken berichtete. Und Fö, auch nach dem x-ten Konzert macht das Ganze immer noch Laune. Zumal gefühlt jede Band auf einem Boot noch eine Zahn zulegt, was Spielfreude angeht.
Maddin: Ich hab mich riesig gefreut, dass die Opening Ride mal wieder auf der Hedi stattfindet. Hatte hier einst die Farewell Show von Nothington drauf gesehen und die war legendär!
Fö: Resolutions haben 2016 das wirklich großartige Album "Weightless" rausgebracht, wenn ich das richtig verstanden habe auch damals schon mit ner Releaseshow auf der MS Hedi. Nach dem Album hab ich die Band aber aus den Augen verloren. Kürzlich kam ne neue Platte, die hab ich noch nicht gehört. Und jetzt spielen sie halt hier.
Maddin: "Weightless" ist super, jo. Ich fand's schade, dass es dann still um die Band wurde. Umso freudiger überrascht war ich dann, als sie sich mit neuem Album zurück gemeldet haben und wieder Shows spielen.
Fö: Zu hören gibt es flotten Punkrock, mit gleichen Anteilen Punk und Rock. So die Kategorie Singalong-Punkrock. Hätte aber offen gestanden erwartet, dass letzteres hier mehr zum Tragen kommt, aber so wirklich ausgeflippt wird hier nur in Maßen. Außer Bene, der tanzt auf der Bank.
Bene: Da ist einfach mehr Platz zum entfalten. Leider werde ich schon kurz danach von einer Matrosin aus Sicherheitsgründen herunter gebeten.
In der kleinen Barkasse wackelt es schon ein bisschen - der Sänger ist jedenfalls auch froh, dass er sich die ganze Zeit mit Händen und Mund am Mikrofonständer festhalten kann. 
Maddin: So richtig gezündet hat das bei mir nicht. Hab auch mit mehr Interaktion des Publikums irgendwie gerechnet. Naja, war vielleicht noch zu früh am Tag.
Fö: Und vom Sound her, naja, da darf man hier keine hohen Ansprüche haben. Mein Highlight ist dann aber auch einfach, dass die Weakerthans gecovert werden. Gibt es schöneres? Irgendwas anderes wurde auch noch gecovert, das hab ich nicht erkannt. Klang wie Green Day oder so?
Thruntilldeath: Möglich, ich hatte auch Green Day im Hinterkopf, aber um ehrlich zu sein hab ich bei dem Konzert relativ wenig aufgepasst. Lag vor allem daran, dass es ca. 1000 Leute gab, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe, und die soziale Interaktion kann manchmal ganz schön viele Ressourcen fressen.

Und vielleicht auch ein wenig daran, dass ich mit der Musik einfach nicht wirklich warm werde. Mir persönlich fehlt da einfach der rotzige Arschtritt. Ein generelles Phänomen beim Booze Cruise und den "Stefan-Bands", die alle gleich klingen. Naja, aber ich denke ja auch, dass beim Manchester Punk Festival viele unterschiedlich klingende Skatepunkbands spielen.
Bene: Ja Booze Cruise Band - am besten mit schönem Wetter aufem Boot mit guten Leuten kann man sich das gut geben. Da ist der Sound dann auch ziemlich rille.
Thruntilldeath: Und generell hatte ich das Gefühl, dass die Meisten ihre Anlaufschwierigkeiten hatten und deswegen die Stimmung noch etwas verhalten war. Das Booze Cruise ist für viele ein jährliches Familientreffen gewesen, sodass vor allem der erste Tag eher dem Socializen als der Musik galt. Und wenn man dann noch bedenkt, dass es dieses Mal das letzte Familientreffen sein sollte und bisher keine Alternative im Raum steht...
Bene: Also die die im Tippel II waren hatten schon etwas Anlauf. Aber da kommen einem ja schon die Tränen ins Auge, wenn ich das hier lese Thrun. Wir werden uns alle niee wieder seehen :(
Thruntilldeath: Ist wirklich so. War schön, euch gekannt zu haben!
Fö: Vielleicht fehlt mir als First-Time-Cruiser son bisschen diese romantisierte Booze-Cruise-Verbundenheit...
