Wacken Open Air: Fischer-Z, Tom Angelripper, Steel Panther, Das Pack, Cannibal Corpse, Riot V, Knorkator, Stiff Little Fingers, Ghost, Fish, Extrabreit, Behemoth, Dirkschneider, Todesking, Watain, Belphegor, Vallenfyre, Dying Fetus, Running Wild, Otto Walkes, Destruction, Blues Pills, Mantar, Kellermensch, Solstafir, Helmet, Wintersun, 01.-04.08.2018 in Wacken, Acker - Bericht von Kabl
Wacken Open Air, 01.-04.08.2018 in Wacken
Am Mittwoch in der Früh erst mal durch das Dorf zum Presseband holen. Wie im letzten Jahr zieht sich das enorm, es stehen viele Leute an und ich verbringe dann letztendlich genau zwei Stunden mit Warten. Immerhin kann man sich diesmal mit seinen Nebenmännern gut unterhalten, es wird diesmal nicht darüber fachgesimpelt, wer der geilere Journalist unter diesem Himmel ist.
Und täglich grüßt das Murmeltier. Exakt wie im letzten Jahr führt das dazu, dass ich nicht alle Bands des Metal-Battles, nach wie vor einer der großartigsten Einrichtungen des Festivals, anschauen kann. Also: Im Jahr 2019 bereits vor der Ausgabestelle zelten und den Wurm fangen. Kleiner Kritikpunkt: Nicht nur die Wartezeiten waren der Grund für das verspätete Ankommen auf dem Gelände. Leider traf ich in diesem Jahr auf sehr uninformierte Securities. Ich frage: „Wie komme ich denn am Schnellsten auf das Festivalgelände?“ Antwort: „Erst morgen, denn heute spielt noch keine Band.“ Der nächste Offizielle schickt mich irgendwo hin und ich komme an der Kirche raus. Naja…
So, genug gemeckert. Irgendwann stehe ich im Zelt, nach wie vor gibt es in diesem zwei Bühnen, die WET-Stage und die Headbangers Stage. Ich schaue mir am heutigen und am morgigen Tage sehr viel von diesem Metal-Battle an. Jede Band spielt exakt 20 Minuten. In Erinnerung geblieben sind mir vor allem TODESKING aus Norwegen, die räudigsten Black Metal dreschen, sowie STEEL NIGHT aus Mexiko mit schönem Speed Metal und END ALL aus Japan, sie bezeichnen ihren Stil als „Beer-Metal“. Auch interessant: Die Konsequenz der Bühnenbetreiber: MALICIOUS CULEBRA überziehen ein kleines bisschen und der Band wird rigoros der Strom abgedreht. Wieder gewinnt letztendlich keiner meiner (gesehenen) Favoriten, sondern die chinesische Band DIE FROM SORROW.
Ansonsten treibe ich mich sehr häufig in diesem Zelt herum. Dort habe ich richtig tolle Gruppen gesehen. Highlights: HELMET. Wenn Kurt Cobain noch leben würde und nicht auf den Silbermond-Zug aufgesprungen wäre, würde das vielleicht so klingen. Ganz beeindruckendes Grunge-Kino. SOLSTAFIR. So hat progressive Rockmusik zu klingen. Sphärisch, komplex, dennoch melodiös. Wahnsinn. Doch mächtigste Combo: FISCHER-Z. Alte Herren machen Rockmusik, die mich an The Police erinnert. 60 Minuten lang Ohrwürmer. Richtig Bock gemacht hat auch MANTAR, die mit der Ansage „Leider spielen wir keinen schmissigen Blues-Rock, aber wer will richtig auf die Fresse?“ punkten. Ob das ein versteckter Diss an die vorher spielenden BLUES PILLS war? Auch diese überzeugten mich, obwohl sie wohl eine der allgemeintauglichsten Bands des Festivals waren.
Am Donnerstag fand im Zelt eine hervorragende Knüppelnacht statt. Angeschaut habe ich mir VALLENFYRE, BELPHEGOR, WATAIN und DYING FETUS. Allesamt einfach krankes Death/Black-Metal-Gebolze. WATAIN zünden hierbei die komplette Bühne an, BELPHEGOR (siehe Bild) ist einfach nur böse. Es ist paradox, dass ich ausgerechnet von der Musik dieser Band noch drei Tage einen Ohrwurm habe und ich ertappe mich des Öfteren dabei, dass ich die Melodie von „Baphomet“ vor mich hin singe. Unbedingt anhören und bis zum Refrain warten.