Maddin: Resolutions und Irish Handcuffs sind die Bands, die auf der ersten Booze Cruise gespielt haben, oder auch auf der ersten Bootsfahrt der ersten Booze Cruise, ach keine Ahnung. Auf jeden Fall, sollte das son nostalgisches Ding sein, die beiden nochmal zusammen auf die Eröffnungsfahrt zu setzen. Ich geh aber nach Resolutions auf die Tonne, wie auch der Großteil der hier Schreibenden. 
Fö: Genau, zwischendurch legt die Hedi kurz an und wir dürfen entscheiden: Bleiben für Irish Handcuffs oder wechseln auf die MS Tonne, wo nun auch Bands spielen? Wir entscheiden uns für zweiteres. Boot-Hopping, neues Hobby.
Thruntilldeath: Da ich generell faul bin, und mein Ticket ja auch teuer bezahlt war - der Sunk-costs-fallacy-Effekt lässt grüßen - bin ich einfach auf der Hedi geblieben. Naja, und vielleicht auch, weil ich tatsächlich nach so vielen Jahren Booze Cruise es immer noch nicht geschafft hatte, Irish Handcuffs zu sehen. Noch eine "Stefan-Band".
Bene: Das ist krass, die spielen ja wirklich jedes Jahr. Das Festival besteht nun mal aus 80% Stefan-Bands oder nicht? 
Thruntilldeath: Ich hab Tackleberry auch zum allerersten Mal auf ihrer Abschiedstour in Kiel gesehen. Irgendwas mach ich falsch...
Thruntilldeath: Und obwohl sich einige Leute auf den Weg in Richtung MS Tonne gemacht hatten, war es bei IRISH HANDCUFFS trotzdem noch angenehm voll. So voll, dass ich auch hier lieber weiter hinten geblieben bin, und das Konzert eher als Soundtrack für die Hafenrundfahrt genutzt habe. Dennoch gab's bei den Handschellen deutlich mehr Druck als noch bei Resolutions, auch wenn beide Bands in die gleiche Kerbe Emopunk schlagen. Kannste machen, fanden auch alle Mitsingenden.
Fö: Die MS Tonne ist ein größeres Schiff, ein sogenanntes "Party-Schiff", ich will gar nicht wissen was hier sonst für unangenehme Partys laufen. Aber zumindest heute ist alles gut. Platz soll hier sein für ca. 300 Leute - wenn sie gut verteilt sind. Aber wenn alle die Band sehen wollen, deutlich weniger. Mit Mühe und Not quetsche ich mich irgendwie durch die Reihen, um was von CHARTREUX sehen zu können.
Bene: Ab auf die Tonne. Der Platz unten im Heck ist ja von vielen der Lieblingsplatz. Direkt davor ist der Treppenaufgang wo die Musik runter kommt und hinter einem das Wasser und vor einem steht meist ein Bier auf dem Tisch.
Maddin: Ma kurz bei Chartreux reingeguckt - zu voll, wieder Bierchen trinken und socializen am Heck.
Fö: Chartreux machen auch dieses Punkrock-Ding. Auch so Singalong-Kram, würde ich sagen. Also das, was man auch den Gainesville-Sound nennt. Vielleicht auch den Booze-Cruise-Sound. Ich hab wirklich starke Angst, dass auf diesem Festival jede zweite Band so klingen wird. Holt euch doch einfach mal ne Oboe in die Band, dann klingt ihr eigenständiger!
Thruntilldeath: Generell klingt jede zweite Band so. Liegt vor allem am Musikgeschmack des Veranstalters, ist in diesem Jahr aber auch dem Problem geschuldet, dass extrem viele Bands abgesagt haben und somit nur die Resterampe an Bands übrig blieb, die musikalisch wenig Neues zu bieten hat. Wie zum Beispiel Chartreux.
Bene: Nichts anderes erwartet. Bleibe schön unten. Da ist nicht son Gedränge.
Fö: Nee Spaß, ich find's tatsächlich ganz geil, geht gut nach vorne und in die Füße. Spielen wohl schon zum dritten Mal beim Booze Cruise, aber das erste Mal aufm Boot. Entsprechend euphorisch ist die Band. Und der Auftritt? Viel zu schnell vorbei. 20 Minuten Setlänge, das ist fast schon frech.
Fö: Anschließend SWAN SONGS. Auch hier wieder ein knackiges 20-Minuten-Set! Diesmal immerhin nicht ganz der typische Booze-Cruise-Sound, puh! Hat eher noch einige Indie-Anteile.
Maddin: Jo Swan Songs sind schon stark. Gefallen mir aber auf der alten Platte deutlich besser, als auf dem Neuen. Meinen Lieblingssong "Coal Mine Canaries" hab ich bisher übrigens jedes Mal verpasst :(
Fö: Aber die Band klingt trotzdem ganz anders, als ich sie in Erinnerung hatte. Oder spielen sie ihre Songs einfach nur schneller, um sie ins Set zu kriegen? Oder liegt das an den Begleitumständen hier aufm Boot? Deutlich mehr Schreien und Poltern als ich das in Erinnerung hatte. Stark!
Bene: Das gefällt mir unten als Hintergrundmusik auch besser.
Maddin:  Ma kurz bei Swan Songs reingeguckt - zu voll, wieder Bierchen trinken und socializen am Heck.
Fö: Nebenbei kann man immer mal den Blick aufs Wasser und aufs Ufer schweifen lassen. Richtig schön! Zwischendurch scheint sogar die Sonne!
Nach Swan Songs haben wir die Möglichkeit, von Bord zu gehen, oder einfach hier zu bleiben. Bin hin- und hergerissen - parallel spielen zum Beispiel Les Shirley und Prowl. Aber wir bleiben.
Bene: Ich gehe von Bord. Essenspause. Die sind nämlich nicht im Programm eingebaut. Dieses Jahr auch keine Foodtrucks. 
Fö: Nun an der Reihe: MAMBA BITES! Kannte ich zuvor nicht, habe vorm Festival aber natürlich mal reingehört. Und das Reinhören hatte mich direkt ausreichend angefixt, um sie auf dem Wunschzettel anzukreuzen. Der Hauptgrund, warum ich überhaupt heute auf dieses Boot geboarded bin (sagt man das so?)
Fö: Die Band kommt aus der Schweiz, Kommunikation auf deutsch klappt aber nur so leidlich und unser französisch ist auch eingerostet, weswegen die Ansagen auf englisch erfolgen. Auch okay. Und ja, tolle Band!
Maddin: Les Shirley im Hafenklang zu verpassen tat mir schon echt weh, ich habe darauf gehofft, am Sonntag auf die Abschlusscruise noch irgend wie mitzudürfen, wo die dann nochmal spielen.
Fö: Gibt wieder irgendwie Punkrock, aber wieder nix mit dem Booze-Cruise-Sound. Bisschen noisig, ziemlich treibend, aber durchgehend positiv, viel gute Laune und mit feministischer Message. Gefällt mir!
Maddin: Aber jo, Mamba Bites halt noch nicht gesehen und daher haben sie den Vortritt bekommen. Gefällt mir auch echt gut, denke in nem Klub mit besserem Sound ist das echt n super Konzert. 
Fö: Leider knallt das aber echt nicht ganz so rein wie erwartet. Liegt vielleicht am Sound hier aufm Boot, andererseits macht das Drumherum natürlich auch wieder viel wett. Würde ich mal aufm Schirm behalten, die Band.
Maddin: Das mit dem Sound ist allgemein so ein Ding auf dem Festival, aber ich habe bisher trotzdem immer schöne Stimmung gehabt :)
Fö: Anschließend können wir nicht das Boot verlassen, da dieses noch seine Runden dreht. Also bleiben für WORST ADVICE. Noch ne Band die ich zuvor nicht kannte. Kommen aus Nürnberg und diesmal kriegen wir was wir erwartet haben: Punkrock im ganz klassischen Booze-Cruise-Sound. Ok.
Maddin: Die guck ich mir auch nur einen Song an und stelle fest, dass es wieder gleich klingt, wie alles zweite Andere. Ich geh wieder Bier trinken im Unterdeck.