Hier ein Bild des Schreiberlings, wie er seinen strengen Zeitplan durchforstet. Ich schaue mir wirklich mal wieder enorm viel an. Das Zelt im Schnelldurchlauf: Enttäuschend finde ich die STIFF LITTLE FINGERS. Ältere Herren, die ihr Zeug relativ lustlos runter spielen und darüber hinaus noch viel zu früh aufhören. Lediglich der Hit „Alternative Ulster“ am Ende macht Laune. FISH, der Sänger von Marillion, ist solo okay, wenn er mittlerweile auch einen Notenständer auf der Bühne braucht. Was drauf stand – keine Ahnung, auffällig war aber, dass es eine der wenigen Bands war, bei denen keine Übertragung über die Live-Screens stattgefunden hat. KELLERMENSCH sind entweder beschissen abgemischt oder man könnte 2/3 der Band wegrationalisieren. Sie stehen zu neunt auf der Bühne, jedoch gelingt es beispielsweise MANTAR zu zweit, einen dichteren Sound zu präsentieren. DESTRUCTION spielen zwar netten Thrash-Metal, der aber in seiner Ausprägung auch recht unspektakulär daher kommt.
Das vorige als auch dieses Bild lassen es vermuten: Es war sehr heiß. Staub statt Matsch, Sonnenbrand statt kalten Füßen. Wir bewegen uns nun also vom Zelt mal nach draußen zu den Open-Air-Bühnen. Denn im Zelt gab es einen Boden, sowie Schatten, also alles völlig wetterunabhängig.
Wir beginnen mit der Wasteland-Stage. Auf diesem Foto: BLESSED HELLRIDE, geiler Schwanzrock! Ansonsten begrüße ich es sehr, dass man das Konzept der Bühne im Vergleich zum letzten Jahr erweitert hat. Früher spielte dort nur so Industrial-Zeug, mittlerweile wird sogar versucht, an jedem Tag eine Art Konzept reinzubringen. So spielte am Mittwoch nur Thrash-Metal, am Freitag wurde es beispielsweise auch mal härter. Besonders erwähnenswert: Die Band JASAD aus Indonesien, die brutalsten Death-Metal spielt, sich aber dermaßen freut hier zu sein, dass das blutige Geknüppel stets mit einem breiten Grinsen vorgetragen wird.
Die Umgebung der Wasteland-Stage ist stilecht in einer Art Science-Fiction-Szenario gestaltet. Generell gibt es auf dem Wacken-Open-Air so viel zu begaffen, dass man auch gut vier Tage dort verbringen kann, ohne eine Band anzuschauen.
Zum Beispiel kann man den ganzen Tag im EBL-Zelt zocken. Über die Relevanz einer solchen Einrichtung auf einem Metal-Festival kann man sich nun sicherlich streiten – ich persönlich hielt das „Welcome-To-The-Jungle“-Zelt, wie es noch im letzten Jahr an selber Stelle stand, für eine gelungenere Einrichtung. Andererseits gibt es ja zehn Bühnen, also, irgendwas kann man sich immer anschauen und wer Street-Fighter zocken will, der soll halt zocken.
Das „Welcome-To-The-Jungle“-Zelt wurde nicht ganz beseitigt, vielmehr in verkleinerter Form mitten auf den Platz gestellt. Leider gibt es keine Spoken-Word-Künstler mehr, wie im letzten Jahr z.B. Henry Rollins, dafür Metal-Yoga und Gröl-Contests. Wer's braucht…
Hier die Biergarten-Bühne. Die habe ich dreimal besucht: Am Mittwoch zu EXTRABREIT. Da war es dermaßen voll, dass man keine Chance mehr hatte, irgendwas zu sehen. Ich habe dann zugehört und nach fünf Liedern (nach dem Überhit „Polizisten“) festgestellt, dass die Setlist und sogar die Ansagen 1:1 im Wortlaut gleich waren wie vor zwei Wochen in Ustersbach. Bin dann aus Platzmangel ins Zelt gekrochen. Am Samstag habe ich mir ONKEL TOM ANGELRIPPER angeschaut. Ein wahres Highlight für mich. Viele Hits vom 1. Album gespielt und was der Herr mit Mitte 50 für einen abartigen Spaß auf der Bühne hat, das war wirklich eine Wonne. Angelripper lebt seine Musik. Absolut authentisch, bereits dreimal gesehen, bester Auftritt beim diesjährigen Festival. Dann hab ich noch vier Lieder von DAS PACK (siehe Bild) ertragen. Puh, leider hat mich das wirklich genervt. Beim Song „Pferdeäpfel“ schreckt die Band nicht mal davor zurück „Scheiß drauf, Malle ist nur einmal im Jahr“ zu covern, wobei lediglich „Malle“ durch „Wacken“ ersetzt wird. Ja, kann man ja machen, macht JBO ja auch, aber was mich an dem Auftritt hier stört ist die mangelnde Selbstironie. Oder auch die mangelnde „Trueness“. Eins von beiden fände ich bei dieser Art von Musik wichtig. Auf mich wirkt das alles anbiedernd, als wolle man den Metalheads mit Gewalt irgendwie gefallen. Aber eventuell ist das auch alles eine Fehleinschätzung und DAS PACK war in Wirklichkeit richtig großartig.