Fö: Hätte vielleicht besser gezündet, wenn man auch in der ersten Hälfte des Sets die Gitarren gehört hätte. Oder wenn das mittlere Mikro nicht ausgefallen wäre. An der Stelle fand ich es wirklich sehr unpassend, dass das Mischpult seitlich der Bühne steht und der Tonmensch so vermutlich gar nicht mitbekommt, wenn vor der Bühne was am Sound nicht stimmt. Irgendwie ärgerlich. Andererseits hätte er ja auch reagieren können, als ihm das zugerufen wurde.
Fö: Hier gab's dann auch mal ne Ansage, die so halbwegs politisch war und zumindest mal eine Sache klarstellte: Dass Stefan vom Booze Cruise garantiert kein Nazi ist. Okay, stimme zu.
Thruntilldeath: Ja, das Booze Cruise war noch nie wirklich für politische Äußerungen bekannt. Schade, dass diese auch bei der letzten Edition nach den Vorfällen oft ausgeblieben sind.

Dafür gab's nach der Hedi erstmal ordentlich überteuerte Pommes in der Haifisch-Bar, während nebenan Inas Nacht im Schellfischposten aufgenommen wurde. Hachja, der Hamburger Hafen, da werden maritime Klischees und Tourinepp noch groß geschrieben.
Fö: Runter vom Boot, wieder diverse Optionen. Ich entscheide mich, den Abend fortzusetzen im Hafenklang, wo FLICK KNIVES bereits spielen.
Maddin: Ich wanke kurz ins Molotow, um noch TRUE GLOOM zu sehen, lohnt sich aber nicht wirklich, da ich gerade beim letzten Lied reinkomme. Foto gibt es dementsprechend auch nicht, die waren aber gut.
Fö: Von Flick Knives weiß ich nur, dass das irgendwie son Nebenprojekt der Sewer Rats ist. Bandname und Logo lassen vermuten, dass es sich um Streetpunk handeln könnte, aber leider ist es dafür viel zu laff. Immerhin Punkrock, bisschen Pop, son bisschen Sewer Rats aber ganz ohne Rockabilly diesmal. Kann man machen.
Thruntilldeath: Ach, so laff fand ich das gar nicht. Wirkte alles etwas aus der Zeit gefallen, diese Melange aus Operation Ivy meets Offbeat-Songs von Millencolin, veröffentlicht in den frühen 2000ern auf Hellcat Records. Wieso auch immer Menschen in diesem Jahrzehnt noch auf die Idee kommen, solche Musik zu spielen, aber unterhaltsam war es. Lange her, dass es Offbeat-Rhythmen auf dem Booze Cruise zu hören gab; wenn es sie überhaupt jemals gegeben hat.
Fö: Am Ende noch ein Cover: "Stick Em Up" von Masked Intruder! Natürlich auch ein Song, der zum Bandnamen passt. Da hamse sich aber mal was überlegt! Stelle fest: Das Lied ist auch ohne Masken super. Riesenhit!
Thruntilldeath: Mit freundlicher Gesangsunterstützung von Primetime Failure und den Sidewalk Surfers. Beide dieses Jahr leider nur in Form einer Person anwesend und nicht als Band. Naja, nächstes Jahr dann, höhö.
Fö: Moment, Primetime Failure und Sidewalk Surfers sind zwei unterschiedliche Bands?
Bene: Von mir aus hätten die nur Cover spielen können. 
Stick 'em up, stick 'em up, stick 'em uup..
Fö: Anschließend könnte man sich oben im Goldenen Salon nochmal Chartreux anschauen, aber erstens hab ich die ja heute nachmittag erst gesehen und zweitens bin ich sehr unsicher, wie voll das hier alles wird (bin ja zum ersten Mal hier!) und ob man dann bei MARCH überhaupt noch rein kommt. Wenn Kapazität voll, dann Kapazität voll, da hilft dir auch kein Festivalbändchen! Glaube die Bedenken waren unbegründet. Aber egal. Bühne frei für MARCH!
Bene: Hab nicht mitbekommen, dass man dieses Jahr irgendwo nicht mehr in ne Venue reingekommen wäre. Aber voll ist es allemal, zumindest in Sichtweite der Bühne. Mir zu voll. Sauerstoff ist keiner mehr zu finden, zumindest nicht auf meiner Nasenhöhe. 
March erst vor kurzem im Logo in Hamburg gesehen, mit Clowns (selbst da war die Luft besser, wobei die haben wohl ne neue Lüftung). Hat mir noch besser gefallen aber March ist immer toll!
Thruntilldeath: Ich bin vor March tatsächlich nochmal fix nach oben zu CHARTREUX. Und im Gegensatz zum Hafenklang unten war es im Goldenen Salon pickepacke voll. Was war da denn los? An Chartreux kann es nicht gelegen haben, die klangen wie immer, bewegten sich wie immer und redeten wie immer. Das ist per se nichts schlechtes, aber irgendwie hat's mich dieses Jahr nicht so wirklich gepackt. Vielleicht hätte ich länger bleiben sollen, vielleicht hätte ich dann neue Songs gehört (Album kommt dieses Jahr auf Gunner Records raus), aber vielleicht war es auch genau wie bei Fö die Angst, dass es bei March sonst kein Reinkommen mehr gegeben hätte.
Fö: Hab March schon seit 2 Jahren nicht mehr live gesehen! Wie konnte das bloß passieren? Ich glaube, ich habe extra zwei Jahre gewartet, um sie hier im Hafenklang sehen zu können. Das passt nämlich wirklich ganz gut. Von der Größe her, von den Leuten her, und die Band hat auch Bock. Und: Es ist schon wieder nicht der typische Booze-Cruise-Sound!
Maddin: MARCH sind immer geil! Hab leider aus Urlaubsgründen die Tour mit Clowns verpasst und freue mich umso mehr, sie dann auf der Booze Cruise zu sehen. Mega gut!!
Fö: Weil das letzte Booze Cruise auch für March etwas besonderes ist, haben sie sich auch was besonderes einfallen lassen: Es gibt Coversongs zu hören! Und zwar: Beastie Boys! "Sabotage"! Fleur sollte öfter rappen! Macht mega Laune, und der ganze Raum flippt aus
Fö: Auftritt ansonsten auch der Hammer. March werden wirklich von Mal zu Mal besser. Immense Bühnenpräsenz, ganz viel gute Laune, die Lieder knallen, bin hellauf begeistert! Nächstes Mal wissen sie dann auch, wie man "Geier" ausspricht.
Fö: Stagediver bekommen ein Tourshirt gratis. Immer diese Bestechungsversuche!
Thruntilldeath: Naja, einer wusste am nächsten Tag gar nicht (mehr?), dass es diese Ansage gab. Alles noch im Rahmen, und solange keine Geldkoffer verschwinden...
Bene: Das lässt sich der Robin natürlich nicht nehmen. Da fliegt die Robbe..
Thruntilldeath: Hoch die Hände, Wochenende! March haben mich auch restlos überzeugt und waren zudem auch meine heimliche große Vorfreude für das Wochenende. Das erste und letzte Mal beim Auftritt aufm Wilwarin 2023 und mit Lorbeeren überschüttet, daher war die Erwartungshaltung wirklich extrem hoch. Und auch die Latte wurde locker übersprungen, was eine grandiose Liveband, was für eine klasse Chemie zwischen den Menschen auf und vor der Bühne, die allesamt zurecht gleichermaßen ausgerastet sind. Ob es daran liegt, dass hier keine Stefan-Band spielt? Oder einfach daran, dass March mit jedem Song alles richtig machen und jeder akustische Arschtritt sitzt?
Fö: Zum Ende nochmal ein Coversong der Beastie Boys: "Fight For Your Right (to Party)", und wieder drehen alle schier am Rad. Großartig!
Fö: March haben ein bisschen überzogen, glaube ich. Und der direkte Treppendurchgang vom Hafenklang zum Goldenen Salon ist zu. Ich sehe unsere Chancen schwinden, es noch nach oben zu THE HIGH TIMES zu schaffen - schon wieder meine Unsicherheit! Aber der Türsteher lässt uns rauf, ohne mit der Wimper zu zucken. Cool!