Und wenn einem mal eine Band nicht gefällt, dann kann man ja kurz einen Abstecher ins Freibad machen. Zwar erinnert das eher an einen Zoo als eine Badeanstalt (die demonstrative Zurschaustellung diverser Körperteile auf dem Dreimeterbrett ist wie ein Autounfall – nicht schön, aber man kann trotzdem nicht wegschauen), aber ich bin trotzdem sehr gerne ins Wasser gesprungen, bei diesen wirklich heißen Temperaturen. Auf diesem Bild ist ein Rückwärtssalto des Schreiberlings zu bewundern.
Zu diesem Bild gibt es wenig zu schreiben. Aber es ist aufgrund der Perspektive verdammt witzig. Drauf klicken!
Wo wir schon bei rostigen Skulpturen sind: Die Konsensfigur des Heavy-Metals, Lemmy, ist natürlich auch auf dem Gelände verewigt. Wenn ich schätzen müsste, dann würde ich sagen, dass mindestens die Hälfte aller Besucher ein Bild mit sich und der Skulptur gemacht hat. Leider habe ich in diesem Jahr vergessen mitzuzählen, wie oft von irgendwem „Ace Of Spades“ gecovered wurde.
Die Wackinger-Bühne. Dort spielt fast ausschließlich so Mittelalter-/Kelten-/Wickingergedöns. Diese Stilrichtung ist nicht meine präferierte, daher habe ich sie ignoriert. Was dort stattgefunden hat, hat auf jeden Fall immer regen Zuspruch gefunden und die Akteure auf der Bühne haben dem Publikum stets schmissige Lieder kredenzt. Generell finde ich das auf dem Wacken-Open-Air sehr toll (Achtung, Floskelalarm): Hier ist für jeden Freund der härteren Gangart etwas dabei.
Die Bühne ist nach wie vor in das Wackinger Village eingebettet. Das schätze ich vor allem aufgrund des vielfältigen und originellen Essensangebots. Generell kann man sagen, dass es eine enorme Vielfalt an Nahrung auf dem Festival gibt. Lediglich Sushi hab ich nirgends gesehen, ansonsten kann man sich, egal ob Veganer, Fleischfresser oder Alkoholiker, sehr vielfältig durch die Stände fressen und saufen. Einziger Wermutstropfen: Wo war der Mutzbratenstand, das absolute Highlight von letztem Jahr?
Nun mal zu den drei Hauptbühnen. Faster, Harder und Louder heißen die. Vor der Faster war ich lediglich einmal – eine halbe Stunde zu DIRKSCHNEIDER. Nicht dass ich es schlecht finde, wenn Udo Accept-Klassiker spielt, allerdings gefällt mir die Originalband (mit „neuem“ Sänger) deutlich besser als die Coverband des Originalsängers. Egal, das Publikum feiert es enorm ab.
Auf der Harder war ich dann öfters. Hier auf dem Bild zu sehen, der Headliner GHOST. Ich habe es bereits in meiner CD-Kritik zum Live-Album geschrieben: Ich denke, diese Band wird richtig groß. Ist sie ja jetzt schon, aber da könnte noch mehr gehen. Show, Songs, Image, Technik – hier stimmt alles. Wirkliches Highlight um 1:30 Uhr.
CANNIBAL CORPSE hat man in diesem Jahr bereits um 12:15 Uhr verheizt. Kennt man eine Cannibal-Corpse-Show, kennt man alle, trotzdem immer wieder absolut spaßig. Sämtliche Hits werden gespielt und man kann es nicht oft genug betonen: Der Sänger hat keinen Hals. RUNNING WILD spielen am selben Tag, die höre ich mir gemütlich im Sitzen an und bin enorm positiv überrascht, was diese Band für Ohrwürmer hat. Muss ich mich mal ausgiebiger mit beschäftigen. Am Donnerstag gab ich mir an selber Stelle noch BEHEMOTH. Erstaunlich, wie eine Band mit solch einer extremen Musik so groß werden kann, dennoch zündet Black-Metal bei mir eher im kleinen, düsteren Rahmen, als vor ca. 20.000 Leuten unter freiem, sonnigem Himmel. „Blow Your Trumpets, Gabriel“ ist trotzdem ein verdammter Hit.