Fö: Und oben? Da ist so ungefähr ab der Treppe kein Durchkommen mehr. Scheiße ist das voll hier! Wenn ich mich da jetzt auch noch reinquetsche, fällt dann das ganze Gebäude zusammen? Naja, ich versuche es mal. Als Konzertprofi weiß man ja, dass es immer nur hinten voll ist. Weiter durch stehen dann Leute, die sich nicht bewegen und nichts tun außer ihre Plätze zu verteidigen - und ganz vorne, da wird fleißig getanzt und da ist sogar noch Platz! Einfache Formel. Ich hasse es, mich nach vorne zu drängeln, aber es ist nun mal das einzig logische.
Thruntilldeath: Hätte ich das auch mal gemacht, hinten war es nämlich arg eng, arg nervig weil mitten im Durchgang und arg mau, was die Akustik betraf. Auf Platte sagte mir das definitiv zu, hier im Laden bin ich nach zwei Songs wieder geflüchtet. Die Kombi aus allem hat einfach nicht hingehauen. Schön, dass es wenigstens dem Chef gefallen hat.
Bene: Muss ich mal reinhören. Ich hatte da schon genug von der Quetscherei. 
Fö: Ich hab die Band noch nie live gesehen, das 2021er Album "Heat" hat bei mir aber schon viele Runden gedreht. Tolle Songs! Live kommt noch jede Menge mitreißende Action hinzu. Boah macht das Laune! Mein Highlight: "Trouble Again", auch wenn's das erst zur Zugabe gab. Bevor ihr fragt: Vom Genre her eigentlich doch wieder eher der übliche Booze-Cruise-Sound.
Maddin: Hach ja, THE HIGH TIMES- Eine meiner Favourites zur Zeit. Hab ich letztes Jahr in noch kleineren Läden auf dem Hell Fest in Stuttgart und im Karate Klub in Saarbrücken gesehen. Mega!! Die kleine Schwester von ÜBERYOU sozusagen. Großartig melodisch, super Singalongs, eine mega Live-Energie und einfach gude Laune. Sängerin Domi ist halt auch ne Rampensau! :)
Fö: Anschließend spielt noch ne Alkaline-Trio-Coverband, aber ich muss ehrlich sagen: Ich brauch mal ne Pause. So schön dieses Booze Cruise auch ist, diese Amipunk/Skatepunk/Poppunk-Szene ist mir irgendwie doch ein bisschen fremd mit seiner Buddy-Kultur. Ich weiß nicht wie man das sonst bezeichnen mag - inhaltlich wird hier meist nur sowas transportiert wie "wir sind alle so mega Buddys und können so geil saufen", das ist mir zu wenig. Also mach ich noch nen Schlenker ins Gängeviertel, hier ist alles was ich mag: Nietenpunks, DIY, Regenbögen, Eintritt gegen Spende und nüchterne Menschen. Hab zwar alle Bands verpasst, aber mich dafür sehr wohl gefühlt. Danke! Gibt Kraft für morgen!
Thruntilldeath: Jaja, das ist schon eine harte Kumpelei, die hier stattfindet. Und preislich war das Festival auch nie etwas für den arbeitslosen Asselpunker von Heute. Ich hab oft das Gefühl gehabt, dass das Festival für viele nur ein Vehikel war, um Freunde zu treffen und der inhaltliche und musikalische Aspekt hintenanstehen musste. Und trotzdem war's ein Festival, bei dem ich mich immer wohl gefühlt habe, bei dem es - als Mann einfach zu sagen - nie unangenehm wurde und bei dem man generell mit offenen Armen empfangen wurde.
Maddin: Weiß gar nicht was ihr habt, ich find das ist genau das, was die Booze Cruise ausmacht :D
 Ich geb mir die Alkaline Trio Cover Show auch nur kurz und häng dann noch mit netten Menschen draußen auf der Treppe ab, bevor ich dann Helena im Molotow einsammele und wir uns durch die Massen von Partyvolk auf der Reeperbahn zur U Bahn navigieren.
Thruntilldeath: Naja, nu isses ja eh vorbei. Und Tag 2, was kannst du so?


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