Auch zu STEEL PANTHER gibt es eigentlich nichts zu schreiben, was noch keiner geschrieben hat. Respekt, wie eine Band auf der Hauptbühne mehr labern kann als Musik zu spielen und das Publikum trotzdem stehen bleibt. Ich amüsiere mich so eine knappe Stunde lang, dann denke ich mir aber insgeheim: „Gut, jetzt könnten sie eigentlich auch mal wieder aufhören“. Was die Akteure dort von sich geben, ist wie immer dermaßen unter der Gürtellinie, dass man berechtigterweise über die Qualität einer solchen Darbietung streiten kann. Am gleichen Tag schaute ich mir noch den Auftritt von WINTERSUN an. War nicht schlecht, es werden in einer Stunde ein paar ellenlange Songs gespielt. Mir persönlich gefällt die progressive Ader dieser Musik, ein bisschen weniger Pagan könnte es für meinen Geschmack aber sein. Vielleicht ist 13:15 Uhr einfach auch ein etwas unpassender Slot für diese Band. Könnte ich mir im Dunkeln jedenfalls deutlich besser vorstellen.
Noch einen Abstecher auf die Louder-Bühne. KNORKATOR reißen nachmittags um 14:15 Uhr einfach mal die Hütte ab. Stumpen ist einfach der geborene Entertainer und die Band bringt das Publikum bei glühender Hitze in einen euphorischen Zustand. Auch die Einlage von Alf Ator nach dem Welthit „Ich will nur fickn“ sorgt für Lachanfälle. Ansonsten: Sehr ausgewogene Songauswahl, außer vom vorletzten Album „We Want Mohr“ wird von jedem etwas gespielt. Für Lachanfälle sorgen am Vortag auch OTTO UND DIE FRIESENJUNGS. Ob aufgrund der Songs, die mittlerweile fast älter als meine Oma sind, oder unfreiwillig, das wird wohl ein Streitthema bleiben. Da steht halt ein 70-jähriger auf der Bühne, den ich mit acht Jahren witzig fand und der zieht seinen Stiefel einfach kompromisslos durch. Die alten Lieder, wenige alte Witze (es wird nahezu ausschließlich Musik gemacht und sehr wenig gelabert) und viele Coverversionen, nicht mal mit deutschem Text. Wäre Otto keine Kultfigur, hätte diese Formation nachmittags auf der Biergartenbühne spielen müssen oder wäre im Booking gar nicht berücksichtigt worden. RIOT V habe ich mir auf dieser Bühne noch angeschaut. Das war amtlicher und schneller Power-Metal, genau richtig zur frühen Mittagsstunde.
Der Vollständigkeit halber soll auch noch erwähnt werden, dass im Pressezelt Konferenzen und exklusive Akustikauftritte abgehalten werden. Ich habe mir die Pressekonferenz von DIRKSCHNEIDER angeschaut. Angeblich wird es nach drei weiteren Auftritten keine Shows mehr geben, bei denen lediglich Accept-Klassiker gespielt werden. Wer übrigens denkt, dass man im Pressezelt vielen Promis über den Weg läuft, den muss ich enttäuschen. Man findet eher gestresste oder biertrinkende Journalisten, die ihr I-Phone aufladen.
Was mir in diesem Jahr wirklich extrem positiv aufgefallen ist, ist der echt respektvolle Umgang der Besucher mit dem Campinggelände. Zumindest in unserer Umgebung (Campingplatz V) hat man fast keinen Müll oder Asozialitäten auf dem Camplatz gesehen. Ebenso wie meine anfängliche kritische Beobachtung bezüglich der Security kann das natürlich dem Zufall geschuldet sein, denn ich habe weder alle Securities gesprochen, geschweige denn den gesamten Campingplatz erkundet. Aber mir kam es durchaus so vor, als ob die Besucher nicht aufs Wacken gekommen sind, um vier Tage in ihrem Müll zu wohnen.
Dieser Herr hat seinen heißgeliebten Schlamm vermisst. Da fällt mir noch ein minimaler Kritikpunkt ein: Gefühlsmäßig waren die Laufwege länger als im letzten Jahr. Liegt es daran, dass das Gelände in einem guten Zustand war (da kein Regen und daher keine Verschlammung) und daher umfangreicher genutzt werden konnte und somit weitläufiger aufgebaut wurde? Eventuell bilde ich mir das aber auch nur ein.
Zu diesem Bild gibt es wenig zu schreiben. Aber es ist einfach die Definition von Wacken-Romantik. Drauf klicken!
Ja, zusammenfassend einfach wieder ein geniales Festival – die 10 stündige Anreise hat sich definitiv gelohnt. Da ich ein Fan von Rankings bin, hier einfach nochmal meine Top 5 Bands (ohne Reihenfolge): Fischer-Z, Tom Angelripper, Knorkator, Solstafir, Helmet. Darüber hinaus richtig gut waren: Cannibal Corpse, Ghost, Todesking, Belphegor, Running Wild, Mantar. Solide Shows abgeliefert haben: Steel Panther, Riot V, Behemoth, Watain, Vallenfyre, Dying Fetus, Blues Pills, Wintersun.